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MV aktuell Kleine Braumanufakturen erobern den Markt
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00:00 02.01.2018
Rambin/Schwerin

In dem kleinen Labor sind sechs Biere aufgereiht, strohgelb, kastanienbraun und pechschwarz, jedes Glas gekrönt von feinem Schaum. Für Frank Lukas steht die Gütekontrolle an. Er lässt das Gebräu über den Gaumen gleiten – und lächelt zufrieden. Auf seinen Geschmack kann sich der Stralsunder verlassen: Er ist deutscher Meister der Biersommeliers.

Der Leiter der Insel-Brauerei Frank Lukas unterzieht in Rambin auf Rügen in der Brauerei verschiedene Biersorten einer Gütekontrolle. Die Insel-Brauerei setzt auf die internationale Craft-Beer-Welle, die von den USA nach Europa schwappte. Quelle: Foto: Sauer/dpa

„Unser Geheimnis sind die speziellen Hefen, die wir verwenden“, sagt der 48-jährige Leiter der Rügener Insel-Brauerei. Hinzu kommen besondere Malze, etwa Hafer und Roggen, und Hopfen. Auch die Gärung in offenen Edelstahlwannen ist ungewöhnlich – und sehr aufwendig. Auf diese Weise kommen auch feinste Aromen ins Bier.

In dem 1000-Seelen-Ort Rambin auf Rügen, umringt von Äckern und der neuen Schnellstraße, befindet sich die wohl ambitionierteste Brauerei des Landes. Jede der zwölf Sorten ist preisgekrönt, neunmal Gold gab es allein beim jüngsten World Beer Award in London. Die Spezialitäten werden mittlerweile selbst nach China exportiert - und das etwas mehr als zwei Jahre nach Gründung der Brauerei.

Markus Berberich sitzt an einem Holztisch und umklammert ein Glas Hopfentee. Der Gründer der Insel-Brauerei muss sich oft selbst kneifen, zu rasant verläuft die Erfolgsgeschichte des Unternehmens.

Vier Millionen Flaschen werden 2017 abgefüllt, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Eine Flasche kostet so viel wie ein solider Wein im Supermarkt. Der gebürtige Saarländer hatte für seinen Job als Geschäftsführer der Stralsunder Brauerei Störtebeker gekündigt. Dabei habe er sich bewusst in der „Einöde“ niedergelassen und nicht in einer hippen Metropole. Mehr als 5,5 Millionen Euro hat Berberich mit Hilfe eines holländischen Investors in den Standort investiert.

Auch in anderen Orten von MV haben Enthusiasten das Brauen für sich entdeckt. Henry Gidom kann sich noch an seine ersten Experimente im WG-Zimmer erinnern. „Zur Premiere habe ich Freunden ein untergäriges Helles eingeschenkt, ein schwieriges Bier“, sagt der Warnemünder. „Es hat erstaunlich gut geschmeckt.“ Das war Motivation weiterzumachen. Heute betreibt der studierte Historiker die kleine Braustätte „Hoppen un Molt“ in Warnemünde. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Im Hafen landen täglich Tausende Touristen an. Seinen Beruf als Lektor im Hinstorff Verlag will er dennoch nicht aufgeben. „Bücher sind meine Profession“, sagt er. Allerdings sei das Herstellen edler Gerstensäfte ein Ausgleich zum Büro. Fünf Sorten füllt er ab, darunter die aus Großbritannien stammenden Pale Ales.

Weitere Mikro-Brauereien existieren unter anderem in Leezen bei Schwerin, in Parchim, Marlow oder Ludwigslust. Ebenso haben etablierte Brauereien umgesattelt. „Unsere ersten Craft Biere haben sich gleich fantastisch verkauft“, sagt Stefan Darmann, Leiter der Brauerei in Vielank (Ludwigslust-Parchim). Dabei koste eine Flasche doppelt so viel wie ein Standardbier. Aber auch Darmann beobachtet, dass meist Touristen zum Craft Beer – handwerklich erzeugtem Bier – greifen: „Die Einheimischen bleiben bei dem, was sie kennen.“

50 neue Sudhäuser im Norden

1400 Braustätten sind bundesweit registriert. Der Craft-Beer-Anteil an der Gesamtproduktion liegt bei 0,3 bis 0,4 Prozent. Dennoch sind mittlerweile rund 50 neue Sudhäuser in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entstanden.

Dabei muss sich die Branche etwas einfallen lassen, um wieder mehr Deutschen das Bier schmackhaft zu machen. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist zuletzt gesunken. Das klassische Pils liegt dabei unangefochten vorn.

OZ

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