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Kormorane auf der Abschussliste

Rostock Kormorane auf der Abschussliste

Fischer fordern deutliche Bestandsreduzierung / Nabu lehnt dies ab

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Stefan Schwill, Nabu-Chef MV

Quelle: Foto: Oz

Rostock. Dem Kormoran soll es an die Federn gehen: Die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern sehen in der fischfressenden Vogelart eine wesentliche Bedrohung ihrer Zukunft. Der Kormoran-Bestand muss stärker als bisher reguliert werden, fordert jetzt der Deutsche Fischerei-Verband von EU-Kommission, Bundesumweltministerium und Schweriner Landesregierung. An deutschen Gewässern leben zurzeit mehr als 100000 Kormorane, erklärt der Fischerei-Verband. Damit ist der Bestand auf ein Rekordniveau angewachsen.

 

OZ-Bild

Kormorane sonnen sich auf einem Gewässer unweit von Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen). Die Vögel werden immer mehr als ernstzunehmende Konkurrenten der Fischer angesehen.

Quelle: Foto: Norbert Fellechner

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hält dagegen: Die Fischerei wird vor allem durch Überfischung und Lebensraumzerstörung bedroht. Bei der Küstenfischerei in MV kommt ein gesellschaftlicher Strukturwandel hinzu. An der Küste und den Binnengewässern im Nordosten leben rund 14000 Brutpaare in 17 Kolonien. Agrarminister Till Backhaus (SPD) verweist darauf, dass der Kormoran eine nach Europäischem Artenschutzrecht in besonderer Weise geschützte Art ist. Der Vergrämung und dem Abschuss sind enge Grenzen gesetzt.

Stefan Jäger, Vorsitzender der Kormorankommission des Fischerei-Verbandes, sieht vor allem die Teichwirte in Gefahr: „Jeder Kormoran frisst durchschnittlich 500 Gramm Fisch am Tag. So entstehen in den Teichwirtschaften jährlich Millionenschäden“, erklärt er. Dies beeinträchtige nicht nur die heimische Aquakultur und wirtschaftlich wichtigen Fischbestände. Sondern auch Populationen gefährdeter Fischarten in Flüssen und Seen, um deren Schutz sich Angler sowie Fischer kümmern. Die EU müsse den Schutzstatus des Kormorans entsprechend der aktuellen Bestandszahlen anpassen.

Agrarminister Backhaus sei bewusst, dass in MV „mit derzeit über 15000 Brutpaaren eine fischereiwirtschaftliche Belastungsgrenze erreicht“ ist. Aber: Mit der Kormoranverordnung habe das Land eine wichtige Regelung getroffen, die vor allem im Binnenland Maßnahmen zur Schadensabwehr, wie Abschuss oder Vergrämung, ermöglicht. Und für die großen Fischteichanlagen Boek im Müritz-Nationalpark und Lewitz in einem Naturschutzgebiet bei Neustadt-Glewe seien Ausnahmegenehmigungen erteilt worden. „Auf dieser Basis wurden 2015 etwa 1000 Kormorane geschossen“, sagt Backhaus.

Eine generelle Bekämpfung der Kormorane, wie von Fischern gefordert, lehnt der Nabu dagegen ab. „Radikale Ansätze führen – abseits von Fischteichanlagen – offenbar nicht zu der gewünschten Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Fischereibetrieben“, erklärt Stefan Schwill, Nabu-Landesvorsitzender von MV.

Diese Maßnahmen gingen an den tatsächlichen Ursachen für die schwierige Lage von Fischern vorbei. Dazu gehören die weltweite Überfischung der Meere, Lebensraumzerstörungen durch industrielle Anlagen sowie die vielen Stauanlagen an Flüssen. Schwill sagt, „dass wir uns mit dem Fischerei-Verband in gut begründeten Einzelfällen auf punktuelle Eingriffe in den Kormoranbestand verständigen können“.

Für MV rechnet der Nabu mit einem Bestandsmaximum von etwa 15000 Brutpaaren.

15000 Kormoran-Brutpaare in MV

17 Kolonien von Kormoran- Brutpaaren existieren in Mecklenburg-Vorpommern.Davon liegen acht Kolonien mit mehr als 12000 Brutpaaren an der Ostseeküste. Die restlichen neun Kolonien mit etwa 2300 Brutpaaren kommen

im Binnenland vor.

Laut Landesregierung leben gegenwärtig insgesamt mehr als 15000 Brutpaare an den Gewässern von MV. Von dieser Anzahl gehen auch die Umweltschutzorganisationen, wie der Naturschutzbund Deutschland, aus. Deutschlandweit soll es bis zu 100000 Kormorane geben.

Bernhard Schmidtbauer

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