Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Kinderlachen beim letzten Termin
Nachrichten MV aktuell Kinderlachen beim letzten Termin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 09.06.2017
Schwerin

„Toll gemacht!“ Seinen vorerst letzten offiziellen Termin hat Ministerpräsident Erwin Sellering gestern mit Kindern in der Staatskanzlei verbracht. Für ein paar Stunden war er Erklärbär. Politik sei einfach, sagt er schmunzelnd im Büro der Staatskanzlei: „Ich entscheide, und andere Leute machen es.“ Die Schatten seiner kürzlich diagnostizierten Krebserkrankung sind dennoch nicht verflogen. An die Sonne durfte Sellering mit den Kindern nicht. Ärztliche Vorgabe. „Das ist eine der Ansagen.“ Ein halbes Jahr lang werde er sich nun in Therapie gegen Lymphdrüsenkrebs begeben.

Die Krankheit merken die Kinder dem Regierungschef an diesem Tag nicht an. Herzlich begrüßt Sellering seine 53 Gäste, „die etwas Besonderes tun“, zu einer Art Nach-Kindertag. Wasserspringer aus Rostock, Feuerwehr-Zwerge aus Boizenburg und die „Buchkinder vom Stettiner Haff“, die rund um Eggesin selbst Bücher herausgeben. Schnell taut das Eis. Sellering setzt sich zwischen die Knirpse, witzelt, fragt neugierig nach, lobt. Beifall für die ehrenamtlichen Trainer! Alle klatschen. Die Kinder führen etwas vor. „Ich will zu Olympia“, sagt Wasserspringer Vincent (8). Dann fragt er mit anderen den Regierungschef nach seiner Arbeit. Sellering antwortet freundlich. Auch darauf, was er gern esse. „Obst und Fleisch, auch Pizza.“ Und welchen Sport er früher getrieben habe: Handball und Fußball. Die Zeit vergeht wie im Flug. Den Nachmittag verbringen die Kinder im Freibad Kalkwerder.

Sellering schaltet derweil wieder in den Modus Regierungsübergabe. Seit Tagen trifft er sich immer wieder mit seiner designierten Nachfolgerin Manuela Schwesig (43), die am 2. Juli beim SPD-Parteitag als kommende Ministerpräsidentin bestätigt und kurz darauf im Landtag gewählt werden soll. Am Mittwoch saßen beide zum Mittag im „Brinkama’s“, dem heimlichen SPD-Restaurant in Schwerin. Die Koalition mit der CDU stehe weiterhin, ist aus der Partei zu hören. „Ich bin sehr froh darüber, wie wir jetzt aufgestellt sind“, sagt Sellering. Vier Minister um die 40, eine Nachfolgerin, die auch in der Partei großen Rückhalt genieße. Da falle das Loslassen leichter. „Wir sind die politische Kraft des Landes“, sagt Sellering. Das solle auch so bleiben.

Allerdings zunächst ohne ihn. Ende Mai verkündete Sellering seinen Rückzug aus allen Ämtern. Grund: die ärztliche Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Schon vor Monaten habe er gespürt, dass etwas mit ihm nicht stimme, habe geglaubt, dass wiederkehrende Erkältungen von seinem kleinen Sohn Matti (2) kämen. Dann folgte ein Bluttest. Als die Ärztin ihn anrief und sagte, „sie will persönlich mit mir über das Ergebnis sprechen“, habe er geahnt, dass es schlimmer sein muss. „Es ist eine massive Therapie nötig“, so Sellering. Ein halbes Jahr lang werde dies etwa andauern. „Dann werden wir sehen, wie es um die Kraft steht.“ Sein Landtagsmandat wolle er zunächst behalten. In der SPD kursieren einige Gerüchte über eine schlechte Prognose. Sellering will nicht mehr über seine Krankheit sagen.

Privatsphäre. Zunächst wird ihn CDU-Mann Lorenz Caffier als Vize-Regierungschef vertreten.

Sein Ausscheiden reißt ein großes Loch in die SPD in MV. Zehn Jahre war er Partei-, acht Jahre Regierungschef. Schwesigs Zug an die Spitze bringt die Partei vor der Bundestagswahl in Bedrängnis, wo sie als Spitzenkandidatin gesetzt war. Nun werde es schwerer, räumt Sellering ein. In den kommenden Tagen werde parteiintern geklärt, wer auf welchem Listenplatz kandidiert. Fragezeichen stehen hinter dem Schweriner Direktkandidaten. Namen, die gehandelt werden: Christian Masch, Chef der Schweriner SPD-Stadtfraktion, und Agrarminister Till Backhaus. Sellering schweigt dazu.

Was er denn den ganzen Tag im Büro so mache, wollen die Kinder beim Besuchstag vom Regierungschef wissen. Sellering lächelt und zeigt ein Geheimfach im Schreibtisch. Dann blickt er auf ein Bild hinter seinem Stuhl. Zu sehen: Fußboden, darüber hellblaues Nichts.

Frank Pubantz

Gleicher Tarifabschluss wie für Angestellte im öffentlichen Dienst

09.06.2017

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt beim „Politischen Salon“ der OZ

09.06.2017

. Der Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), Franz Müntefering, hat gestern am Warnemünder Leuchtturm den bundesweit zehnten „Wünschewagen“ eingeweiht.

09.06.2017