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Festspielsommer: 150 Konzerte vor Ostsee-Kulisse

Schwerin Festspielsommer: 150 Konzerte vor Ostsee-Kulisse

Vom 15. Juni bis zum 16. September holen die Festspiele MV wieder zahlreiche Klassik-Stars in den Norden

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Pianist Kit Armstrong, diesjähriger Preisträger in Residence der Festspiele MV.

Quelle: Jason Alden

Schwerin. „Unsere Routine ist, dass es keine Routine gibt“, sagt Markus Fein, Intendant der Festspiele MV, im Hinblick auf den Festspielsommer 2018. „Menschen mit Muße, mit Zeit und mit offenen Ohren“ – diese Potenzial will der Intendant auch in diesem Jahr nutzen, um „Erlebnisse, Energieräume und außergewöhnliche musikalische Begegnungen zu schaffen.“ Und das mit jeder Menge Einfallsreichtum: Denn im Format der Festspiele gibt es bisher wohl keine Saison, die nicht mit neuen Künstlern, neuen Reihen oder neuen Spielorten aufwartete.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einige Neuerungen: Dazu gehören neue Schauplätze der Reihe „Unerhörte Orte“, wie die Eisengießerei in Torgelow, die Bootswerft in Freest oder die Druckerei der Ostsee-Zeitung, aber auch Formate wie „2 x Hören“ mit Nils Mönkemeyer, William Youn und dem vision string quartet. Die Grundthese: Wer ein Werk zweimal erlebt, hört es intensiver. Bei sechs Konzerten auf Schloss Ulrichshusen hören die Zuschauer dasselbe Werk zweimal hintereinander – gespielt von zwei unterschiedlichen Ensembles in unterschiedlichen Intrumentationen und Raumsituationen und erleben soeine Art Schule des Hörens.

Auch unter den Künstlern gibt es in diesem Jahr wieder neue Gesichter: Dazu gehören der russische Pianist Daniil Trifonov, Stargeiger Pinchas Zuckerman und die Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden. „Dort haben wir bereits über viele Jahre angeklopft“, sagt Fein, der sich freut, dass es nun endlich geklappt hat. Neben großen Namen wie Hélène Grimaud, Julia Fischer, Igor Levit, Janine Jansen und Daniel Hope, Dirigenten wie Christoph Eschenbach oder Antonio Pappano, bekannten Orchestern, wie der Academy of St Martin in the Fields, das Zürcher Kammerorchester oder das NDR Elbphilharmonie Orchester gibt es natürlich auch in diesem Jahr einen neuen Preisträger in Residence: den 26-jährigen amerikanischen Pianisten Kit Armstrong, den sein Mentor Alfred Brendel bereits als „die größte musikalische Begabung, der er in seinem Leben begegnet ist“, bezeichnet.

Und tatsächlich verfügt Armstrong, der 2014 den WEMAG-Solistenpreis gewann und seitdem regelmäßig zu Gast bei den Festspielen MV ist, über diverse Talente: Der Pianist wird 24 der insgesamt 150 Konzerte bestreiten und dabei nicht nur Klavier, Orgel und historische Tasteninstrumente spielen, sondern auch kochen, komponieren, diskutieren und dirigieren. Dass er zudem noch Humor hat, bewies er bei der Präsentation des Festspielprogramms. „Wann ist die Eröffnung noch mal genau?“, fragte er mit spitzbübischem Lächeln. Nur ein Spaß, denn Armstrong komponiert die Festspiel-Ouvertüre für Orgel solo, die er gemeinsam mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester in Neubrandenburg auf der neuen Orgel spielt.

„Die Musik, die ich am meisten Schätze, wird von kleinen Elementen geprägt“, sagt Armstrong. „Ich möchte etwas komponieren, bei dem sich mit scheinbar Unwichtigem große Effekte erzielen lassen“, verriet er vorab. Für sein Dirigenten-Debüt hat er das große Händel-Oratorium „Theodora“ gewählt. „Ich wollte es deshalb gern dirigieren, damit es einmal so aufgeführt wird, wie ich es mir vorstelle“, so Armstrong. In „Kits Raritäenkabinett“ in Landsdorf verbindet der Pianist seine Leidenschaft für Origami- Kunst mit passender Musik und spricht als studierter Physiker mit dem Wissenschaftlichen Leiter des Testreaktors Wendelstein 7-X.

In Fürstenhagen kreiert er mit Sternekoch Daniel Schmidthaler ein musikalisch begleitetes Festspielmenü. Auch was die Zutaten fürs Kochen und Komponieren angeht, lassen sich laut Armstrong durchaus Parallelen ziehen. „Ich komponiere gerne am Herd“, sagt er. „Zwischen Musik und Kochen gibt es eine gewisse geistige Verwandtschaft. Man isst zeitlebens das gern, was man als Kind gegessen hat. So ist es auch mit der Musik.“

Büssing Stefanie

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