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MV aktuell Komplizierte OP rettet Karl noch vor der Geburt
Nachrichten MV aktuell Komplizierte OP rettet Karl noch vor der Geburt
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00:01 03.09.2016
Katrin Schmidt und Sebastian Ruby mit ihrem Sohn Karl gut drei Wochen nach der Geburt Quelle: Nicole Buchmann

Karl aus Hohenkirchen bei Wismar ist gut drei Wochen alt. Er kam vier Wochen vor dem Geburtstermin – Anfang August – per Kaiserschnitt auf die Welt. Da fiel das Licht zum zweiten Mal auf den Jungen. Die Narbe am Rücken war gut verheilt. Kraft in den Oberschenkeln. Normaler Kopfumfang. Die OP von Karls offenem Rücken außerhalb des Mutterleibs drei Monate zuvor war geglückt.

„Uns blieb nicht viel Zeit“, erinnert sich Katrin Schmidt. „Freitag die Diagnose, Montag das Gespräch, Mittwoch saßen wir schon in der Uni-Klinik Heidelberg.“ Spina bifida – offener Rücken. Die Wirbelsäule umschließt die Nerven und das Rückenmark nicht vollständig. Fruchtwasser drückt auf die Nerven. So sehr, dass Beine gelähmt sind, sich Hirnwasser im Kopf staut. So sehr, dass Karl körperlich und geistig behindert sein wird, sagt der Humangenetiker in Schwerin. „Es ist nicht so, dass wir da nicht geschwankt hätten“, gesteht die junge Mutter.

Katrin Schmidt (30) und Sebastian Ruby (25) – beide Lehrer – belesen sich. Stoßen im Internet auf die Uni-Klinik in Heidelberg. Auf die Möglichkeit, Karls offenen Rücken noch während der Schwangerschaft zu verschließen. Sie werden die ersten Eltern in Deutschland sein, die sich zu diesem Eingriff entschließen.

Innerhalb von vier Stunden haben die Ärzte Karls Rückenmark und die Wirbelsäule verschlossen. Im Beisein der US-Kollegen, bei denen sie den Eingriff trainiert haben. Katrin Schmidt ist da in der 20. Schwangerschaftswoche, das Ungeborene wiegt 700 Gramm.

Mutter und Kind überstehen die OP gut. Die Heidelberger Ärzte behalten Katrin Schmidt dennoch da. Drei Monate bis zur Geburt. „Das war die schlimmste Zeit. Der Mutter geht’s gut. Dem Kind geht’s gut.

Und trotzdem liegt man da im Krankenhaus.“ Am 9. August wird das Baby per Kaiserschnitt geholt: 2500 Gramm, 46 Zentimeter.

Einen Fuß und einen Unterschenkel haben die Ärzte eingegipst, damit sie die Fehlstellung korrigieren können. Katrin Schmidt: „So wie es aussieht, wird Karl keinen Rollstuhl brauchen.“

Nicole Buchmann

OZ

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