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Kliniken stecken Patienten in illegale Pflegeheime

Krakow/Güstrow Kliniken stecken Patienten in illegale Pflegeheime

Eine Unternehmerin soll mehrere Einrichtungen betrieben haben, ohne gesetzliche Auflagen zu erfüllen

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Patientin in einer Pflege- einrichtung: In Krakow am See und in Güstrow wurden offenbar Heime ohne Zulassung betrieben.

Quelle: Angelika Warmuth

Krakow/Güstrow. Völlig ungeeignete Räume, keine ausgebildeten Pflegekräfte: Zwei Patienten mussten sofort ins Krankenhaus gebracht werden, als am Donnerstag die Polizei vor der Tür stand. Zusammen mit dem Landkreis Rostock durchsuchte die Staatsanwaltschaft jeweils drei Objekte in Krakow am See und eine Wohnung in Güstrow. Eine Unternehmerin soll mehrere Pflegeheime betrieben haben, ohne gesetzliche Auflagen zu erfüllen.

„Uns verwundert sehr, dass Kliniken aus Mecklenburg-

Vorpommern Patienten eingeliefert haben.“Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock

In Güstrow stießen die Ermittler auf drei Schwerstpflegebedürftige. In Krakow am See gab es eine weitere Wohnung, in der sechs Personen untergebracht waren. Weitere 20 Männer und Frauen lebten unter anderer Adresse im gleichen Ort, verteilt auf zwei benachbarte Häuser. Trotz der vielen Patienten fanden die Kontrolleure hier kein Fachpersonal vor. Das dritte Objekt in Krakow war ein Büro.

Insgesamt soll die Pflegedienstchefin fünf Unternehmen geleitet haben. Steile Treppe, Türschwellen, Betten in Durchgangszimmern — die Räume verfehlten offenbar viele Anforderungen für Pflegeheime — was sie offiziell auch nicht waren.

Seit Oktober 2015 hatte die Betreiberin keinen gültigen Vertrag mehr mit der Pflegekasse. Krankenhäuser aus der Umgebung hielt das nicht davon ab, trotzdem mit der Betreiberin Geschäfte zu machen.

„Uns verwundert sehr, dass Kliniken aus Mecklenburg-Vorpommern Patienten eingeliefert haben“, sagt Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch mehrere Strafanzeigen. Die stammen von Angehörigen der Bewohner und von einer ehemaligen Mitarbeiterin, sagt Harald Nowack von der Rostocker Staatsanwaltschaft. Die strafrechtlichen Vorwürfe lauten Betrug, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Mutmaßliche Opfer des Betrugs seien weder Pflege- noch Krankenkassen, betont Nowack. Weitere Angaben machte er nicht.

Vorerst müssen die Pflegebedürftigen in den ungeeigneten Räumen bleiben — trotz der offenbar miserablen Zustände. Laut Landkreis könne bei mehreren Personen nur ein bestellter Betreuer über eine Verlegung entscheiden. Dieses Problem zu lösen sei schwieriger als gedacht, weil vorgefundene Akten lückenhaft sind, heißt es. Man strebe eine rasche Lösung an.

Bei anderen Pflegediensten in der Region war die Nachricht gestern das bestimmende Gesprächsthema. „Das bringt eine ganze Branche in Verruf“, sagt eine Mitarbeiterin einer großen Sozialstation in Güstrow. Das sei sehr ärgerlich, weil es dem Vertrauen von Patienten und Angehörigen schade. Es spreche sich normalerweise schnell herum, wenn ein Pflegedienst schlecht arbeite, berichtet die Mitarbeiterin. Dies sei bei einem Güstrower Unternehmen der Fall gewesen, das inzwischen vom Markt verschwunden wäre. In Krakow am See ist die skrupellose Pflege-Unternehmerin bekannt. Bürgermeister Wolfgang Geistert (SPD) will sich nicht äußern.

Von Gerald Kleine Wördemann

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