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MV aktuell Kita-Streit beendet: SPD und CDU sind sich einig
Nachrichten MV aktuell Kita-Streit beendet: SPD und CDU sind sich einig
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00:05 22.06.2017

Die Kuh ist vom Eis: SPD und CDU haben sich gestern im Landtag auf einen Kompromiss zum neuen Kindertagesförderungsgesetz geeinigt. Im Streit der vergangenen Tage konnte die CDU durchsetzen, dass auch freie Schulen an der Ausbildung von Kita-Erziehern in einem neuen, dualen Ausbildungsgang beteiligt sind.

Neue Erzieherausbildung: Geld für Azubis, freie Schulen dabei

Spitzen konnte sich CDU-Fraktionschef Vincent Kokert nicht verkneifen. Die SPD habe „mit sich selbst“, nicht aber mit dem Koalitionspartner kommuniziert. Ein Seitenhieb, da die SPD in der Vorwoche Änderungen am Gesetzentwurf vornehmen wollte – ohne Absprache mit der CDU. Die wiederum drohte, sie würde das Gesetz nicht mittragen – und witterte die designierte SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als Strippenzieherin (die OZ berichtete). Schwesig saß gestern in einem Straßencafé gegenüber der Staatskanzlei, während die Fraktionen ihren Kompromiss vorstellten. Der sieht so aus: Es wird ab September aufgrund akuten Erziehermangels in Kitas landesweit ein verkürzter Ausbildungsgang (drei Jahre) mit hohem Praxisanteil angeboten. Azubis sollen dabei nicht wie bisher geplant zu 40 Prozent als Fachkräfte angerechnet werden, sondern gestaffelt in den Jahren zu 30, 40 und 50 Prozent. Zudem werde es finanziellen oder Zeitausgleich für Ausbilder in den Kitas geben. Der neue Abschluss soll „Staatlich anerkannter Erzieher für Null- bis Zehnjährige“ heißen, eine Alternative zur bisherigen Ausbildung zum Erzieher über vier Jahre, der auch ältere Kinder betreuen darf. Der SPD sei wichtig, dass auch Seiteneinsteiger wie Logopäden oder Physiotherapeuten nach vorheriger Qualifikation als vollwertige Erzieher arbeiten können, sagt Fraktionschef Thomas Krüger. Im Juli soll das Gesetz durch den Landtag.

Ein „Knackpunkt“ sei noch die bundesweite Anerkennung, so Kokert. Er sei aber sicher, dass andere Bundesländer dem Beispiel folgen werden, um mehr Fachkräfte zu gewinnen. SPD und CDU rechnen damit, dass die neue Erzieher-Ausbildung über kurz oder lang die alte ablöst. Ein Grund: Statt Schulgeld zahlen zu müssen, erhielten die Azubis sogar ein Entgelt von 820 bis 970 Euro im Monat.

Die Linke hält an ihrer Kritik an der Gesetzesänderung fest. Es sei eine „Aufweichung des Qualitätsgebots in den Kitas“ zu befürchten. so Jacqueline Bernhardt. Sie fordert: Auch Azubis im etablierten Ausbildungsgang müssten eine Vergütung vom Land erhalten. AfD-Fraktionschef Leif-Erik Holm moniert vor allem einen „kleinlichen Koalitionsstreit“ und Zeitverzug: „Das muss man sich mal vorstellen:

Die Landesregierung startet ein Bewerbungsverfahren, obwohl dafür noch die rechtliche Grundlage fehlt.“ Dies habe zu großer Verunsicherung bei freien Trägern im Land geführt.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft begrüßt die Novelle. „Damit wird deutlich, dass ein hohes Niveau mit diesem Abschluss erreicht wird“, erklärt Daniel Taprogge. „Problematisch“ bleibe die Anrechnung der Azubis auf den Personalschlüssel. Damit verschärfe sich die Arbeitsdichte.

Zwei Wege zum Erzieher

11100 Erzieher sind MV- weit in Kitas tätig. Da viele bald in Rente sind, steigt der Bedarf. Zwei Ausbildungen gibt es künftig:

1. „Staatlich anerkannter Erzieher“, eine schulische Ausbildung. Dauer: vier Jahre, Verkürzung z.B. für Sozialassistenten. Ohne Vergütung.

2. „Staatlich anerkannter Erzieher für Null- bis Zehnjährige“, mit hohem Praxisanteil, Dauer: drei Jahre. Einsetzbar nur in Krippe, Kita und Hort. Besonderheit:

eine Ausbildungsvergütung.

Frank Pubantz

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