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Kokert: Merkel erfolgreichste Kanzlerin

Schwerin/Rostock Kokert: Merkel erfolgreichste Kanzlerin

Alle sechs Direktmandate im Nordosten gehen an die Union, Kanzlerin Merkel gewinnt erneut ihren Wahlkreis deutlich. Die AfD landet auf Platz zwei vor Linken und SPD.

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Lange Gesichter bei der rot-schwarzen Landesregierung in Schwerin: Christian Pegel (SPD) und Vincent Kokert (CDU).

Quelle: Foto: Frank Söllner

Schwerin/Rostock. Die Bundestagswahl in Mecklenburg-Vorpommern endet mit mehreren Überraschungen: Nach Auszählung von 99 Prozent aller Wahlbezirke führte die CDU klar mit 33,2 Prozent der Stimmen deutlich, verlor aber gegenüber 2013 rund neun Prozentpunkte. Die AfD kam wie bei der Landtagswahl vor einem Jahr auf Platz zwei – 18,6 Prozent. Die Linke erreichte 15,1, die SPD 15,0 Prozent der Zweitstimmen, dem Parteienergebnis. Die Grünen schafften 4,2 und die FDP 6,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sonstige Parteien kamen zusammen auf unter fünf Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit landesweit rund 70,7 Prozent deutlich höher als vor vier Jahren.

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Alle sechs Direktmandate im Nordosten gehen an die Union, Kanzlerin Merkel gewinnt erneut ihren Wahlkreis deutlich. Die AfD landet auf Platz zwei vor Linken und SPD.

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Alle sechs Direktmandate gehen an die CDU. „Das war unser Ziel“, sagt Landeschef Vincent Kokert. Er sehe das Positive nach der Wahl: „Wir haben weiter den Regierungsauftrag.“ Mit Besorgnis nehme er aber wahr, „dass das Koordinatensystem der Parteien durcheinandergeraten ist“. Die AfD habe vor allem Protest- und Nichtwähler angezogen. Eine Hauptverantwortung bei Angela Merkel zu suchen, wies Kokert zurück: „Sie ist die erfolgreichste Kanzlerin aller Zeiten.“ Merkel erreichte im Wahlkreis 15 das mit Abstand beste Ergebnis: rund 44 Prozent der Stimmen. Herausforderer Leif-Erik Holm (AfD) kam nur auf 19,3 Prozent.

Das Wahlergebnis wurde von den Parteispitzen sehr unterschiedlich aufgenommen. Bereits um 18 Uhr Jubel in der AfD-Landesgeschäftstelle in Schwerin, da die Partei keine Gaststätte für ihre Wahlparty fand. Gut 13 Prozent im Bund; Leif-Erik Holm und Enrico Komning fühlen sich bestätigt. Es werde Zeit, dass jetzt endlich im Bundestag über „den seit zwei Jahren andauernden Rechtsbruch der Kanzlerin“

gesprochen werde, so Holm. „Dafür werde wir sorgen.“ Den Vorwurf, die AfD sei eine rechtsextreme Partei, weist er zurück. „Wir werden bürgerlich-konservative Politik für die Bürger machen.“

Weitaus ruhiger geht es bei den Grünen gegenüber zu. „Das Ergebnis der AfD ist erschreckend“, sagt Parteichefin Claudia Müller. Auch eine nun wahrscheinliche Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen werde „eine schwere Zeit“. Denn mit der FDP gebe es zwar Übereinstimmung beim Thema Bürgerrechte, „bei Sozialpolitik und Umweltschutz stehen wir uns aber diametral entgegen“, so Müller.

„Ein schlimmer Tag für die SPD", sagt SPD-Landeschefin Manuela Schwesig. „Es ist klar, dass es in der SPD nicht so weitergehen kann wie bisher.“ Schwesig plädiert für den Gang in die Opposition. Die SPD-Genossen beobachten den Wahlausgang in der Landesgeschäftsstelle bei Currywust und Bier. Frank Junge, Wismar, verteilt noch einen Seitenhieb an Karin Strenz, die CDU-Kandidatin in seinem Wahlkreis, die zuletzt mit einer Lobbyismus-Affäre von sich reden machte. „Ich finde, sie hat die Öffentlichkeit bewusst an der Nase herumgeführt.“

FDP-Landeschef René Domke ist mit dem Ergebnis zufrieden. Seine Partei werde bei Gesprächen zur Regierungsbildung „genau auf die Inhalte schauen“. Er finde es bedauerlich, dass sich die SPD zum Thema neue Koalition „so schnell vom Acker gemacht hat“.

Die Linken, bislang Oppositionsführer, finden sich als schwächste Kraft im Parlament wieder. Dietmar Bartsch, MV-Spitzenkandidat, spricht von einem „Rechtsruck“. Seine Partei werde ihre Sozialpolitik daher fortsetzen. MV-Parteichefin Heidrun Bluhm räumte ein, dass viele Protestwähler derzeit nicht mehr ihr Kreuz bei ihrer Partrei, sondern bei der AfD machen.

Von einer Zäsur spricht Politikwissenschaftler Prof. Nikolaus Werz. „Bislang hat es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland keine rechtspopulistische Partei im Bundestag gegeben. Das war tabu.“ In Zukunft werde dies mit der AfD aber anders sein.

Auch die anderen Direktmandate gehen an die CDU. Im Wahlkreis 16 lag Philipp Amthor mit gut 31 Prozent vor Enrico Komning (AfD, 24 Prozent). Im Wahlkreis 17 deklassierte Eckhardt Rehberg (CDU) mit 37,6 Prozent die Konkurrenz klar. Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) kam abgeschlagen mit 18,4 Prozent auf Platz zwei. Im Wahlkreis 14 wies Peter Stein (CDU) mit rund 30 Prozent Dietmar Bartsch (Linke, 24,5 Prozent) in die Schranken. Karin Strenz (CDU) siegte im Wahlkreis 13 mit 30 Prozent vor Frank Junge (SPD, 24 Prozent). Dietrich Monstadt (CDU) landete im Wahlkreis 12 mit 32 Prozent vor Martina Tegtmeier (SPD, 22 Prozent).

Bei der Wahl 2013 gab es in MV folgendes Ergebnis (Zweitstimmen in Prozent): CDU 42,5, Linke 21,5, SPD 17,8, AfD 5,6, Grüne 4,3, NPD 2,7, FDP, 2,2, Piraten 1,9, Freie Wähler 0,9. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,3 Prozent. Die CDU gewann in allen sechs Wahlkreisen die Direktmandate für den Bundestag.

Online: Aktualisierte Ergebnisse zur Wahl finden Sie unter www.ostsee-zeitung.de.

Frank Pubantz

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