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Krakower Heim: Angehörige wehren sich

Krakow Krakower Heim: Angehörige wehren sich

Vertreter von Bewohnern werfen dem Landkreis Rostock Willkür vor / Einrichtung schon seit 2013 in der Kritik

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Meine Mandantin bietet eine Alternative zur industriellen Altenverwahrung an.“ Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel

Quelle: Kleine Wördemann

Krakow. Im Streit um das von Schließung bedrohte Elisa-Pflegeheim in Krakow am See (Landkreis Rostock) werfen die Betreiber den Behörden Willkür vor. „Das Vorgehen des Landkreises ist unglaublich“, sagt der Rostocker Anwalt Just Georg Ilgner, der Bewohner der umstrittenen Einrichtung und deren Angehörige vertritt. Die Heimaufsicht des Kreises reagiere völlig überzogen. Allerdings, so räumt Ilgner ein, habe die Betreiberin Ani Sargsyan zur Situation beigetragen, indem sie sich nicht sonderlich gesprächsbereit gezeigt habe.

Wegen fehlenden Fachpersonals, ungeeigneter Räume und insgesamt unwürdiger Zustände hatte der Landkreis Rostock Ende April die Schließung der ehemals drei Einrichtungen in Krakow am See und Güstrow angeordnet. Bewohner seien gegen ihren Willen eingeschlossen worden. Das Heim in Güstrow ist laut Landkreis mittlerweile zu. Anwalt Ilgner hält die Vorwürfe für unberechtigt: „Ich habe einen sehr angenehmen Eindruck von den Räumen“. Viele Bewohner seien dement, da sei es „ganz normal“, dass man Türen abschließt. In der Pflegebranche ist das allerdings umstritten.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Die AOK Nordost kündigte im Herbst 2015 alle Verträge mit Ani Sargsyan. Dem war ein zweijähriger Rechtsstreit vorausgegangen, den die Kasse nach eigenen Angaben gewann. Weil der Verdacht auf Straftaten im Raum stand, schaltete die AOK die Justiz ein. Es ging schon 2013 um die gleichen Vorwürfe wie jetzt, so ein Sprecher. Gegen die nun drohende Schließung klagte die Betreiberin. Das Verwaltungsgericht Schwerin gab aber dem Landkreis recht. Nun liegt die Sache vor dem Oberverwaltungsgericht in Greifswald. Das setzte mit einem sogenannten Schiebebeschluss vorerst die Schließung aus.

„Es ist an der Zeit, dass auch im Landkreis Rostock verstanden wird, dass die Menschen im gehobenen Alter frei entscheiden können“, sagt Sargsyans Anwalt Peter-Michael Diestel. Seine Mandantin biete eine Alternative zur „industriellen Altenverwahrung“ an. Sargsyan bezeichnet sich selbst als Vermieterin. Pflegebedürftige könnten ein Zimmer mieten und Pflegeleistungen buchen – von ihrem Pflegedienst Elisa und anderen. Weil es kein Heim sei, wäre die Heimaufsicht nicht für sie zuständig, argumentiert die Unternehmerin. Der Landkreis sieht das anders: Betreutes Wohnen unterliege auch der Heimaufsicht, sagt Landkreissprecher Michael Fengler. Die Schließung sei kein Akt der Willkür, betont Fengler, sondern eine Folge des desaströsen Kontrollergebnisses. Um Schaden von den Bewohnern abzuwenden, sei die rasche Schließung erforderlich. Weil verunsicherte Angehörige Patienten abmeldeten, sank die Bewohnerzahl von 30 auf unter zehn. Der Kreis verhängte Ordnungsgelder gegen Sargsyan, weil sie gegen Auflagen verstoßen habe – 35500 Euro. Ilgner wertet das als weiteren Beleg dafür, das die Einrichtung mit aller Gewalt dicht gemacht werden soll.

gkw

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