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Bei Chris Barbers Musik hält niemand die Füße still

Zinnowitz Bei Chris Barbers Musik hält niemand die Füße still

Die britische Jazzlegende (83) zieht das Publikum bei einem zweistündigem Konzert in der Zinnowitzer „Blechbüchse“ in ihren Bann.

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Chris Barber, britische Jazz-Legende, spielte mit Big-Band in Zinnowitz.

Quelle: Peter Kochan

Zinnowitz. Wolfgang Glück (83), bekannter österreichischer Regisseur und Drehbuchautor, ist momentan auf Hochzeitsreise an der Ostsee. Am Montagabend drängte es ihn in der Konzertpause zu Chris Barber. Der gleichaltrige britische Jazzmusiker signierte und verkaufte in der Zinnowitzer „Blechbüchse“ soeben eine Auswahl seiner CDs. „Ich habe 1961 den Krimi ,Denn das Weib ist schwach‘ gedreht. Der jazzige Soundtrack stammte von Barber“, ließ Glück wissen und schüttelte gleich darauf seinem Künstlerkollegen stürmisch die Hand.

Auch andere erneuerten an diesem Abend die Bekanntschaft mit der Jazz-Legende. So hatte ein heute älterer Herr den legendären Auftritt der Barber-Band am 23. Mai 1959 vor 11 000 Zuschauern in der Westberliner Deutschlandhalle erlebt. Selbst die Besetzung ist ihm noch teils in Erinnerung: „Damals waren unter anderem der Trompeter Pat Halcox und der Klarinettist Monty Sunshine dabei.“ Karin Jennings (58) sah und hörte den Jazz-Musiker und seine Band in den 1980er Jahren vor ausverkauftem Haus im Ostberliner Palast der Republik: „Eine Wahnsinnsstimmung!“ Konzerte, von denen auch Chris Barber noch schwärmt: „Tolles Publikum, wunderbare Spielorte!“

An diesem Abend war genug Gelegenheit für den gestandenen Jazz-Bandleader und seine neunköpfige Mannschaft, mit Jazz, Blues und Swing vom Feinsten an alte Bekanntschaften anzuknüpfen und neue Freunde zu gewinnen. Das gelang fast mühelos, denn sofort als Barber in dunklem Anzug, weißem Hemd und schwarzer Fliege im Spotlicht stand, umbrandete ihn stürmischer Beifall.

Der begleitete auch seinen Konzerteinstieg mit dem Paul-Barbarin-Titel von 1949 „Bourbon Street Parade“. Es folgte Titel auf Titel, quittiert mit langanhaltendem Klatschen, enthusiastischen Rufen und begeisterten Pfiffen. Selbst wer sich nicht ständig so äußern mochte, konnte es nicht verhindern, dass seine Füße zum Beispiel beim stampfenden Rhythmus von „Goin‘ home“ wippten. Die Begeisterung wuchs noch, wenn Barber, wie in diesem Fall, ein Stück gesanglich begleitete. Aber auch die Interpretation der Duke-Ellington-Titel „Rent Party Blues“, „Jungle Nights in Harlem“ oder „Jubilee stomp“ — Stücke, denen die besondere Liebe von Altmeister Barber gehört — rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Mit ihren Soli überzeugten ebenso Bandmitglieder wie die Trompeter Mike Henry und Peter Rudeforth, der Schlagzeuger Gregor Beck, der Posaunist Bob Hunt und die einzige Frau der Band — Saxofonistin Amy Roberts.

Musikalische Reminiszenz an jene 1950er Jahre, als Chris Barber's Jazz Band einen eigenständigen britischen Jazz aus der Taufe hob: In nur sechsköpfiger Besetzung spielte die Band Stücke wie „Wildcat Blues“ oder „Mary-Go-Round“. Bevor dann „Icecream“ den traditionellen Abschluss des Konzertes bildete, machte die Bearbeitung von „When The Saints Go Marching In“ den Zuhörern den Abschied von der Band noch besonders schwer. Doch Chris Barber tröstete seine alten und neuen Fans: „Wir sehen uns in der ,Blechbüchse‘ wieder!“ Ein Versprechen, das der vitale Musiker gewillt ist einzuhalten.

The Big Chris Barber Band gastiert heute um 19.30 Uhr in der Barther Bodden-Bühne.

 

Werner Geske

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