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Kindesmisshandlung: Kritik an offenen Jugendamtsstellen

Grevesmühlen Kindesmisshandlung: Kritik an offenen Jugendamtsstellen

Kinderschutzbund spricht von Skandal / Grevesmühlen kein Einzelfall / Linke fordert zusätzliche Stellen

Grevesmühlen. Der Fall eines misshandelten Dreijährigen in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) hat eine Debatte über die Personalsituation in den Jugendämtern in MV ausgelöst. Der Junge war mit blauen Flecken, unterernährt und dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert worden (die OZ berichtete).

Wie sich herausstellte, sind im zuständigen Jugendamt Grevesmühlen derzeit vier Stellen unbesetzt. „Die Belastungen für Mitarbeiter der Jugendämter sind so hoch wie in keinem anderen Job. Umso alarmierender ist es, wenn die personelle Ausstattung am Limit ist“, kritisierte gestern der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Carsten Spies. Bei der Besetzung müssten andere Kriterien gelten als anderswo in der Verwaltung. „Das ist kein Schreibtischjob, sondern die Mitarbeiter müssen oft raus zu den Familien, auch außerhalb der üblichen Bürozeiten.“

In Grevesmühlen haben wohl auch mehrere Mitarbeiter sogenannte Überlastungsanzeigen gemacht, also offiziell erklärt, dass sie ihre Arbeit nicht schaffen. „Solche Überlastungsanzeigen gibt es regelmäßig, das ist ein Skandal“, schimpfte Spies.

In MV berät das Bündnis Kinderschutz im Auftrag des Sozialministeriums Jugendämter. Auch dort sind die Missstände bekannt: „Unbesetzte Stellen gibt es in einigen Jugendämtern“, sagte Projektleiter Michael Bock. „Häufig gibt es Probleme mit der Neubesetzung frei werdender Stellen, weil qualifizierte Bewerber fehlen.“ Dies bedeute dann Mehrarbeit für die Kollegen, was wiederum das Fehlerrisiko erhöhe, sagte Bock. Zum aktuellen Fall wollte sich Bock nicht äußern. Das Bündnis habe dem Jugendamt Grevesmühlen aber bereits Krisenberatung angeboten.

Um Misshandlungen wie die des dreijährigen Jungen frühzeitig festzustellen, rät Bock den Sozialarbeitern, auf Überlastungssymptome der Eltern zu achten. Alarmsignale seien etwa, wenn die Eltern alltägliche Aufgaben wie das Aufräumen der Wohnung nicht mehr schaffen. „Auch häufige Streitereien zwischen den Eltern können ein Hinweis sein.“ Es gelte, genau zuzuhören, wenn Eltern zu verstehen geben, dass sie sich überfordert fühlen. Der 31-jährige Vater des Jungen aus Grevesmühlen hatte mehrfach beim Jugendamt um Hilfe gebeten.

Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) hatte jedoch Vorwürfe zurückgewiesen, die Familiensituation sei vom Amt falsch eingeschätzt worden. Dazu meinte gestern die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Linke): „Es ist weder hinzunehmen noch nachzuvollziehen, wie die Landrätin auf die augenscheinlichen Missstände reagiert. Der Landkreis muss nicht nur die vorhandenen Stellen besetzen, sondern umgehend zusätzliche Stellen schaffen.“ Sozialarbeiter sollten nicht mehr als 40 Fälle gleichzeitig betreuen. In Nordwestmecklenburg seien es jedoch derzeit 60. Axel Büssem

OZ

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