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MV aktuell Kriegsmunition immer noch eine verborgene Gefahr
Nachrichten MV aktuell Kriegsmunition immer noch eine verborgene Gefahr
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00:00 14.07.2018
Schwerin

Erst brennt der Wald, dann explodiert immer wieder alte Munition – so geschehen vor gut einer Woche in Groß Laasch (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Dort gilt nun ein Betretungsverbot. Durch den Brand seien die Flächen besonders sensibel geworden, teilte Forstamtsleiter Holger Voß mit. Darüber hinaus gebe es im Land keine Überlegungen, weitere munitionsbelastete Flächen sperren zu lassen, gaben die restlichen fünf Landkreise von Mecklenburg-Vorpommern an. Die bekannten Bereiche seien bereits gesperrt oder entsprechend gekennzeichnet.

Mehr als 73 Jahre ist das Ende des Zweiten Weltkriegs her, doch was damals vergraben, abgeworfen oder zurückgelassen wurde, könnte auch heute noch Menschenleben fordern. „Munition wurde entwickelt, um Menschen zu töten und das kann alte Munition auch heute noch“, erläutert der Leiter des Munitionsbergungsdienstes, Robert Mollitor. Der verwendete Sprengstoff sei chemisch stabil. „Die Löcher, die bei der Sprengung der Bomben in Schwerin vor drei Wochen entstanden sind, sind exakt so groß wie die Sprengtrichter der fabrikneuen Bomben, die 1944 auf Mecklenburg-Vorpommern abgeworfen worden sind.“

Im Kampfmittelkataster sind laut Innenministerium 90 000 Hektar Landfläche als belastet erfasst. Dies entspreche 3,9 Prozent der Landesfläche. Das Kataster kenne fünf Kategorien, erläutert Mollitor.

Insgesamt seien 175 Flächen der Kategorie vier zugeordnet. Diese sei besonders brisant, da die Munition beispielsweise nur von wenig Vegetation bedeckt sei und daher sichergestellt werden müsse, damit niemand zu Schaden komme. Das geschehe in der Regel durch Beschilderung oder Sperrung der Flächen. Die sicherste Variante sei jedoch die Räumung des Gebiets.

Dass noch nicht alles geräumt wurde, sei auch eine finanzielle Frage: Es gibt laut Mollitor allein 18 000 Hektar belasteten Wald der Kategorie vier. Diesen komplett zu räumen, könne bis zu 270 Millionen Euro kosten. Derzeit habe der Bergungsdienst ein jährliches Budget von 1,25 Millionen. Auch wenn es laut Haushaltsplanung in den kommenden Jahren auf 1,5 Millionen steigen soll, reiche es nicht, um in absehbarer Zeit alles zu räumen.

Mollitor appelliert auch an den gesunden Menschenverstand: „Wenn beispielsweise Pilzsucher etwas finden, wo nur der leiseste Verdacht besteht, dass es Munition sein könnte: Finger weg!“ Dann solle umgehend die Polizei verständigt werden, die sich dann beim rund um die Uhr besetzten Bereitschaftsdienst melden würde. Und auch wenn sich herausstellte, dass es keine Munitionsreste sind, müsse man keine Sorgen davor haben, den Einsatz selbst bezahlen zu müssen.

Ob belastete Gebiete gesperrt oder beschildert werden, variiert von Landkreis zu Landkreis. So gab es bis zum Betretungsverbot in Groß Laasch, das seit Sonntagabend gilt, in Ludwigslust-Parchim laut Sprecherin „keine ausschließlich auf Grund von Munitionsbelastung gesperrten Flächen“. Schilder warnten jedoch vor dem Betreten der entsprechenden Flächen. So sei bis vor kurzem auch der Wald der von Mittwoch bis Sonntag brannte, offiziell nicht gesperrt gewesen.

Auch im Landkreis Rostock seien entsprechende Flächen nicht gesperrt, sondern gekennzeichnet. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald teilte hingegen mit, dass die meisten bekannten Flächen abgesperrt und eingezäunt seien. Auch von Seiten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte heißt es, die rund 30 kampfmittelbelasteten Gebiete seien „von jeher“ gesperrt und entsprechend ausgeschildert.

Marek Majewsky

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