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MV aktuell Keine Einbußen nach AfD-Erfolg: Tourismus weiter auf Rekordkurs
Nachrichten MV aktuell Keine Einbußen nach AfD-Erfolg: Tourismus weiter auf Rekordkurs
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05:42 23.09.2016
Karina Schulz, Sprecherin der Usedomer Tourismus GmbH Quelle: Dietmar Lilienthal

Der befürchtete Einbruch in der Tourismusbranche nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in MV ist ausgeblieben. „Es gibt bislang keinen Rückgang und keine Stornierungen“, sagt Karina Schulz von der Usedomer Tourismus GmbH. Auch landesweit gab es nur wenige Absagen, heißt es beim Landtourismusverband. Im Gegenteil – im Moment deute alles darauf hin, dass die Tourismusbranche im Nordosten weiter auf ein neues Rekordjahr zusteuert.

Wichtigste Branche

12 Prozent der Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern werden durch den Tourismus erzielt. Damit liegt die Branche noch vor dem Baugewerbe. Die Urlauber sorgen jährlich für 4,1 Milliarden Euro Umsatz – unter anderem in Hotels, Einzelhandel und Restaurants.

„Alles wie immer“, meint Rainer Dumke, Leiter der Jugendherberge in Heringsdorf. Nach der Wahl habe es bei ihm weder besorgte Anrufe noch Absagen gegeben. Schulklassen aus ganz Deutschland sind regelmäßig in seinem Haus zu Gast. In Gesprächen mit den Gästen spiele das Thema AfD keine Rolle, so Herbergsvater Dumke. Auf Usedom erhielt die umstrittene Partei am 4. September ein Drittel der Stimmen und wurde hier stärkste politische Kraft. Es wurden Befürchtungen laut, Urlauber könnten deshalb die Insel oder andere Regionen in MV künftig meiden.

Im Trassenheider Hotel Seeklause, ebenfalls auf Usedom, kündigte laut Geschäftsführer Frank Römer nur ein Gast aus Baden-Württemberg schriftlich an, wegen des Wahlergebnisses nicht wiederkommen zu wollen. An der Gesamtsituation habe sich nichts geändert: „Das ist der beste September, den ich in den vergangenen 20 Jahren erlebt habe“, sagt der Hotelier. Wegen des guten Wetters kämen viele kurzentschlossene Gäste. Auch für Oktober und November gebe es mehr Vorbuchungen als sonst. Inlandsreisen seien so gefragt wie nie – wegen der angespannten Lage in Urlaubsländern wie der Türkei und Tunesien, vermutet Römer. „Wir haben seit März Hauptsaison“, sagt er. Anders als in Dresden, wo seit den Pegida-Demonstrationen Einbußen auftreten, gebe es einen solchen Effekt auf Usedom nicht, meint der Hotelier. Auch die Seetel-Hotelgruppe registriert keinen Urlauberschwund: Es habe vielleicht „ein bis zwei Stornierungen“ gegeben, sonst nichts, meint Manager Stefan Hilgers.

„Wirtschaftlich ist der Einfluss des Wahlergebnisses verschwindend gering“, sagt Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes. Die bundesweite Berichterstattung über die AfD-Erfolge in MV wirke sich fast gar nicht auf Buchungszahlen aus. In der Schweiz und in Frankreich, wo rechtspopulistische Parteien noch mehr Stimmen holen, seien die Urlauber auch nicht weggeblieben.

Der Tourismusverband hält mehr Investitionen durch das Land für nötig. Es sei keine Branche, die man „einfach laufen lassen kann“. Wenn in Regionen, die allein vom Tourismus leben, mehr geschehe, würde sich das in einer höheren Zufriedenheit niederschlagen – und in weniger Protestwählern. Seite 2

Gerald Kleine Wördemann

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