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Faust und andere: Starke Form, große Menschheitsfragen

Rostock Faust und andere: Starke Form, große Menschheitsfragen

Das Land nimmt Abschied von dem Grafiker Armin Münch. Sein Werk, ein Schatz, ist noch zu heben.

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Aus dem Zyklus „Faustmephisto“ von Armin Münch, eine Schenkung an den Rostocker Kunstverein.

Rostock. Mag ja sein, dass Rostock im Theater nie einen „Faust“ erlebt hat, der — wie in Weimar oder Berlin, Hamburg oder Schwerin — weit in die Welt ausstrahlte. Aber die Hansestadt hatte einen bedeutenden Künstler, der sich als Grafiker ein Leben lang mit Faust beschäftigte: immer wieder, in ständig sich wandelnden, sich schärfenden, die Formen energisch verdichtenden Interpretationen — als Formulierung großer Menschheitsfragen.

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Aus dem Zyklus „Faustmephisto“ von Armin Münch, eine Schenkung an den Rostocker Kunstverein.

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Heute wird Armin Münch (1930- 2013), der am 21. August nach schwerer Krankheit gestorben ist, auf dem Rostocker Westfriedhof beigesetzt. Und wenn Angehörige und Freunde, Künstlerkollegen und frühere Schüler aus Rostock und Greifswald, Kunstfreunde und Vertreter der Stadt trauern, dann gilt der Abschied nicht „nur“ dem beliebten Menschen. „Er war auch ein letzter Vertreter einer großen Zeichentradition, die von Dürer über Menzel bis zu Max Schwimmer und Hans Theo Richter reicht. Einer Tradition, die heute verloren zu gehen droht“, sagt der Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann.

„Sein Werk muss daher bewahrt werden. Wenn wir Glück haben, können künftige junge Künstler viel davon lernen.“

So wie das schon bisher mehrere Generation konnten. „Ich werde sein Andenken mit Ehrfurcht bewahren“, schreibt beispielsweise die Malerin Britta Naumann-Knapp, dankbar für die Toleranz und das ermutigende Interesse, das Münch jüngeren Künstlern entgegenbrachte. Und der Bildhauer und Grafiker Wilfried Schröder, der seinem einstigen Lehrer noch wenige Tage vor seinem Tod nahe war, bekennt:

„Er blieb mir immer nah mit dem Besten, das ich kennenlernen und sammeln durfte.“

„Genau genommen ist Armin Münch schon als Kind dem Teufel begegnet, den er später in seiner Arbeit am Faust so oft trifft“, schreibt die Rostocker Künstlerin Helga Manowski. Sie meint den Teufel im Puppenspiel, den der Achtjährige im Streit mit Kasper und Gretel erlebte; aber auch jenen Teufel Krieg, den der 15-Jährige in den Dresdner Bombennächten vom Februar 1945 knapp überlebte. Drei Jahre später notiert Armin Münch in seinem Tagebuch: „Trümmerstadt — Trümmerwelt — Trümmermenschheit. Mephisto und Faust hocken in Ringsumtrümmern (...) Ich sehe die Theateraufführung mitten in den Trümmern.“

Diese Bilder begleiten Armin Münch fortan. Er wird Künstler, studiert von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, zieht 1955 nach Rostock, weil ihn das Meer inspiriert, wird 1958 Meisterschüler der Akademie der Künste Berlin. 1970 erhält er einen DDR-Nationalpreis und beginnt an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zu lehren, von 1976 bis 1991 ist er Professor an der Universität Greifswald, von 1996 bis 2000 an der Uni Rostock.

Und er zeichnet, nimmt mit unermüdlichem zeichnerischen Drang teil an Problemen seiner Zeit. Faust auch im Atomzeitalter, Mephisto und das Ewig-Weibliche, das uns „hinanzieht“, sie leben in seinen Blättern, oder der Walfänger Ahab aus „Moby Dick“, in seiner Hybris ein enfernter Verwandter „Faustmephistos“. 16 000 Grafiken hat Armin Münch vor Jahren der Universität Rostock als Schenkung anvertraut. Wenn jetzt vom Nachlass gesprochen wird, ist die Rede von geschätzten 20 000 Blättern. Die müssen gesichtet, bewahrt und gepflegt werden.

Und gezeigt. Der Kunstverein zu Rostock, der mehrere Ausstellungen Münchs machte, sieht die Kunsthalle Rostock in der Pflicht zu einer umfassenden Würdigung. Rostocks Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) betont, dies sei ein Anliegen vieler Menschen der Stadtgesellschaft — und auch ihr Anliegen. Erste Schritte habe sie unternommen. „Ich hoffe, das ist auf positiven Wegen. Ich bleibe da dran.“

 

Dietrich Pätzold

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