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MV aktuell Keiler tötet Jäger – Jagden in MV werden nicht ausgesetzt
Nachrichten MV aktuell Keiler tötet Jäger – Jagden in MV werden nicht ausgesetzt
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19:20 05.12.2017

Tragischer hätte es nicht kommen können: Agrarminister Till Backhaus (SPD) setzt ein Sofortprogramm in Kraft, das die Jägerschaft motivieren soll, mehr Wildschweine zu schießen. Gleich am ersten Wochenende, ab dem die Verordnung greift, kommt bei Greifswald ein Jäger ums Leben.

Keiler können bis zu 200 Kilo wiegen. Quelle: Foto: Dpa

Drückjagd

Bei der Drückjagd spüren wenige Treiber, mit oder ohne Hund, Wild auf und treiben es – relativ vorsichtig – an den Schützen vorbei.

Bei der Treibjagd – meist auf offenen Flächen – ist mehr Tempo drin. Viele Hunde und Treiber sind im Einsatz.

Der 50-jährige Ronald A. war am Kooser See in Neuenkirchen am Sonntag von einem Keiler angegriffen und tödlich verletzt worden, wie die Polizei mitteilte. Der Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt der in seiner Freizeit an einer privaten Drückjagd teilnahm, galt als erfahrener Jäger und Naturschützer. Insgesamt waren neun Jäger und vier Treiber an der Jagd beteiligt.

Ronald A. soll auf ein Wildschwein geschossen haben und dem Tier in den Schilfgürtel gefolgt sein. Dort habe das Tier, vermutlich ein Keiler, dem Mann Verletzungen am Oberschenkel zugefügt, so dass er viel Blut verlor und später im Klinikum Greifswald starb.

Nach Auskunft des Vorsitzenden des Landesjagdverbandes, Volker Böhning, hat es einen so folgenschweren Schwarzwild-Angriff auf einen Menschen in MV „seit Jahrzehnten nicht gegeben“. Der Vorfall zeige, „wie wehrhaft Wildschweine sind“, meint Achim Froitzheim, Sprecher des Landkreises Vorpommer-Greifswald.

„Wenn Wildschweine bedrängt werden oder angeschossen sind, reagieren sie häufig aggressiv und attackieren alle, die sich ihnen in den Weg stellen“, sagt auch Rainer Wagelaar vom Ökologischen Jagdverband. Mit den gefährlichen Eckzähnen „greifen die Tiere oft die Beine an“. Würden Hauptschlagadern getroffen, bestehe Lebensgefahr. Zwar könnten sich Jäger durch Hosen aus festerem Gewebe schützen und auch ihren Hunden ähnliche „Mäntelchen“ anlegen. „Eine Garantie, dass Schutzkleidung solche Unfälle verhindert, gibt es aber nicht“, sagt der Wissenschaftler, der in Baden-Württemberg Forst-Studenten im Weidwerk unterrichtet.

Trotz des Unfalls: Das Schweriner Agrarministerium sagt deshalb keine Jagden ab. „Es wäre übereilt, jetzt alles abzublasen“, meinte eine Sprecherin. Um die Gefahr des Einschleppens der Afrikanischen Schweinepest zu mindern, sollen in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr 80000 Wildschweine erlegt werden. Agrarminister Backhaus hatte die Jäger aufgefordert, 20 Prozent mehr Wildschweine als üblich zur Strecke zu bringen. Allein die Landesforst hat für diesen Winter rund 400 größere Jagden angekündigt. „In jedem der 29 Forstämtern in MV soll es zehn bis 15 Gesellschaftsjagden geben“, bestätigt Karen Helldrich von der Landesforstanstalt Malchin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Seit dem 1. Dezember lockt das Land mit finanziellen Anreizen für die Jäger: 25 Euro für jedes erlegte Wildschwein sowie Zuschüsse für Jäger, die sich als Hundeführer an Drückjagden beteiligen. Seite 5

Elke Ehlers und Cornelia Meerkatz

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