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Kluger Zug: Schule setzt auf Schach

Schwerin/Rostock Kluger Zug: Schule setzt auf Schach

Werden Kinder besser in Deutsch und Mathe, wenn sie regelmäßig Schach spielen? Rostocker Wissenschaftler wollen mit einem Praxistest Beweise liefern

Schwerin/Rostock. Wenn Tom am Zug ist, muss der König zittern. Wie man eine Majestät zu Fall bringt, weiß er ganz genau. Dabei ist Tom gerade mal neun Jahre alt. Doch einen Gegner Schachmatt zu setzen, ist für den Drittklässler ein Kinderspiel. Kein Wunder: Schließlich steht genau das auf seinem Stundenplan. „Und ich find’ das richtig klasse“, sagt der Grundschüler.

In Schwerin macht Schach Schule. 75 Mädchen und Jungs messen sich an der Grundschule Lankow regelmäßig am Brett. Gespielt wird nicht, wie üblich, in einer AG, sondern im Unterricht. Schach ist Pflichtfach für die Erst- bis Drittklässler. Aus gutem Grund: Lehrer und Eltern sind sich sicher, dass die Kinder damit spielend leicht ihre schulischen Leistungen verbessern können.

Zug um Zug zur Eins in Mathe – dass das geht, wollen Forscher der Uni Rostock mit einer Studie beweisen. Dafür stellen Studenten vom Institut für Pädagogische Psychologie die jungen Schachspieler in Schwerin auf die Probe. Mehrmals im Schuljahr müssen die Kinder bei Tests zeigen, wie clever, geduldig und gedächtnisstark sie sind. Gleiches wird bei Schülern der nahegelegenen Europaschule „John Brinckman“ überprüft. Der Unterschied: Bei ihnen spielt Schach im Unterricht keine Rolle. Im direkten Vergleich wollen die Wissenschaftler ermitteln, welche Effekte das Brettspiel auf Ehrgeiz, logisches Denkvermögen und Gedächtnisleistung der Kinder, aber auch deren soziale Kompetenzen wie etwa die Teamfähigkeit hat.

Dass die nur positiv sein können, davon ist Clemens Armbrüster überzeugt. Der 26-jährige Güstrower ist Schulschachreferent beim Landesschachverband und selbst passionierter Spieler. Schon als Dreijähriger hat er mit seinem Vater Figuren übers Brett geschoben. Später räumte er bei Landesmeisterschaften ab. Doch auch, wenn er bei Turnieren mal nicht siegte, gewonnen hat er trotzdem. „Ich hatte immer das Gefühl, durch Schach Vorteile zu haben. In der Schule konnte ich mir zum Beispiel Sachen viel schneller merken als meine Mitschüler.“ Ob er sein gutes Gedächtnis dem Schach verdankt oder er ein guter Spieler wurde, weil sein Erinnerungsvermögen besser ist als das anderer? „Das ist wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei“, sagt Armbrüster. Genau deshalb sei die Schulschachstudie wichtig. „Mit ihr finden wir heraus, ob auch Lernschwache vom Schach profitieren.“ Die ersten Ergebnisse seien überaus vielversprechend. Belastbare Resultate soll es im kommenden Jahr geben.

Schulschach ist in Mecklenburg-Vorpommern so beliebt wie lange nicht: 1080 Kinder und Jugendliche im Land spielen in insgesamt 61 Schul-AGs. Bei Meisterschaften treten bis zu 250 Teilnehmer gegeneinander an. „Manche Turniere mussten wir auf mehrere Termine aufteilen, weil so viele mitmachen wollten. Der Sport boomt“, sagt Armbrüster.

Nickelbrille, Karopullunder, Pickelgesicht: In Teenie-Filmen sind die Jungs vom Schachclub stets die Sonderlinge ihrer Schule. Mit der Wirklichkeit habe das nichts zu tun, stellt Clemens Armbrüster klar. Schachspieler seien zwar meistens clever, das Streberimage hafte ihnen aber zu Unrecht an. Der Denksport sei nichts für Schlaffis. „Wenn man sechs Stunden am Brett sitzen will, muss man körperlich fit sein“, sagt der 26-Jährige. Dass Schachspieler auch cool sein können, beweise Weltmeister Magnus Carlsen. Jung, sexy und erfolgreich: Der Norweger gilt als Popstar am Brett. „Schach ist kein Elitensport für Nerds, sondern ein faszinierendes Spiel für jeden“, sagt Armbrüster. „Es überfordert nicht. Selbst wenn es am Anfang nicht so klappt, macht es Spaß.“ Schon nach ein paar Partien hätten Laien raus, wie’s geht. Wen das Schachfieber erstmal richtig gepackt habe, der komme so schnell nicht mehr davon los.

Antje Bernstein

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