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Kultur „Der Mann hat‘s schwer“
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03:45 05.09.2013
Joey King als Emily und Channing Tatum als ihr Vater John Cale in „White House Down“ Quelle: dpa

Los Angeles — Regisseur Roland Emmerich spricht über seinen Film „White House Down“, seinen Lieblingspräsidenten und die Entführung von Angela Merkel. Der Filmemacher ist inzwischen so sehr Amerikaner, dass ihm im Gespräch immer wieder mal das deutsche Vokabular fehlt: Roland Emmerich wuchs in Sindelfingen auf, lebt aber seit Jahrzehnten in Los Angeles. Der 57-Jährige ist Experte für die kinogerechte Zerstörung von US-Eigentum — so wie jetzt in seinem neuen Actionspektakel, in dem eine Terroristenbande das Weiße Haus stürmt.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Emmerich, man könnte aus Ihrem Film schließen, dass der ärgste Feind Amerikas längst im eigenen Land steht.

Roland Emmerich: Nicht nur im eigenen Land, sondern im eigenen Haus. Als Obama 100 Tage im Amt war, habe ich einen klugen Zeitungsartikel gelesen. Da stand drin, dass es Obama schwerer haben würde als jeder andere Präsident, weil das große Geld gegen ihn steht. Und in den USA ist nun mal „All about Money“. Ich möchte nicht in seinen Schuhen stecken.

OZ: Meinen Sie die Rüstungsindustrie?

Emmerich: Oh ja, aber nicht nur die allein, es geht auch um Energie, Öl, alles. Deshalb wird der US-Wahlkampf auch immer schwieriger: Jede Firma kann heute in den USA so viel Geld wie sie will in den Wahlkampf pumpen. In Deutschland gibt es Beschränkungen — aus guten Gründen. Obama aber konnte die Wahl nur gewinnen, weil er die kleinen Leute hinter sich versammelte, die 10, 20 oder 50 Dollar spendeten.

OZ: Ist Obama in Ihren Augen eine Lichtgestalt?

Emmerich: Für mich ist er ein großer Präsident. Er war der erste, der gesagt hat, dass er die Heirat unter Schwulen gut finde. Von Bush hätten Sie ewig auf so einen Satz warten können.

OZ: Wir reden hier dauernd über Politik. Ihr Film ist doch typisches Popcorn-Kino. Oder etwa nicht?

Emmerich: Zunächst mal muss ein Film spannend sein. Wenn man das schafft, kann man den Leuten auch verkaufen, was man vielleicht selber denkt. Das mache ich mit jedem Film. Es macht ja auch Spaß, so eine Message einzubauen.

OZ: Verstehen Sie Ihren Film tatsächlich als eine Art Rückendeckung für Obama?

Emmerich: Ob Rückendeckung oder nicht: Der Mann ist in seiner letzten Amtsphase. Ich hoffe, dass er wenigstens noch ein paar Dinge durchsetzen kann. Ich habe totale Angst, dass der nächste Präsident die Krankenversicherung für arme Leute wieder abschafft. Endlich gibt es die, und dann kommen diese reichen Idioten und wollen die Versicherung kassieren.

OZ: Warum demolieren Sie immer wieder das Weiße Haus? Warum nicht mal die Freiheitsstatue?

Emmerich: Die Freiheitsstatue stand in amerikanischen Filmen immer schon im Blickpunkt. In einem meiner Lieblingsfilme, in „Planet der Affen“, sinkt Charlton Heston am Ende auf die Knie, als er die Reste der Freiheitsstatue im Staub entdeckt. Das Weiße Haus wurde früher nie als Symbol verwendet. Das ist die letzte heilige Kuh, die man noch hat schlachten müssen.

OZ: Wird es Ihnen als Zugewandertem übel genommen, dass immer Sie es sind, der die Kuh ins Schlachthaus führt?

Emmerich: Die Amerikaner sagen ja nicht: Oh, der Regisseur ist ein Deutscher. Über dem Film steht: „Vom Regisseur von ,Independence Day‘ und ,2012‘“. Eher schon interessieren sich rechtsgerichtete Journalisten für meine Herkunft.

OZ: Wird in den USA viel über den militärisch-industriellen Komplex geredet, der in Ihrem Film das Zentrum des Bösen darstellt?

Emmerich: Ich glaube nicht, dass in Amerika noch freier Journalismus existiert. Es gibt schon ein paar Leute, die die Wahrheit sagen. Aber die werden als Comedians bespöttelt.

Tatsächlich ist kaum etwas darüber zu lesen, welche Unsummen die USA ins Militär pumpen. Die Straßen in Amerika sind desolat, die Flughäfen sehen schlimmer aus als die in der Dritten Welt und mit den Schulen geht es abwärts, Aber die besten Drohnen haben die Amerikaner schon.

OZ: Dann müssen Sie enttäuscht gewesen sein, als Obama ankündigte, Syrien zu bombardieren.

Emmerich: Der Mann hat‘s schwer. Er kann gar nicht alle Erwartungen erfüllen. Das ist so, als wenn du einen Film bewirbst, und dann bleibt er hinter den Erwartungen zurück. Der Film ist vielleicht gut, aber nicht gut genug. Deshalb wird er runtergemacht.

OZ: Hat Obama „White House Down“ gesehen?

Emmerich: Wir haben ihm eine DVD geschickt. Aber ich habe allen gesagt: „Erwartet bitte keine öffentliche Äußerung von ihm.“ Der Mann kann sich ja kaum noch rühren. Kürzlich hat er einem seiner Marines die Hand geschüttelt und nicht salutiert, als er in den Hubschrauber stieg. Das hat einen Skandal ausgelöst. Alle haben geschrien: „Was ist das für ein Präsident?“ Tja, das ist genau der Präsident, den ich haben möchte.

OZ: Können Sie sich vorstellen, im Kino auch mal das Bundeskanzleramt zu zerstören? Und wer würde bei Ihnen Angela Merkel spielen?

Emmerich: Meryl Streep! Mit der wollte ich immer schon arbeiten. Allerdings ist die Zerstörung von Regierungsgebäuden im Kino eher eine amerikanische Angelegenheit. Das Kanzleramt hat auch nicht diese Bedeutung. Wenn jemand das Weiße Haus besetzt, löst er eine Weltkrise aus. Wenn jemand die Bundeskanzlerin kidnappt, ist das auch eine supergroße Geschichte, aber nicht ganz so groß.

OZ: Sie planen eine Fortsetzung von „Independence Day“. Muss das Weiße Haus schon wieder dran glauben?

Emmerich: Wir fangen erst 2015 oder 2016 an zu drehen. Es gibt noch keine Anhaltspunkte.

Katastrophenfilmer aus Schwaben
1955 wurde Roland Emmerich in Stuttgart geboren. 1977 begann er ein Studium an der Münchner Filmhochschule. Sein Abschlussfilm „Das Arche Noah Prinzip“ (1984) machte ihn schlagartig bekannt. In Deutschland drehte er bereits Filme im Hollywood-Stil, wie „Joey“ (1985) und „Moon 44“ (1990). 1992 gelang ihm mit „Universal Soldier“ der Durchbruch in den USA. Mit „Independence Day“ (1996) startete Emmerich seine erfolgreiche Serie von effektreichen Katastrophenfilmen, in denen er mit Vorliebe berühmte Sehenswürdigkeiten zerstört.

„2012“ (2009) soll laut Emmerich der letzte in dieser Reihe gewesen sein.

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