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MV aktuell Krabbelkäfer lieben gelbe Blüten
Nachrichten MV aktuell Krabbelkäfer lieben gelbe Blüten
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03:39 17.07.2013
Die Käfer vagabundieren, weil sie auf Feldern jetzt keine Blüten finden.“ Dr. Joachim Vietinghoff, Landesamt für Landwirtschaft in Rostock

Das knallgelbe T-Shirt, das orange Badetuch, die weiße Wäsche auf der Leine — fast magisch ziehen helle Textilien jetzt wieder Rapsglanzkäfer an. In großen Mengen sammeln sich die Plagegeister in Kleingärten, Parks und Stadtrandsiedlungen, aber auch an einigen Stränden auf der Insel Rügen. „Sie vagabundieren umher, denn auf den Feldern finden sie momentan kaum Nahrung“, weiß Dr. Joachim Vietinghoff vom Landesamt für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit in Rostock. Die Rapsblüte ist vorbei, auch Wiesen und Gräben sind abgemäht.

„Fast schlagartig sind die Jungkäfer vor etwa zwei Wochen geschlüpft“, hat Vietinghoff beobachtet. Jetzt seien die Hochglanz-Insekten auf Pollensuche, sie ernähren sich vom eiweißreichen Blütenstaub.

Am liebsten fliegen die Krabbeltiere dazu gelbe und weiße Blüten an. Neben Blumen und Raps übrigens auch Kohl. Gemüsebauern können Blumenkohl, Kohlrabi und Brokkoli in Mecklenburg-Vorpommern fast nur verkaufen, wenn er unter Gazenetzen wächst.

Für Mensch und Tier seien Rapskäfer aber „völlig harmlos“, sagt der Experte, der nach eigenen Worten „ein fast inniges Verhältnis“ zu den Insekten hat. Vor 25 Jahren schrieb er seine Doktorarbeit zu den sechsbeinigen Flügeltieren. Weggespritzt werden sie in der Landwirtschaft nur im Frühjahr vor der Rapsblüte, im Sommer schadet der Käfer der Ölpflanze nicht mehr. Auch für den Blumenkohl seien die Käfer „eigentlich keine Gefahr“, meint der studierte Landwirt. „Früher wurde Kohl vor dem Kochen gewässert, dabei fielen sie ab.“ Das findet heute keine Akzeptanz mehr, der Handel weist solche Partien zurück.

In den 1980er Jahren wurde an der Rostocker Universität zur „Schaderreger-Überwachung“ geforscht. „Wir fanden heraus, dass Raps genug Blüten hat, um pro Pflanze bis zu zwölf Käfer zu verkraften, ohne größeren Schaden zu nehmen.“ Zu einer Plage wurden die Käfer in den 1990er Jahren, als sie bei stark ausgedehntem Rapsanbau Resistenzen gegen die Spritzmittel-Wirkstoffe aufbauten.

Kleingärtnern rät der Pflanzenschutz-Experte aber zur Vorsicht. „Wer im Sommer noch spritzen will, muss genau beachten, was auf der Verpackung steht.“ Kurz vor der Ernte dürfte Insektengift auf keinen Fall eingesetzt werden.

Mit einem flächendeckenden Ansturm der Rapskäfer auf die Strände rechnet Vietinghoff in den nächsten Wochen nicht. „Dazu kommt es nur bei Südwind, wenn der Wind richtig schwarze Käferschwaden in Richtung Ostsee trägt“, besagt seine Erfahrung.

Dazu aber gibt der Wetterdienst Entwarnung. „Der Wind kommt in den nächsten Tagen aus Nord und Nordwest“, sagt Stefan Kreibohm vom Meteomedia-Wetterstudio Hiddensee. Lediglich an Rügens Ostküsten könnten die Käfer noch einige Zeit gehäuft auftreten.

Schädling für die Landwirtschaft

2,5 Millimeter groß wird der Rapsglanzkäfer. Er hat einen metallisch blauschwarz glänzenden Panzer. In der Landwirtschaft gilt er als Schädling, da er vor allem beim Raps für Ertrags-Ausfälle sorgt. Der Käfer durchbohrt die Blütenknospen und legt dort seine Eier ab. Dabei fallen meistens einige Knospen ab, so dass weniger Rapsschoten gebildet werden. Die Larven leben ebenfalls in Blüten, fressen aber nur Pollen und richten im Sommer an der Ölpflanze keinen Schaden an.
Rapsglanzkäfer ernähren sich aber nicht nur von Raps, sondern auch von den Blüten anderer Pflanzen mit gelben oder weißen Blüten.

Elke Ehlers

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