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Kriegsspiele am Kreuzfahrtpier

Rostock Kriegsspiele am Kreuzfahrtpier

Wo im Sommer entspannte Touristen aus aller Welt flanieren, bestimmen gestern waffenstarrende Soldaten das Bild.

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Wenn die „Karel Doorman“ weg ist, kommen die nächsten Kriegs- schiffe. Die Linke spricht vom „Kalten Krieg“. Fotos (3): Bernd Wüstneck/dpa

Rostock. Wo im Sommer entspannte Touristen aus aller Welt flanieren, bestimmen gestern waffenstarrende Soldaten das Bild. Am Warnemünder Kreuzfahrtpier halten Männer in Kampfanzügen automatische Gewehre im Anschlag und prüfen mit kritischem Blick die Situation. Gepanzerte Militärfahrzeuge fahren auf, das alles vor der Kulisse eines 200 Meter langen Kriegsschiffs.

OZ-Bild

Wo im Sommer entspannte Touristen aus aller Welt flanieren, bestimmen gestern waffenstarrende Soldaten das Bild.

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Dreharbeiten für einen Kriegs- oder Katastrophenfilm? Fehlanzeige. Waffen und Soldaten sind echt. Das Kriegsschiff ist die niederländische „Karel Doorman“, die Soldaten kommen aus Eckernförde (Schleswig-Holstein), vom Seebataillon der Marine. Deutsche und Niederländer proben in Rostock, wie es sein könnte, falls es in Europa mal eine gemeinsame europäische Armee gibt. Es ist der Auftakt einer neuen deutsch-holländischen Marine-Kooperation.

Für Außenstehende wirken die Übungen wenig spektakulär. Es wird nicht geschossen, es gibt weder Rauch noch Feuer und auch keine Explosionen. Im Prinzip geht es darum: Wie komme ich von Land und von See ins Schiff? Transport von Mannschaften und Geräten in alle Welt ist eine Hauptaufgabe der 2015 in Dienst gestellten „Karel Doormann“. Während der Ebola-Krise brachte es zum Beispiel Hilfsgüter nach Westafrika.

Zwei Schlauchboote flitzen auf den grauen Rumpf zu, drehen bei und halten vor einer Strickleiter. Ein Soldat nach dem anderem klettert hinauf, während seine übrig gebliebenen Kollegen unten im Boot mit ihren Maschinenpistolen die Lage sichern. Als bis auf den Mann am Steuer alle oben sind, fährt das Boot wieder zurück, Schlauchboot Nummer zwei fährt vor und das Ganze wiederholt sich.

„Boardingszenario in See“, heißt die Aktion bei der Marine.

Natürlich gibt es auch ein Boarding an Land. Dazu fahren Militärfahrzeuge mit Tarnlackierung vom Typ Dingo und Eagle über eine Rampe in den riesigen Bauch der „Karel Doormann“. Erst kommt ein Fahrzeug. Bewaffnete Soldaten steigen aus. Der Wagen bleibt abwartend abseits stehen, das ferngesteuerte Maschinengewehr auf dem Dach dreht sich lauernd. Nacheinander fahren drei weitere Fahrzeuge vor, machen einen Bogen und verschwinden im Schiff. Als alle weg sind, fährt auch das Aufpasser-Fahrzeug hinein.

Später, als alles eigentlich schon vorbei ist, drehen die Schlauchboot-Besatzungen noch eine Extrarunde. Die 163 PS-Motoren der beiden „Boomranger“ dröhnen auf. In schneller Fahrt halten die Boote auf die Kaimauer zu. Wenige Meter davor stoppen sie. Wasserfontänen spritzen auf, Fotografen und Kameramänner sind zufrieden.

Die Linke im Schweriner Landtag hat die Übungen des Natoschiffs als unnötige Machtdemonstration in Richtung Russland kritisiert. Die Militärs an Bord geben sich gelassener. Marine-Inspekteur Andreas Krause spricht von einem „Einstieg in amphibische Fähigkeiten“. Die biete das holländische Kriegsschiff mit seinen vielfältigen Transportmöglichkeiten. So etwas habe die deutsche Marine bisher nicht.

Das Verteidigungsministerium will sich deshalb finanziell am Betrieb der „Karel Doorman“ beteiligen. Die Details der Verträge werden gerade verhandelt. „Das ist ein Super-Schiff“, meint Nils Berger, Oberbootsmann beim Seebataillon.

Noch mehr Militär

5 Tage war die „Karel Doormann“ in Rostock-Warnemünde, wenn sie am Mittwoch wieder ablegt. Die nächsten Kriegsschiffe sind schon in Sicht. Der spanische Konteradmiral Jose Delgado Roig startet Mittwoch in Kiel zur „Baltic Road Show“ der Nato nach Warnemünde. Die dreiwöchige Tour führt anschließend weiter nach Riga.

3 weitere Kriegschiffe kommen nach Rostock: Die Fregatten „Alvaro de Bazan“, „Iron Duke“ und der Tanker „Canterbria“ machen voraussichtlich Freitagmorgen am Warnemünder Passagierkai fest. Drei Tage später, am 21. März, sollen sie wieder ablegen. Alle drei Schiffe gehören zur Standing Nato Maritime Group 1 (SNMG 1), einem maritimen Kampfverband mit 48 Stunden Einsatzbereitschaft.

Von Gerald Kleine Wördemann

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