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Kita-Notstand: In MV fehlen Hunderte Erzieher

Rostock Kita-Notstand: In MV fehlen Hunderte Erzieher

Bezahlung ist großes Problem / Ausbildung soll nun reformiert werden

Rostock. Den Kitas in Mecklenburg-Vorpommern gehen die Erzieher aus. Beschäftigte klagen über schlechte Bezahlung und Teilzeitarbeit, Kita-Träger leiden unter hoher Fluktuation und akutem Nachwuchsmangel. Gleich drei Erzieherinnen kündigten binnen kurzer Zeit in der Kita „Schlumpfenland“ in Sanitz (Landkreis Rostock) und wechselten zu kommunalen Einrichtungen – nur ein Beispiel von vielen. Ein Grund für die Unzufriedenheit: Teilzeitverträge mit 30 Stunden Wochenarbeitszeit. Realität aber waren 40 Stunden, Überstunden wurden ausgezahlt.

„Das ist eine gängige Methode, um auf Schwankungen bei der Kinderzahl reagieren zu können“, sagt Susann Wieland vom zuständigen DRK-Verband Bad Doberan. „99,9 Prozent aller Träger“ würden das so machen. Gehälter ihres Kreisverbands orientierten sich am Tarif im öffentlichen Dienst, erst kürzlich habe es eine Erhöhung gegeben. Das ist nach Angaben der Gewerkschaft GEW selten der Fall. „Wenige Träger bezahlen nach Tarif“, kritisiert GEW-Landessprecherin Michaela Skott. Der Unterschied mache bis zu 900 Euro brutto im Monat aus. Anfang März streikten in Rostock DRK-Kita-Mitarbeiter für mehr Geld. Schon nach einem Warnstreiktag lenkte der DRK-Kreisverband Rostock ein.

Kita-Betreiber können es sich nicht leisten, Erzieher zu vergraulen. „Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, es gibt einen unglaublich großen Bedarf“, sagt Thomas Drenckow, Arbeitsagentur Rostock. Allein in der größten Stadt von MV sind aktuell 80 offene Stellen gemeldet, landesweit sind’s 200. Es dürften weit mehr sein, nicht jeder offene Posten ist der Agentur gemeldet.

„In meiner Klasse hat jeder schnell eine Stelle bekommen“, sagt Erzieherin Anne-Jane Wolfram (24). Die Rostockerin machte vor eineinhalb Jahren ihren Abschluss und hatte mehrere Zusagen für einen Job.

„Der Nachwuchsmangel wurde lange ausgesessen“, weiß Henrike Taut vom Institut für Leben und Lernen, einem der größten Kita-Träger in MV. Die Personalnot wächst: Im Land eröffnen viele neue Kitas, es gibt mehr Geburten und berufstätige Eltern. Nach der Wende wurden zu wenige Erzieher ausgebildet. Derzeit arbeiten 11000 in MV. Ein Viertel ist älter als 55 Jahre, geht bald in Rente. Jeder Zweite ist mindestens 50.

Laut Alexander Kujat, Sprecher von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD), soll die Neuauflage des Kita-Landesgesetzes (Kifög) Abhilfe schaffen. Die Landesregierung will die Ausbildung reformieren. So sollen Erzieher ihr Rüstzeug in drei Jahren lernen – wie Frisör oder Mechatroniker in dualer Ausbildung. Samt Ausbildungsvergütung, Berufschule, Arbeitsvertrag. Noch bilden öffentliche und private Schulen in vier Jahren Erzieher aus, Teilnehmer müssen teils Schulgeld zahlen. Im Idealfall, so Kujat, könnte das neue Modell im Herbst starten.

Gerald Kleine Wördemann

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