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Kultur Bruckner aus erster Hand
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07:10 09.09.2013
Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich schon lange vor Konzertbeginn viele Musikfreunde in Redefin ein, um es sich beim Picknick schmecken zu lassen.

Die Wiener Philharmoniker sind vielleicht das edelste Orchester der Welt, mit einem sorgfältig von Generation zu Generation weiter gereichten Klangideal, sich von moderner Schnittigkeit fernhaltend. Das weiß man. Aber es unmittelbar zu erleben und dazu noch auf heimatlichem Boden, dies gab ihrem Konzert doch eine zusätzliche Weihe und Erlebniskraft.

An den Anfang hatten sie das Concertino für Klarinette von Carl Maria von Weber gesetzt. Von Matthias Schorn (30), dem Preisträger in Residence und Soloklarinettisten der Philharmoniker, mit allen romantischen Tugenden (und ohne romantische Untugenden), mit konzertierendem Schwung, authentischer Empfindungstiefe und brillanter Virtuosität so hinreißend musiziert, dass er sogleich mit seinem Kollegen Daniel Ottensamer (27) eine Zugabe von lustvoller humoriger Virtuosität geben musste.

Das eigentliche Ereignis aber war die Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner, deren Uraufführung 1890 schon die Philharmoniker gespielt hatten. Damit führten sie auf faszinierende Weise ihr charakteristisches Klangbild vor, füllig, aber dennoch sehnig, verschmolzen oder durchhörbar, erzeugt auf „Wiener“ Instrumenten: die sanfte Wucht des Blechs, die lieblichen Holzbläser, die wundersame Homogenität der Streicher.

Überwölbt von einer souveränen geistigen Durchdringung durch den legendären Maestro Lorin Maazel (83), mit einem nahezu kontemplativen, stets die Übersicht wahrenden Gang durch das fast inkommensurable Riesengebäude dieser Sinfonie: Die hymnischen Klangdome werden nicht errichtet, sondern erheben sich, die Geheimnisse nicht mystifiziert, aber dennoch nicht vorschnell gelöst, ohne aktivistisch treibende Hast, aber immer mit innerer Energie. So erlöste Maazel diesen monumentalen Kosmos aus seinen inneren Kreisen und machte daraus eine große sinfonische „Erzählung“: von den seelischen (und kompositorischen) Anspannungen, um die Disparatheiten des Lebens — Todesfurcht und Liebessehnsucht, derb-naive Volkstümlichkeit und heilige Versenkung — nicht aufzuheben, aber zu einer lebbaren Einheit zu führen. Das Ganze gebündelt in einem grandiosen triumphalen Finale, das kein Sieg, aber eine unüberschreitbare Verheißung war.

Bruckner quasi aus erster Hand war das, es wurde dann auch mit stehenden Ovationen gefeiert.

Redefins Saal in Rot-Weiß: Wiener Philharmoniker gefeiert
Am späten Samstagabend ließ Matthias Schorn noch einmal das Konzert in der Redefiner Reithalle Revue passieren: „Das war der Höhepunkt für mich als Preisträger in Residence. So wohl wie heute fühlte ich mich schon lange nicht mehr.“

Für den furiosen Auftakt des Abends hatte der 30-jährige österreichische Klarinettist selbst gesorgt. Dies gemeinsam mit „seinem“ Orchester, den Wiener Philharmonikern. Doch es war nicht allein der stürmische Beifall des 3000-köpfigen Publikums, der zu Schorns Wohlbefinden beitrug. Besonderer Grund dafür war das Lob seines ersten Klarinettenlehrers, Prof. Hans Hindler, Mitglied der Philharmoniker: „Dieser Abend war riesengroße Werbung für unser Orchester.“

Das Publikum teilte diese Bewertung. Abzulesen an stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus in der in einen Konzertsaal verwandelten Reithalle. Österreichs Farben Rot-Weiß, bunte Blumengebinde und fünf kristallene Lüster schmückten die Spielstätte und verliehen ihr einen Hauch von Wien. Da verstand jeder das Wortspiel der Festspiel-Veranstalter, die das Publikum nach „RedeWien“ gebeten hatten.

Dieser Einladung war auch der als Kölner Tatort-Kommissar Freddy Schenk bekannte Schauspieler Dietmar Bär gefolgt. Er, den es in seiner Rolle stets an einen Imbissstand am Rhein zieht, genoss das Konzert mindestens ebenso wie dort die geliebte Currywurst.

Kulinarischen Genüssen gaben sich lange vor Konzertbeginn viele Besucher beim Picknick hin. Einen Bollerwagen voller Speisen und Getränke zogen Günter Schmarje und Johannes Hicken auf die große Liegewiese. Dort genossen die beiden Rand-Rostocker gemeinsam mit ihren Partnerinnen Gisela Schadwinkel und Sigrid Binder mit Blick auf die Pferdeshow des Gestüts leckeren Räucherfisch, schmackhaften Käse und eisgekühlten Sekt.

Auch Jürgen Hauptvogel (74) aus Seevetal (Niedersachsen) genoss den Tag. Seit acht Jahren gehört er zum Freundeskreis der Festspiele und macht sich fast jede Woche auf die Reise zu den Konzertorten:

„Ich verkaufe Programme, helfe beim Einlass und versuche, mich auch sonst nützlich zu machen.“ Er will den Festspielen noch lange erhalten bleiben: „Es ist toll, immer wieder so etwas Schönes wie hier in Redefin erleben zu können.“

Werner Geske

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