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Beethovens bedrohliche Heiterkeit zum Saisonstart in Schwerin

Schwerin Beethovens bedrohliche Heiterkeit zum Saisonstart in Schwerin

Vorwiegend heiter startete die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin in ihre neue Konzertsaison: mit dem Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 von Ludwig van Beethoven und mit der Sinfonie Nr.

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Schwerin. Vorwiegend heiter startete die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin in ihre neue Konzertsaison: mit dem Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 von Ludwig van Beethoven und mit der Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 von Johannes Brahms. Davor hatte Generalmusikdirektor Daniel Huppert (33) die Sinfonie c-Moll „La tempête et la calme (Sturm und Windstille)“ von Louis Massonneau gesetzt, eine Neuentdeckung noch als Gruß an das 450-jährige Kapellen-Jubiläum, denn deren Schöpfer war 25 Jahre Chef der damaligen herzoglichen Kapelle. Huppert ließ sie nicht heiter spielen, sondern ihren emotionalen Kontrast von leidenschaftlicher Beunruhigung und entspannter Ruhe gleichsam als die Wurzel, aus der Heiterkeit sich bilden kann.

„Heiterkeit“ als Charakteristik für das Beethoven-Konzert oder die Brahms-Sinfonie ist bestenfalls ein Euphemismus, denn bei beiden geht es nicht um blanke Fröhlichkeit. Dies zeigte sehr eindrucksvoll Igor Ardašev (46), einer der international beachteten tschechischen Pianisten, in seinem plastischen Spiel, mit intensivem, aber kontrollierten Pedalgebrauch. Damit spannte er fesselnd den gedanklichen Bogen aus, mit dem Beethoven hier sein sinfonisches Prinzip „Durch Nacht zum Licht“ modifiziert zu „Vom Licht zur Nacht zum Licht“, in dem Heiterkeit nicht als sicherer Besitz, sondern als etwas immer wieder zu Erringendes und zu Behauptendes aufscheint.

Brahms macht aus dieser horizontalen Abfolge die gleichzeitige Vertikale von Licht und Nacht, in der sich in der Heiterkeit selbst ihre Gefährdung als heimliche oder unheimliche Abgründe anzeigt. Und genau dies machte Huppert zum für alle vier Sätze geltenden Prinzip seiner Brahms-Interpretation, mit einem schlanken Klang, strukturbewusst und durchsichtig für die motivische Arbeit, die Liedhaftigkeit auch mit lieblicher Fragilität. Das Abgründige gelang immer dann besonders gut, wenn es sich als dynamische Energie markierte, nicht immer gleichermaßen als fahle oder erschreckende Klangfarben. Entscheidend aber blieb der überzeugend gestaltete sinfonische Zusammenhang: bedrohte und bedrohliche Heiterkeit in vier wechselnden Beleuchtungen.

 

OZ

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