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Krause träumt trotz Insolvenz vom nächsten großen Ding

Brandenburg Krause träumt trotz Insolvenz vom nächsten großen Ding

Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause kündigt an, zurück nach MV zu ziehen / Ein dubioser Geschäftsmann, der viele Fragen aufwirft, will angeblich seine Firma retten

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Günther Krause in seinem Firmensitz in Kirchmöser (Brandenburg). Seit 2013 lebt er dort, nun will er zurück nach MV.

Quelle: Fotos: Joachim Liebe/jaqueline Steiner

Brandenburg. Günther Krause (62) zieht es zurück in die Heimat. Der Mitunterzeichner des Einheitsvertrags, Ex-Bundesverkehrsminister und nicht immer glückliche Unternehmer möchte wieder in Mecklenburg-Vorpommern leben. „Aber nicht in Rostock“, sagte er gestern der OZ. Wann er und seine Frau wohin ziehen, das sei noch offen. Krause lebt erst seit 2013 in Kirchmöser in der Stadt Brandenburg.

OZ-Bild

Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause kündigt an, zurück nach MV zu ziehen / Ein dubioser Geschäftsmann, der viele Fragen aufwirft, will angeblich seine Firma retten

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Beruflich läuft es bei ihm zurzeit nicht so optimal: Das Amtsgericht Potsdam eröffnete das Insolvenzverfahren gegen die Firma „Information, Beratung, Projektentwicklung GmbH“ (IBP, die OZ berichtete). Gläubiger fordern von dem Unternehmen, das seiner Frau gehört und dessen Geschäftsführer Krause ist, rund 800 000 Euro. Die Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer sei schwierig, beklagt Insolvenzverwalter Moritz Sponagel: „Herr Krause ist nicht kooperativ.“

Eigentlich hat der Ex-Minister keine Geldsorgen, behauptet er. Krause erzählt von einem Aktienpaket, das er besitze – Wertpapiere im Nennwert von einer Million Euro von der Firma Neutrino Inc. mit Sitz in den USA. Anwalt Sponagel bezweifelt, ob die Aktien, die weder an einer Börse gehandelt werden noch eine Wertpapierkennnummer haben, überhaupt etwas wert sind. Neutrino ist Holger Thorsten Schubart (51). Der bietet an, Krauses Villa in Kirchmöser zu kaufen oder ihm mit einen Darlehen zu helfen, damit IBP weitermachen kann. Nächste Woche seien die Probleme gelöst, verspricht Schubart.

Warum erst jetzt, lässt er offen. Das Verfahren läuft bereits seit April.

„Ich bin ein Opfer der Außenpolitik“, behauptet Krause. 70 Prozent seiner Aufträge stammten aus Russland. Seit dem EU-Handelsboykott sei damit Schluss. Das Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben erfolgreich Recycling-Projekte, bei denen aus Müll Erdöl gemacht wird. Noch Anfang des Jahres hatte die Firma vier Angestellte. Zum Schluss war Krause allein.

Trotz aller Widrigkeiten stehen die Geschäftspartner Schubart und Krause nach eigenen Angaben davor, mit der Neutrino-Firma die Welt zu verändern. Eine Art selbst entwickelte Solarzelle, die im Prinzip aus graphitbeschichteter Alufolie bestehe, werde „eine neue Säule der Energieversorgung“ (O-Ton Schubart) schaffen. Energielieferanten sollen lichtschnelle Neutrino-Elementarteilchen sein.

Mit der Vergabe des Physik-Nobelpreises 2015 an zwei Neutrino-Forscher stehe ihre Technik jetzt vor dem Durchbruch, beschwören die beiden Nicht-Naturwissenschaftler. „Das ist wie die Erfindung des Autos“, sagt Krause. „Die Lehrbücher müssen umgeschrieben werden“, sagt Schubart. Als erste Anwendung soll ein Handy, das kein Ladegerät braucht, in zwei Jahren auf den Markt kommen.

Schubart ist eine kaum weniger schillernde Figur als Krause, der seit zwei Jahrzehnten mit gescheiterten Unternehmen, Scheidungskrieg und Gerichtsverfahren immer wieder mal für Aufmerksamkeit sorgt.

Auch sein Kompagnon Schubart sucht die Öffentlichkeit: 2014 tauchte er als rätselhafter Sponsor des Bundespresseballs auf. Im Internet finden sich Bilder von ihm beim Händeschütteln mit Michail Gorbatschow. Laut Handelsregister leitet Schubart in Deutschland drei Firmen, seine Bonität ist laut Creditreform hart negativ – wie Krause musste er seine Vermögensverhältnisse offenlegen, weil Gläubiger trotz gerichtsfester Titel kein Geld sahen.

Der Ex-Überflieger

38 Jahre war Günther Krause (CDU) alt, als ihn Helmut Kohl 1991 zum Bundesbauminister berief.

Die Politik-Karriere des Überfliegers war schnell vorbei: Krause stürzte zwei Jahre später über die sogenannte Putzfrauen-Affäre. Er selbst verbreitete später, Kohl habe ihn abgesägt, weil er eine Pkw-Maut wollte. 1995 kandidierte der Informatik-Professor vergeblich als Rostocker Oberbürgermeister. Er gründete Unternehmen, doch der Erfolg blieb aus. In einem jahrelangen Rechtsstreit stand er ab 2002 in Rostock wegen Untreue und Betrugsvorwürfen vor Gericht. 2013 zog er nach Brandenburg.

Gerald Kleine Wördemann

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