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„BubeDameKönigAss“: Jüngstes Gericht der Malerei

„BubeDameKönigAss“: Jüngstes Gericht der Malerei

Berlin — Was bleibt? Im Grunde ist das die entscheidende Frage. Kunsthistoriker stellen sie sich, ebenso Sammler, die nicht ein Vermögen auf Verlierer setzen wollen, und natürlich die Künstler selbst.

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Martin Eder, Der Schein, 2007

Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn

Berlin — Was bleibt? Im Grunde ist das die entscheidende Frage. Kunsthistoriker stellen sie sich, ebenso Sammler, die nicht ein Vermögen auf Verlierer setzen wollen, und natürlich die Künstler selbst.

Eine überraschende Antwort bietet ein riesiges Gemälde in der Neuen Nationalgalerie in Berlin mit dem schlichten Titel „Vormittag“. Zu sehen ist ein geräumiger Renaissancepalast mit einer Tafel, die bis zum Plafond reicht. Auf der Tafel steht gemeißelt, was bleibt: das Gleichgewicht und die Unterscheidung, der Falschspieler oder der blinde Passagier — und natürlich Bosch, Tiepolo, Richter, Kiefer und Runge. Neben der Tafel sieht man in einer modernen Künstlerhölle verrückte Installationskünstler und absonderliche Objekte, aber keine Pinsel und Leinwände.

Das ironische Programmbild, als gemaltes Bild natürlich eine Hommage an die Malerei, entstand in den neunziger Jahren. Die wenigsten dürften es kennen, ebenso wenig wie seinen Schöpfer Michael Kunze.

Der 1961 in Berlin geborene Maler sei regelrecht „totgeschwiegen“ worden, sagt Udo Kittelmann, der Direktor der Neuen Nationalgalerie. Es wurde Zeit, dass die zwischen 1960 und 1970 Geborenen in der Nationalgalerie zum Zug kommen. Unter dem Titel „BubeDameKönigAss“ spielt das Haus als Teil der großen Berliner Malereioffensive „Painting Forever“ vier etwa gleichaltrige Maler aus Berlin als starkes Quartett aus: Michael Kunze, Martin Eder, Anselm Reyle und Thomas Scheibitz.

In der Zusammenschau der 41 Werke scheint so etwas wie ein malerisches Generationsprojekt auf, bei allen stilistischen Unterschieden. Eder und Kunze malen figürlich-surreal. Reyle und Scheibitz — der Deutschland 2005 auf der Biennale in Venedig als Bildhauer vertrat — sind minimalistischen Formen und seriellen Verfahren verpflichtet, aber trotzdem versponnen. Alle vier arrangieren Motive wie auf Bühnen, konstruieren Welten zwischen Realität und Fiktion, teilen eine tief-ironische und gleichzeitig romantische Grundhaltung, und ihre Bilder wie „Was ist Metaphysik?“ (Kunze), „Utopia“

(Scheibitz) oder „Schweigen“ (Eder) lassen hinter figürlichen oder abstrakten Oberflächen eine untergründige Leere aufscheinen.

Als Auswahlkriterium aber wurden in der Nationalgalerie nicht ästhetische Merkmale herangezogen, sondern der Grad an Aversion und Aggressivität, mit der professionelle Kritiker diesen vier Künstlern über Jahre hinweg begegneten. „Die jahrelange polarisierende Rezeption“, so Kittelmann, sei entscheidend gewesen. Vor allem Reyle, als Star des Kunstmarktes geliebt von Großsammlern wie Christian Boros, ist vom Feuilleton regelrecht geschlachtet worden. Aber auch Eder wurde wiederholt als Scharlatan abgestempelt.

Der Katalog von „BubeDameKönigAss“ unternimmt den der Versuch einer Erklärung für diese heftigen Reaktionen. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts habe sich seit den neunziger Jahren in der Kunst eine „ideologische Dogmatik“ herausgebildet, die außer einer „kontext- und konzeptionell orientierten Kunstpraxis“ nichts habe gelten lassen. Die Nationalgalerie hält jetzt mit dem starken malerischen Viererblatt dagegen.

„BubeDameKönigAss“: bis 24. November, Neue Nationalgalerie Berlin, Potsdamer Straße 50.

 

Johanna Di Blasi

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