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Kirchturm-Uhren in Not

Börzow Kirchturm-Uhren in Not

Das Kulturerbe ist vielerorts in einem sehr schlechten Zustand

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Udo Böttcher zeigt in der Kirche von Börzow die historische Uhren- Mechanik.

Quelle: Jens Büttner

Börzow. . Vom Turm der Backsteinkirche in Börzow bei Grevesmühlen (Kreis Nordwestmecklenburg) schlägt es seit mehr als 50

Jahren nicht mehr. Das mechanische Werk der über 200 Jahre alten Kirchturmuhr steht, das Zifferblatt ist so verblasst, dass die Zahlen darauf kaum noch zu erkennen sind. Udo Böttcher von der Kirchgemeinde stimmt das traurig: „Wir möchten, dass die Uhr wieder läuft und schlägt, das gehört einfach dazu.“

Wie der Kirchturmuhr von Börzow geht es vielen in MV, sagt der Schweriner Uhrmacher Hans-

Joachim Dikow. Der Gründer der Initiative „Kirchturmuhren in Not“ reist seit Jahren durchs Land, um die Kirchturmuhren zu erfassen und ihren Zustand zu dokumentieren. Das sei ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt. Der Kirchenkreis Mecklenburg der Nordkirche habe dazu eigens ein Computerprogramm entwickeln lassen.

Von den etwa 700 Gotteshäusern im Kirchenkreis Mecklenburg hat Dikow bisher rund 100 Uhren aufgenommen – und dabei viel Kaputtes gesehen. „Verrostet, verrottet, Fragmente liegen auf dem Kirchendachboden herum“, fasst er zusammen. Rund die Hälfte der von ihm untersuchten Uhren sei nicht mehr funktionstüchtig. Mancherorts gehe die Uhr zwar, werde aber elektronisch gesteuert, was schade sei.

Vielen Pastoren und Kirchgemeinden sei der kulturhistorische Wert ihrer mechanischen Turmuhren nicht bewusst, so Dikow. Dabei seien sie oft mehrere hundert Jahre alt und beeindruckende technische Zeugnisse. Die Kirchturmuhr von Börzow, so Böttcher, wurde 1774 von der Kirche des Nachbardorfes Roggenstorf gekauft – den Unterlagen zufolge gebraucht.

Mit einer Wanderausstellung will die Initiative „Kirchturmuhren in Not“ auf das besondere kulturelle Erbe hinweisen. Sie wird laut Dikow gegenwärtig erarbeitet. Ein originales Uhrwerk soll dabei mit auf Reisen gehen.

Die Initiative versucht mit Konzerten und im August erstmals mit einem mehrtägigen Kulturfestival, Geld für die Restaurierung aufzutreiben. Für die Instandsetzung der jetzt wieder laufenden Kirchturmuhr in Melkhof (Ludwigslust-Parchim) seien 1500 Euro zur Verfügung gestellt worden, 1000 Euro für die Reparatur der Uhr der Paulskirche in Schwerin. Auch für die anstehende Reparatur der Uhr in Wittenförden bei Schwerin habe die Initiative Geld gesammelt und könne rund 3000 Euro bereitstellen.

Laut Schweriner Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz wurde in den Jahren nach der Wende vor allem in die Erneuerung der Dächer und der Bauhüllen der Kirchen investiert. In den vergangenen zehn Jahren sei das Augenmerk auch stärker auf die Innenausstattungen gerichtet worden. „Die Uhren gehören dazu“, sagt er. Viele seien wieder in Gang zu bringen.

Die Kosten dafür sind allerdings erheblich. Erste vorsichtige Schätzungen gehen etwa in Börzow von mehr als 10000 Euro aus. In dem Dorf soll am ersten Augustwochenende ein „Unplugged-Festival“ stattfinden, mit Übernachtung im Zelt und handgemachter Musik ohne Verstärker in der Kirche, wie Organisator Falk Schettler von „Kirchturmuhren in Not“ erzählt.

„Die alten Uhrwerke sind ja auch unplugged.“

Iris Leithold

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