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Kein Tuten mehr: Rostock verbietet Schiffssirenen

Warnemünde Kein Tuten mehr: Rostock verbietet Schiffssirenen

Tuten verboten – das verlangt ein Schreiben des Hafen- und Schifffahrtsamtes Rostock, das Warnemündes Fahrgastreedereien erreichte.

Warnemünde. Tuten verboten – das verlangt ein Schreiben des Hafen- und Schifffahrtsamtes Rostock, das Warnemündes Fahrgastreedereien erreichte. Es habe „mehrere Eingaben“ gegeben, schreibt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Deshalb erinnere er an das im Vorjahr ergangene „Verbot zur Nutzung des Typhons (akustisches Signalgerät) beim Ein- und Auslaufen von Kreuzfahrtschiffen“.

 

OZ-Bild

Eindrucksvoll: Schiffssirene auf einem Fahrgastschiff in Warnemünde.

Quelle: Klaus Walter

Warnemündes Fahrgastschiffer finden das „ganz und gar nicht lustig“, wie Silvia Grahl, Mitarbeiterin der Fahrgastschifffahrt „Käpp’n Brass“, sagt. „Kann man in ein Seebad an die Hafenkante ziehen und über Schiffssirenen meckern?“, fragt sie.

Was war das schön, als Anfang der 1990er Jahre die ersten Kreuzfahrer der freien Welt nach Warnemünde kamen. Blasmusik, winkende Menschen – und Signale aus allem, was seemännisch tuten kann: Diese Szenen am Passagierkai begründeten den Ruf Warnemündes als Kreuzfahrthafen: Hier werden Schiffe verabschiedet, „wie es sich gehört“. Dafür wurde auf dem Gebäude des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Warnemünde eigens ein Typhon montiert. Zu Recht, sagt Fahrgast-Reeder Reinhard Kammel: „Es ist Sache von Anstand und Höflichkeit, dass man seine Gäste ordentlich begrüßt und verabschiedet.“

Das beklagte Schallsignal „dreimal lang“ heißt einfach nur „Ich freue mich“, wie Helmut Fengler versichert. Er muss es wissen: Er ist Begrüßungskapitän auf „Willkomm-Höft“, der Hamburger Schiffsbegrüßungsanlage an der Elbe. Er zieht hauptamtlich Fahnen hoch, spielt Nationalhymnen vorbeifahrender Schiffe ab – und freut sich von Herzen über jedes Typhonsignal. In Warnemünde könnte nun Schluss damit sein: Wenn sich hier ein Richter fände, der den „vermeidbaren Lärm“ der seemännischen Abschiedszeremonie per Urteil verbietet, ist es vorbei.

Das könnte ernste Folgen haben: Schon jetzt verzichten Kapitäne auf viele Schallsignale, die laut Seeschifffahrtsstraßenordnung vorgeschrieben sind. „Eigentlich müssten wir bei jeder Ruderbewegung aufs Knöpfchen drücken“, sagt Reinhard Kammel. Ruder Backbord, Ruder Steuerbord, Maschine Rückwärts, Bleib weg – fast jedes Manöver hat ein Schallsignal. Das „dreimal lang“ abends an nur hundert Tagen im Jahr würde gerade noch als Vorspiel taugen, wenn alle Kapitäne „ordnungsgemäß“ tuten. „Machen wir aber nicht“, sagt Kammel, doch wie eine Drohung klingt sein:„Obwohl wir das eigentlich müssten.“

Dass weiter solch ein Frieden herrscht, hofft auch Rostocks Finanzsenator Chris Müller (SPD). Ihm untersteht das Hafen- und Schifffahrtsamt, er muss den politischen Kopf für das Schreiben hinhalten.

„Natürlich hält die Hansestadt Schifffahrtstradition hoch“, sagt er und fügt mutig hinzu: „Typhonsignale von Schiffen beim Ein- und Auslaufen zur Begrüßung oder Verabschiedung sind auf der ganzen Welt normal und gewünscht. Das Gleiche gilt für Warnemünde.“ Klaus Walter

OZ

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