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Klinik ohne Kinderstation: Austrittswelle beim THW Wolgast

Wolgast Klinik ohne Kinderstation: Austrittswelle beim THW Wolgast

Ehrenamtler protestieren gegen Aus für die Kinder- und Geburtsstation am Krankenhaus der Peenestadt / Väter wollen sich künftig wiede stärker um ihre Familien kümmern

Wolgast. Die Schließung der Kinder-, Geburts- und Gynäkologischen Station am Krankenhaus Wolgast sorgt weiter für Unmut. Nach der Ablehnung der Volksinitiative dagegen sind jetzt zwölf Mitglieder aus dem Technischen Hilfswerk (THW) ausgetreten. Weitere Austritte werden erwartet.

Es sind Familienväter, die ihr Ehrenamt frustriert niedergelegt haben. Nach der Schließung der Pädiatrie wollen sie stärker ihren Kindern und Frauen beistehen, begründete der THW-Ortsbeauftragte Frank Hasche gestern den Austritt der Kameraden. Und sein Vize, Koserows Bürgermeister René König, spitzt zu: „Die Politik ist nicht mehr für uns Menschen da. Es geht ausschließlich ums Geld. Darauf müssen wir mit einem unüberhörbaren Zeichen reagieren.“

Der Landtag hatte vor einer Woche mit den Stimmen der Regierungsparteien SPD und CDU eine Volksinitiative zur Wiedereröffnung der Stationen abgelehnt. Dafür waren knapp 20000 Unterschriften in der Region Usedom/Wolgast gesammelt worden.

„Wenn die Landesregierung nicht für uns da ist, können wir nicht für die Region da sein“, sagt Hasche. Er und die ausgetretenen Kameraden hoffen, dass die Entscheidung zur Schließung überdacht werde;

dann könne man auch erwägen, im THW wieder aktiv zu werden, ergänzt König. Zunächst aber seien weitere Austritte angekündigt. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald reagierte mit Erschrecken. „Das ist ein besorgniserregendes Signal“, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Das Sozialministerium bedauert die Austritte, sieht aber keinen Grund, die Entscheidung zu revidieren. Man erkenne keinen ursächlichen Zusammenhang, sagte Sprecher Christian Moeller.

Der THW-Landesverband mit Sitz in Kiel wurde von den Austritten überrascht, ist um Aufklärung bemüht. Einen vergleichbaren Fall habe es noch nicht gegeben, sagte Sprecher Claus Döpper. In den nächsten Tagen will sich der THW-Landesbeauftragte mit den Kameraden treffen. „Das Problem liegt offenbar nicht beim THW, sondern beim Land“, hieß es.

Die Kameraden haben sich beim Landkreis als engagierte Helfer einen Namen gemacht, so etwa bei der Beseitigung von Paraffin-Anspülungen oder bei Hochwasserkatastrophen. Dort ist man alarmiert.

Technisches Hilfswerk und Freiwillige Feuerwehren seien Organisationen, die die Gesellschaft zusammenhielten. Kreissprecher Froitzheim: „Das Ehrenamt ist das Tafelsilber in der Region.“ Die Landrätin hat die Führung des THW zum Gespräch eingeladen.

Nach weiteren, bereits avisierten Austritten blieben Ende August nur elf von 35 aktiven Mitgliedern übrig. Damit könne der Verband keine eigenen Einsätze mehr leisten, sondern nur noch Unterstützung geben. Auch Hasche werde das THW dann verlassen.

Das Sozialministerium sucht eigenen Angaben zufolge nach Alternativen zur Schließung der Kinderstation. Das Ministerium sei mit der Kassenärztlichen Vereinigung und mit Reha-Kliniken im Gespräch, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Kein Kind werde bei einem Notfall an der Notaufnahme des Krankenhauses Wolgast abgewiesen, hieß es.

Martina Rathke und Steffen Adle

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