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MV aktuell Kommission entkräftet Vorwürfe gegen Dr. Backhaus
Nachrichten MV aktuell Kommission entkräftet Vorwürfe gegen Dr. Backhaus
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00:00 12.11.2016

Dr. Till Backhaus, der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, darf seinen akademischen Grad weiter verwenden. Wie die Humboldt-Universität in Berlin gestern auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG mitteilte, werde Backhaus der Titel nicht aberkannt. Der Entscheidung waren Plagiatsvorwürfe vorausgegangen.

Die Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens der Humboldt-Uni hatte die Arbeit von Backhaus mit dem Titel „Betrachtungen zur Getreideproduktion in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1900 und 2000“ einer erneuten Überprüfung unterzogen, nachdem Plagiatsjäger Belege vorgelegt hatten, denen zufolge große Teile der Arbeit abgeschrieben worden seien.

Die OZ hatte damals zuerst über die Vorwürfe berichtet.

In ihrer Begründung betonte die Humboldt-Universität nun, dass „nur vier Prozent der Vorwürfe in die Kategorie Plagiat einzuordnen sind. Dies spricht nicht für die Qualität der Arbeit, ist jedoch nicht so gravierend, dass entsprechende Maßnahmen zu ergreifen wären. Die Kommission empfiehlt daher, von weiteren Untersuchungen zu dieser Arbeit abzusehen.“

Die anonymen Plagiatsjäger hatten die Arbeit zuvor nach einem ähnlichen Verfahren untersucht wie die des früheren Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg (CSU), der seinen Titel anschließend abgeben musste. Die Plagiatsjäger hatten ihre Ergebnisse im Februar veröffentlicht. Demnach soll Backhaus an mindestens 300 Stellen gegen wissenschaftliche Standards verstoßen haben. Auf 44 der 66 Textseiten seien ungekennzeichnete Übernahmen gefunden worden. Dies hätte einem Anteil von 67 Prozent der Arbeit entsprochen. Backhaus hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Gestern wollte sich der Minister nicht zu den für ihn entlastenden Ergebnissen äußern. Für die Landesregierung sei die Angelegenheit damit geklärt, sagte Regierungssprecher Andreas Timm.

Nachdem die Doktorarbeit, die Backhaus im Jahr 2001 vorgelegt hatte, in den vergangenen Jahren nach ähnlichen Vorwürfen bereits zweimal von der Universität untersucht worden war, empfiehlt die Kommission nun, „von weiteren Untersuchungen zu dieser Arbeit abzusehen“, sagte Uni-Sprecher Hans-Christoph Keller.

Die Überprüfung der Dissertation im Fachbereich Agrarchemie sei nach Angaben von Keller für die Wissenschaftler recht aufwendig gewesen. „Die Quellen, auf die in den Vorwürfen Bezug genommen wurden, mussten in Bibliotheken und Datenbanken recherchiert, teilweise die betroffenen Seiten fotografiert und zur internen Überprüfung gespeichert werden, damit die Untersuchung entsprechend durchgeführt werden konnte“, betonte er. Einige Quellendokumente hätten zudem nur sehr schwer beschafft werden können. „Zudem waren einige Quellendokumente in Frakturschrift, was eine zügige Bearbeitung erschwerte“, sagte Keller.

Doktorarbeit in der Fachwelt umstritten

Die Dissertation von Dr. Till Backhaus gilt unabhängig von den Plagiatsvorwürfen innerhalb der wissenschaftlichen Fachwelt im Bereich Agrarchemie als umstritten. Der Göttinger Agrarwissenschaftler Professor Wilhelm Römer hatte bereits im Jahr 2003 Zweifel angemeldet und eine vierseitige Einschätzung der Promotionsschrift vorgelegt. Darin moniert er, dass „häufig Behauptungen oder auch Zahlen genannt werden, die nicht bewiesen werden beziehungsweise für die keine Belege etwa durch Literaturquellen vorliegen“.

Benjamin Fischer

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