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MV aktuell Naturschauspiel in Vorpommern
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11:53 12.10.2018
Mehr als 60 000 Kraniche rasten alljährlich im Herbst vor ihrem Weiterflug in den Süden zwischen Darß, vorpommerschem Festland und der Insel Rügen. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Groß Mohrdorf

„Dieses Jahr macht es so richtig Spaß“, sagt Günter Nowald. Der goldene Oktober und das Trompeten Zehntausender Kraniche bescheren Einwohnern und Gästen derzeit ein „wirklich außergewöhnlich schönes Naturschauspiel“, berichtet der Leiter des Nabu-Kranichzentrums Groß Mohrdorf bei Stralsund (Vorpommern-Rügen). In diesem Herbst trafen die Vögel des Glücks eher als in anderen Jahren aus Skandinavien und dem Baltikum in Vorpommern ein.

Schon in der zweiten Septemberhälfte wurden bei Groß Mohrdorf 50 000 Kraniche gezählt – gut doppelt so viele sonst zu dieser Zeit. Am vorigen Wochenende stieg die Zahl auf etwa 63 000. „So zeitig waren es noch nie so viele“, berichtet Nowald. Die Region des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft gilt als einer der wichtigsten Kranichrastplätze Europas.

Mais lockt die Vögel an

Der Grund für den frühen Vogelzug liegt möglicherweise darin, dass nach dem heißen und trockenen Sommer auch in Skandinavien die Ernte früher begann. „Da haben sich die Kraniche in Schweden satt gefressen und sind dann früher als üblich aufgebrochen“, vermutet der Biologe. Besonders eindrucksvoll sammeln sich die Vögel derzeit in der Nähe der Kranichbeobachtungsstation am Günzer See, einem Europäischen Vogelschutzgebiet zwischen Stralsund und Barth, wo vor drei Jahren das „Kranorama“ eingeweiht wurde. Auf einem großen Bildschirm gibt es dort Live-Übertragungen der Kraniche vom Feld. Angeboten werden auch Exkursionen mit Kranich-Rangern. Außerdem laden Ausflugsschiffe zur Kranichbeobachtung ein – bei Fahrten von Stralsund und Zingst.

In der Nähe des „Kranoramas“ werden die Vögel gezielt angelockt. Solche Ablenkfütterung habe in der Region Tradition, „um Konflikte mit der Landwirtschaft zu vermeiden“, räumt Günter Nowald ein. „Wir wollen die Kraniche von den Wintersaaten fernhalten.“ Viele Jahre wurde dafür vor allem Weizen eingesetzt. In diesem Herbst wird erstmals komplett Mais verfüttert, obwohl der teurer ist als Futterweizen.

Schuld daran sei der verregnete Herbst 2017, in dem viele Felder für Erntefahrzeuge nicht befahrbar waren, sagt der 56-Jährige. „Da sind die Kraniche von unserem Weizen auf die Maisäcker ausgewichen.“ Das solle nun verhindert werden. Finanziert wird das Futter durch den Kranichschutz Deutschland und das Staatliche Amt für Landwirtschaft in Stralsund.

Bis zu 1000 Kilometer pro Tag

Wie lange Besucher die imposanten Großvögel in der Region noch beobachten können, darauf will sich Vogelkundler Nowald nicht festlegen. In der Regel gehört das Trompeten der Kraniche bis Ende Oktober zu den Markenzeichen der Darß-Zingster-Boddenkette. Doch die ersten Trupps machen sich bereits auf den Weg in den Süden. An Tagen mit blauem Himmel und günstigen Windverhältnissen brechen die ersten Trupps auf, weiß der Biologe. „Bei Rückenwind können sie Energie sparen.“

400 bis 500 Kilometer legen die Zugvögel pro Tag zurück, manchmal sogar doppelt so viel. Anders als Weißstörche fliegen die europäischen Kraniche aber nicht bis Afrika, sondern überwintern in Spanien (200 000) und Frankreich (100000).

Auch in Deutschland gibt es bereits einige Tausend Überwinterer. 2017 seien sogar größere Gruppen in Mecklenburg-Vorpommern geblieben, berichtet der Naturschützer. „Mit ein paar Minusgraden kommen die Tiere zurecht.“ Schwierig werde es erst, wenn mehrere Tage eine geschlossene Schneedecke liege. „Dann finden die Tiere kein Futter mehr.“

Elke Ehlers

Experten warnen: Die Steilküsten auf Rügen sind auch bei trockenem Wetter gefährlich. Abbrüche sind jederzeit möglich.

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