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Kultur Erstmals Goldener Löwe für Dokfilm
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03:46 09.09.2013
Regisseur Gianfranco Rosi. Quelle: dpa

Die harsche Realität hat längst das Kino erreicht. Immer wieder stehen in Filmen Menschen im Mittelpunkt, die in ihrem Leben straucheln oder gegen den Absturz kämpfen müssen. Das war auch beim diesjährigen 70. Internationalen Filmfest Venedig zu spüren, viele der Beiträge bildeten die krisengeschüttelte Wirklichkeit ab. Da erscheint es konsequent, dass die Jury nun eine Dokumentation mit dem Goldenen Löwen auszeichnete. Eine große Überraschung, denn mit „Sacro GRA“ um das Leben am römischen Autobahnring gewann zum ersten Mal in der Festivalgeschichte ein Dokumentarfilm die höchste Auszeichnung.

Schon Italiens Regielegende Federico Fellini verewigte die Mammutautobahn GRA, die sich um die Hauptstadt wie eine Schneise in die Landschaft schneidet, in einem Film und inszenierte dort in „Fellinis Roma“ einen riesigen Stau. Regisseur Gianfranco Rosi wählt jetzt einen anderen Zugang und zeigt reale Menschen, die tatsächlich an dieser Schnellstraße leben und arbeiten. Da sind Rettungssanitäter, die Unfallopfer bergen. Prostituierte, die auf einem Parkplatz auf Kunden warten. Bewohner von Häusern, an denen die Autos vorbeirasen. „Endlich steht der Dokumentarfilm auf Augenhöhe mit Spielfilmen“, jubelte Rosi bei der Preisverleihung am Samstagabend. „Dokumentation ist Kino.“

Die Entscheidungen der Jury scheinen vor allem die krisengebeutelten Länder Südeuropas zu favorisieren. Immerhin wurde noch die italienische Schauspielerin Elena Cotta für das die sizilianische Gesellschaft entlarvende Stück „Via Castellana Bandiera“ ausgezeichnet. Und auch das griechische Familiendrama „Miss Violence“, das mit seiner emotionalen Lethargie wie eine Parabel auf die derzeitige Lage des Landes wirkt, gewann zwei Trophäen: für die Regie und den Hauptdarsteller.

Das Drama „Jiaoyou (Stray Dogs)“, in dem der frühere Goldene-Löwen-Gewinner Tsai Ming-liang vom Überlebenskampf eines Vaters und dessen Kindern erzählte, erhielt den Großen Preis der Jury. Auch „Die Frau des Polizisten“ des Deutschen Philip Gröning prägte sich nachhaltig ein und wurde in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury belohnt. Der 54-jährige Regisseur fokussierte sich auf die unheilvolle Gewaltbeziehung eines jungen Paares. Das Werk um Schläge in der Ehe wurde zu einer Studie menschlicher Abgründe.

OZ

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