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Kinderpornos: Polizist aus MV auf Käuferliste

Neubrandenburg Kinderpornos: Polizist aus MV auf Käuferliste

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt gegen einen Beamten. Der geriet anscheinend nur zufällig unter Verdacht.

Neubrandenburg. Einem Polizisten aus MV wird vorgeworfen, Kinderpornos im Internet bestellt zu haben — beim selben Händler, der auch den Ex-Bundesabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) belieferte. Bei dem Mann handelt es sich offenbar um einen Beamten aus dem höheren Dienst. Das Schweriner Innenministerium bestätigte gestern die Ermittlungen. „Es gibt einen Verdachtsfall in Mecklenburg-Vorpommern“, teilte Sprecherin Marion Schlender mit.

Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg. Die Ermittlungen, die seit einigen Wochen laufen, würden demnächst abgeschlossen, sagte Sprecherin Beatrix Komning. Es gehe um den Vorwurf des Besitzes von Kinderpornografie — ähnlich wie beim Politiker Edathy. Details nannte Komning nicht — auch nicht die Funktion oder den Einsatzort des verdächtigten Beamten.

Insgesamt 800 Namen stehen auf einer Liste, die das Bundeskriminalamt (BKA) Ende 2011 von kanadischen Behörden bekam. Sie verzeichnet Daten von deutschen Internet-Kunden, die bei der Firma „Azov Films“ aus Toronto zum Teil kinderpornografische Filme bestellt hatten. Laut „Spiegel Online“ glichen Ermittler aus MV die Liste mit Personen des öffentlichen Lebens aus dem Nordosten ab. Dabei stießen sie auf den Namen ihres Kollegen. Edathy und ein ranghoher BKA-Beamter waren dagegen durch Ermittlungen des BKA enttarnt worden.

Die Staatsanwaltschaft ordnete offenbar eine Hausdurchsuchung bei dem Polizisten aus MV an. Der Beamte soll — wie auch Edathy — in der Liste als Käufer sogenannten Kategorie-2-Materials geführt worden sein. Dabei handelt es sich nicht um harte Kinderpornografie, sondern um aufreizende Darstellungen von Kindern. Der Besitz ist nicht strafbar. Bei der Auswertung beschlagnahmter Festplatten und Kontoauszüge ergaben sich offenbar keine Hinweise auf eine pädophile Neigung des Beamten. Der hatte größtenteils nur gewöhnliche DVDs mit Filmklassikern, die Azov offenbar auch im Programm führte, gekauft. Zwei bei ihm entdeckte „nicht künstlerische“ Filme habe er nach eigenen Angaben weder bestellt noch gesehen. Auf die Azov-Webseite hätte ihn eine normale Suchmaschine geleitet. Die Ankündigung der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen abzuschließen, deutet auf Einstellung des Verfahrens hin.

Dem BKA-Beamten wird indes der Kauf von strafbaren Kategorie- 1-Filmen vorgeworfen, also harter Kinderpornografie. BKA-Chef Jörg Ziercke steht unter Druck, weil er diesen Fall im Innenausschuss des Bundestags verschwiegen hatte. Die Grünen forderten gestern einen Untersuchungsausschuss.

Missbrauch im Internet

1 Prozent aller Männer zwischen 18 und 75 Jahren fühlen sich nach Angaben des Therapie-Netzwerks „Kein Täter werden“ von Kindern und Jugendlichen sexuell angezogen.
100 000 Dateien mit Kinderpornografischem Inhalt wurden 2010 bei einem Pädophilenring entdeckt. Einer der Täter, ein Soldat aus Schwerin, wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

 



Gerald Kleine Wördemann

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