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MV aktuell Kliniken im Land versorgen immer mehr Patienten stationär
Nachrichten MV aktuell Kliniken im Land versorgen immer mehr Patienten stationär
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05:34 14.11.2016
Wolfgang Gagzow Quelle: Cornelius Kettler

Die Krankenhäuser in MV versorgen immer mehr Patienten vollstationär. 2015 sind 411767 Menschen in eine Klinik eingewiesen worden, 1000 mehr als im Jahr zuvor. Ähnlich sieht der Bundestrend aus. Gesundheitsökonomen vermuten, dass dahinter nicht nur der demografische Wandel steckt, sondern Kalkül.

Ihr Vorwurf: Krankenhäuser sanieren sich auf Kosten von Patienten, indem sie sich selbst die Betten füllen. Ärzte sollen Patienten aus der Notaufnahme einweisen, obwohl das in vielen Fällen nicht nötig wäre. In manchen Häusern sei das vermutlich gängige Praxis, die Kliniken hätten jedoch keine andere Wahl, sagt Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Bürger Initiative Gesundheit. Schuld sei die chronische Unterfinanzierung medizinischer Leistungen, die Krankenhäuser dazu zwinge, so ihre Kosten zu decken. Leidtragender sei der Patient, der oft nicht beurteilen könne, ob eine Einweisung nötig ist.

Die „Welt am Sonntag“ hatte berichtet, dass in Kliniken mit schlechter Bettenauslastung Geschäftsführer ihr Personal anwiesen, Besucher der Notaufnahme stationär zu behandeln. Beweis: die Fallzahlen.

2014 wurden gut 42 Prozent der Krankenhauspatienten direkt aus der Notaufnahme stationär aufgenommen. 2008 traf das nur auf etwas mehr als jeden dritten Fall zu.

Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft MV, weist die Vorwürfe zurück. „Keine Klinik holt sich mutwillig Patienten in die Betten, ohne dass es nötig ist. Das wäre nicht nur unmenschlich und unethisch, sondern auch strafbar.“ Zudem prüfe der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen bei gut der Hälfte aller Fälle, ob der vermeintlich Kranke zu Recht auf der Station liege. Wenn nicht, gebe es kein Geld. Das Risiko, Patienten zu versorgen und dann die Kosten nicht erstattet zu bekommen, sei „viel zu groß“, verdeutlicht Gagzow.

Viele Notaufnahmen seien mit Jungärzten besetzt, denen die Erfahrung fehle, sagt Steffen Fleßa, Professor für Gesundheitsmanagement an der Uni Greifswald. Bei einem Patienten mit unklaren Symptomen bliebe ihnen oft nur die Wahl, ihn heimzuschicken und zu riskieren, dass etwas passiert, den Feierabend des Oberarztes zu stören oder den Patienten aufzunehmen. „Wer kann es dem jungen Kollegen verübeln, wenn er sich für die dritte Alternative entscheidet?“ Jede Ambulanz bräuchte eine Notarztpraxis, „einen Allgemeinarzt mit Kassenzulassung, der vorsortiert. Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung“, fordert Fleßa.

Das würde die Notaufnahmen entlasten, denn die seien oft rappelvoll mit Kranken, die dort nicht hingehören, erklärt Gagzow. Vor allem zu Zeiten, wenn niedergelassene Ärzte Dienstschluss hätten, kämen Patienten mit Wehwehchen. Das spürt auch die Rostocker Südstadtklinik: „Darunter leiden akut erkrankte Patienten“, sagt Vize-Verwaltungsdirektor Birger Birkholz. Ohne Not stationär aufgenommen werde niemand.

Das gelte auch für die Rostocker Uniklinik, sagt Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand. „Wir prüfen das genau, damit wir Betten haben für jene, die es nötig haben.“ In den ersten acht Monaten 2016 wurden fast 30000 Kranke stationär behandelt – 900 mehr als im Vorjahreszeitraum. Ob sinnvoll oder nicht: „Der Patient hat jederzeit das Recht, eine Behandlung abzulehnen“, so Heike Morris von der Unabhängigen Patientenberatung. Seite 2

10000 Krankenhaus-Betten in MV

37 Krankenhäuser gibt es in MV. Zusammen verfügen diese über rund 10000 Betten. Hinzu kommen 1000 tagesklinische Plätze. 2015 waren die Stationsbetten laut Bundesamt für Statistik im Schnitt zu 75,5 Prozent ausgelastet.411767 Patienten sind 2015 in allen Kliniken des Landes stationär behandelt worden. Tendenz weiter steigend. 2014 wurden landesweit 410606 Patienten stationär eingewiesen – ein Plus von 1,6 Prozent im Vergleich zu 2013. Im Schnitt bleiben die Erkrankten sieben Tage im Krankenhaus.

Antje Bernstein

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