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Kultur Tag des offenen Denkmals: Diese historischen Orte locken
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17:53 07.09.2018
Die Giebelwand „Geschichte der Luftfahrt“ in der Bertolt-Brecht-Straße in Rostock-Evershagen. Quelle: Martin Börner
Rostock

„Das Schöne ist, dass bei diesen Denkmälern auch die dazugehörigen Zeitzeugen noch da sind“, sagt André Axmann. „Lange wird das nicht mehr so sein.“ Das dritte Mal organisiert Axmann bereits zum Tag des offenen Denkmals einen Rundgang durch seinen Rostocker Stadtteil Evershagen, der in den siebzigerJahren errichtet wurde. „Vielen Einwohnern hier ist nicht bewusst, das es auch in ihrem Stadtteil Denkmäler gibt“, sagt Axmann, der seit 41 Jahren in Evershagen wohnt. Als Besonderheiten in seinem Stadtteil sind sechs Giebelgestaltungen zu nennen, so das Klinkermotiv „Geschichte der Luftfahrt“ von Reinhard Dietrich in der Bertolt-Brecht-Straße. André Axmann hat für den Stadtteilrundgang Peter Baumbach gewinnen können, der einer der Hauptarchitekten des Stadtteils war. Es geht ab 16 Uhr zu Fuß durch den Stadtteil, danach folgt eine Fahrt mit historischen Bussen nach Rostock-Schutow. Ziel ist die ehemalige Messehalle „Bauwesen und Erdöl“, entworfen 1966 vom Bauingenieur Ulrich Müther (1934-2007). Dort wird Prof. Matthias Ludwig, Leiter des Wismarer Müther-Archivs, den Besuchern Informationen zum Bauwerk geben. In diesem Jahr hat André Axmann einen zweiten Stadtteilrundgang organisiert, der ab 14 Uhr durch Lichtenhagen führt.

Von solcherart Engagement lebt der Tag des offenen Denkmals allerorten. Auf diese Weise können sich historisch interessierte Besucher Geschichte aneignen, Verborgene erstmals oder neu entdecken. „Der Tag des offenen Denkmals hat sich innerhalb von 25 Jahren zur größten Kulturveranstaltung Deutschlands entwickelt“, sagt Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Dies ist der Begeisterung und dem Engagement der vielen Planungspartner zu verdanken: den Denkmaleigentümern, den Denkmalfachleuten, den Gemeinden und Städten und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.“ Die Resonanz ist groß: 2017 nahmen bundesweit 3,5 Millionen Besucher diese Angebote wahr.

In ganz Mecklenburg-Vorpommern stehen am Sonntag Museen Schlösser, Kirchen, Landgüter oder technische Anlagen offen: In Rostock ist zum Beispiel die 1909 erbaute Zeecksche Villa in der August-Bebel-Straße zur Besichtigung geöffnet, das ehemalige Telegrafenamt (erbaut 1879-81) in der Rostocker Buchbinderstraße 1-3 ebenfalls. In Barth ist die 1000-PS-Dampfmaschine in der ehemaligen Zuckerfabrik zu sehen, die 1990 stillgelegt wurde. In Schaprode steht die denkmalgeschützte Guts- und Parkanlage Streu aus dem 13. Jahrhundert zur Besichtigung offen. Das vollständige Programm zum Tag des offenen Denkmals ist im Internet abrufbar (Infokasten). Auch musikalisch wird was geboten. Bereits am 8. September um 20 Uhr wird in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater ein Benefizkonzert abgehalten, bei dem Geld für die weitere Sanierung der Marienkirche von Rostock gesammelt wird.

Oft verblassen die Erinnerungen. Wörtlich zu nehmen ist das in Rostock-Evershagen, wo an der Rückseite des Einkaufszentrums „Am Scharren“ das Wandbild „Von der Verantwortung des Menschen“ hing. Das Werk löste sich wegen des aggressiven Grundputzes auf und ist heute nur noch schemenhaft zu erkennen. André Axmann hat 2017 das Originalwerk vom Künstler Roland Paris geholt und in der Rostocker Kunsthalle einlagern lassen. Man könnte das Wandbild nach dieser Vorlage wieder herstellen, erklärt Axmann. „Wenn sich ein Künstler findet, der das macht, bin ich einverstanden“, ließ Ronald Paris, heute 85, ausrichten. Ein wichtiger Aspekt am Tag des offenen Denkmals: Zum Erinnern gehört das Bewahren.

Thorsten Czarkowski

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