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MV aktuell Krankheitssymptome: Jeder Zweite fragt Dr. Google
Nachrichten MV aktuell Krankheitssymptome: Jeder Zweite fragt Dr. Google
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00:01 02.06.2016

Wenn’s im Kreuz zwickt und der Kopf brummt – Dr. Google weiß Rat: Jeder zweite Deutsche nutzt Internetsuchmaschinen, um herauszufinden, was ihm fehlt. Das hat der Digitalverband Bitkom ermittelt. Besonders eifrig beim Symptome-Googeln ist offenbar die Generation 65 plus: Sechs von zehn Internetnutzern dieser Altersklasse sind bei Anzeichen einer Erkrankung schon auf Onlinerecherche gegangen. Mediziner und Verbraucherschützer warnen allerdings vor den Risiken.

„Je besser die Suchmaschinen werden, desto größer ist die Gefahr, dass Leute denken könnten, sie würden einen echten Arzt ersetzen“, warnt Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. Ob hinter Schmerzen ein harmloses Wehwehchen steckt oder eine ernstzunehmende Erkrankung, könne der Laie durch ein paar simple Suchabfragen nicht herausfinden. „Für den, der sich der Grenzen von Onlineportalen bewusst ist, können sie allerdings eine Bereicherung sein.“ Schon mancher habe nach langem Leiden in Foren den entscheidenden Tipp bekommen, was ihm fehlen könnte.

Dieter Kreye, Vorsitzender des Landeshausärzteverbandes, attestiert Gesundheitsportalen Vor- und Nachteile. Mit ihrer Hilfe könnten Patienten mehr über vom Arzt gestellte Diagnosen erfahren. Wer verstehe, was ihm fehlt und was ihm helfen kann, bringe sich aktiver in die Behandlung ein. Das verbessert die Heilungschancen. Die Online-Infos machen aber auch Probleme, nämlich dann, wenn der Patient glaubt, durch sie besser Bescheid zu wissen als der behandelnde Arzt. „Die Erfahrung eines Spezialisten kann das Internet nicht ersetzen“, sagt Kreye. Erkrankte würden ihre Beschwerden zudem stark subjektiv wahrnehmen. Symptome objektiv einordnen und daraus die richtige Therapie ableiten, könne nur der Mediziner.

Das Online-Angebot für Hobby-Mediziner ist immens: Praxen, Kliniken und Selbsthilfegruppen informieren über Leiden, Therapien und Heilungschancen. Portale wie Onmeda und Netdoktor verbuchen hohe Klickzahlen. Gründe dafür gibt es viele. Manche Nutzer sind unzufrieden damit, wie sie ihr Hausarzt berät oder verstehen dessen Fachchinesisch nicht. Außerdem gibt’s die Onlinediagnose rund um die Uhr. Das klingt verlockender, als lange in Wartezimmern zu sitzen.

Die Onlinerecherche hat Nebenwirkungen. Forscher der Uni Tübingen haben herausgefunden, dass sich Patienten gesünder fühlen, wenn sie nach einer schwerwiegenden Diagnose vom Arzt zusätzlich Dr.

Google konsultieren. Dieses Wohlbefinden aber trügt. Erkrankte würden sich im Internet auf positive Infos konzentrieren und negative Aspekte ausblenden. Dass sich ihre Symptome verschlechtern, fällt ihnen dabei womöglich gar nicht auf.

Wer seine Leiden googelt, bevor er seinen Arzt aufsucht, riskiert den sogenannten Nocebo-Effekt: Die teils drastischen Suchmaschinen-Ergebnisse können Ängste schüren. Es gibt sogar kerngesunde Googler, bei denen körperliche Symptome auftreten, nachdem sie online darüber gelesen haben. Auch die Recherche selbst kann krankhaft sein. Fachleute sprechen von Cyberchondrie. Ähnlich wie ein Hypochonder kreist der Betroffene um echte oder eingebildete Leiden. Schnell wird aus einem harmlosen Kopfschmerz ein Hirntumor. Herzrasen und Depressionen können die Folge sein.

Niemand sollte versuchen, sich selbst zu behandeln, weil er dank Internet zu wissen glaubt, was ihm fehlt, warnt Dieter Kreye. Das Risiko, dabei etwas falsch zu machen, scheint viele aber nicht abzuschrecken. Immer wieder würden Kunden Präparate verlangen, die ihnen online empfohlen wurden, sagt Axel Pudimat vom Landesapothekerverband. Dabei sei schon manch einer geschickt getarnter Internetwerbung von Pharmafirmen aufgesessen. Verbraucherschützer Wins warnt davor, Internetdiensten blindlings zu vertrauen. Dass längst nicht jede Seite seriös sei, verrate oft schon ein Blick ins Impressum.

Antje Bernstein

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