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MV aktuell Kein Verkauf mehr am Sonntag – zwölf Orte fallen aus der Bäderregelung
Nachrichten MV aktuell Kein Verkauf mehr am Sonntag – zwölf Orte fallen aus der Bäderregelung
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12:08 11.01.2019
Wolgast fällt genau wie weitere elf Orte in MV aus der Bäderregelung. Quelle: Ute Spohler
Rostock

Die neue Bäderregelung zur Sonntagsöffnung trifft weiter auf massive Kritik. „Es ist empörend und lächerlich zugleich, dass sich Leute, die nie in unseren Touristenhochburgen Kröslin und Freest waren, diese Entscheidung anmaßen“, kritisiert Kröslins Bürgermeister Holger Dinse. Für Kröslin und Freest soll die Bäderregelung künftig nicht mehr gelten. Mehrere zehntausend Urlauber kämen in die Orte, sagt Dinse: „Allein zum Fischerfest Anfang August kommen an einem Wochenende 30 000 Gäste hierher.“

72 statt 79 Orte mit Bäderregelung

In dieser Woche hatte sich das Schweriner Wirtschaftsministerium mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, die Zahl der Orte und Ortsteile, die von der Regelung profitieren, von 79 auf 72 zu reduzieren (OZ berichtete). Zudem dürfen die Geschäfte in den entsprechenden Ferienorten nur noch an 26 statt zuvor an 32 Sonntagen im Jahr öffnen. Die sogenannte Bäderverkaufs-Verordnung soll am 15. April in Kraft treten. Im Gegenzug für den Kompromiss kündigte Verdi an, die Klage gegen die bisherige Regelung zurückzuziehen.

Für die Ermittlung der Orte wurde ein Berechnungsmodell entworfen. In die Rechnung fließt die Zahl der Einwohner und die der Touristen, die Zahl der Übernachtungen und der verkauften Kurkarten ein. Nur wer genügend Gäste vorweisen könne, komme auf die Liste, heißt es. Einige Orte sind neu auf der Liste, zugleich sind die folgenden zwölf Orte herausgefallen: Bad Doberan, Dömitz, Penkow, Barth, Ribnitz-Damgarten, Klütz, Klütz (Ortsteil Wohlenberg), Kröslin (Ortsteil Freest), Kröslin (Ortsteil Kröslin), Usedom, Wolgast und Bergen.

Das Schweriner Wirtschaftsministerium hat sich mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, die Zahl der Orte und Ortsteile, die in MV von der Bäderregelung profitieren, von 79 auf 72 zu reduzieren. In diesen zwölf Orten wird man nicht mehr am Sonntag einkaufen können-

„Gewaltiger Imageschaden“

In einigen der betroffenen Orten ist der Ärger groß. „Das ist ein gewaltiger Imageschaden“, sagt der Bürgermeister von Bad Doberan, Thorsten Semrau (parteilos). Er könne nicht nachvollziehen, warum Bad Doberan aus der Bäderverkaufs-Verordnung gestrichen wurde. „Wenn das wegfällt, wollen die den Tourismus hier ganz begraben?“, fragt die Inhaberin des Presseshops an der Severinstraße, Karin Schwede, besorgt.

Auch Jochen Storrer, Bürgermeister der Stadt Usedom, ist wütend. Mit der Neuregelung würden Orte wie seine kleine Stadt, die sich sehr um Touristen bemühen, ins Aus bugsiert. Und einen „nicht nachvollziehbaren Nachteil“ für die Stadt Bergen als Mittelzentrum der größten deutschen Insel Rügen, befürchtet Bürgermeisterin Anja Ratzke.

Handel in Klütz nicht betroffen

In Ribnitz-Damgarten hält sie die Aufregung unterdessen in Grenzen. „Die Sonntagsöffnung wurde von den Einzelhändlern nicht in Anspruch genommen“, sagt die Tourismusmanagerin der Bernsteinstadt, Silke Kunz. Auch den Einzelhandel in Klütz treffe es kaum. Nach Angaben des Vorsitzenden des Handwerker- und Gewerbevereins Klützer Winkel, Peter Maerz, hätten die Händler, die Mitglieder im Verein sind, „ohnehin nur am Sonnabendvormittag geöffnet“.

Verordnung gilt ab 15. April

Die sogenannte Bäderverkaufs-Verordnung soll zur Saison 2019 in Kraft treten und bis 2024 Gültigkeit haben. Die Saison beginnt am 15 April und endet am 30. Oktober. Ergänzend gibt es eine Osterregelung: Wenn Ostern in den März fällt, beginnt die Saison am 15. März. Der Verkauf ist an den entsprechenden Tagen von 12 bis 18 Uhr erlaubt.

„Wir hatten gehofft, dass die neue Regelung auch die Nebensaison und die touristische Entwicklung in ländlichen Räumen berücksichtigt“, sagt der Sprecher des Landestourismusverbands TMV, Tobias Woitendorf. Es gehöre zur touristischen Willkommenskultur, dass Urlauber, die beispielsweise am Sonntag am Ferienort eintreffen, sich mit den nötigen Sachen versorgen könnten.

Verbot ist Relikt aus der Vergangenheit

„Die Landesregierung hat sich von Verdi als Geisel nehmen lassen“, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold, der aus Barth (Kreis Vorpommern-Rügen) stammt. Es sei die Aufgabe der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft zu erhalten und zu verbessern. „Der vorgelegte Kompromiss erzielt das Gegenteil“, betont Reinhold.

Nach Ansicht des FDP-Bundestagsabgeordneten Hagen Reinhold ist das Sonntagsarbeitsverbot „ein Relikt aus der Vergangenheit“. Es entspreche „schon lange nicht mehr“ der Arbeitswirklichkeit vieler Arbeitnehmer in MV. Reinhold: „Wir sollten diese überkommene Bestimmung überwinden und jedem freistellen, ob er am Sonntag öffnen möchte oder nicht.“

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Axel Meyer