Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur „Ich träume mich immer wieder nach Paris“
Nachrichten MV aktuell Kultur „Ich träume mich immer wieder nach Paris“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:54 26.08.2013
Ein Blick in die gestern im Kühlungsborner Atelierhaus eröffnete Ausstellung von Werken Louise Röslers. Quelle: Dietmar Lilienthal
Kühlungsborn

Die großen Fenster eröffnen einen weiten Blick über die sanften Hänge der Kühlung, hinaus auf die Ostsee. Jeder dieser großzügigen Auslässe wirkt selbst wie ein Gemälde und lässt den Betrachter staunend verweilen. Doch seit gestern ist der Kunstfreund bereit, diesen überwältigenden Eindruck gegen einen Rausch der Farben einzutauschen. Den bietet ihm die Ausstellung „Die Fünfziger Jahre — Louise Rösler, Bilder und Arbeiten auf Papier“ im Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke in der Kühlungsborner Schloßstraße 4.

Die weiten und hohen Räume des großen Hauses sind wie geschaffen für die Fülle der Bilder voller Farbigkeit, die Louise Rösler in den 1950er Jahren schuf. Sichtlich befreit von den Bedrängungen und Anfeindungen des Nationalsozialismus konnte sie endlich wieder arbieten, ohne ihre Werke verstecken zu müssen. „Der künstlerische Neuanfang war für meine Mutter nicht leicht. Mein Vater war im Krieg geblieben. Sie musste sich in Königsstein im Taunus, mit mir allein geblieben, durchschlagen“, berichtet Tochter Anka Kröhnke (73). Sie hat den künstlerischen Nachlass ihrer Eltern und Großeltern bewahrt und sähe ihn gerne in eine Stiftung überführt.

Trotz der geistigen Enge in dem ihr im Kriege zugewiesenen Wohnort, trotz des Wiedererstarkens reaktionärer Kräfte und permanenter finanzieller Nöte fehlt es ihren Arbeiten jener Zeit nicht an der gewohnten Buntheit. „Meine Mutter hatte sich den Blick für das Schöne bewahrt, sie malte eine Gegenwelt zu der sie umgebenden“, sagt Anka Kröhnke.

Unübersehbar aber ist Röslers unbezwingbare Sehnsucht, dem kleinstädtischen Ambiente zu entfliehen und in die Großstadt voller Leben zurückzukehren. Frankreich, besonders Paris, gehörte ihre große Liebe: „Dahin träume ich mich immer wieder zurück.“ Das gestand sie ihrer Tochter Anka, das ist ebenso ablesbar an vielen ihrer Bilder.

Dennoch bildete sich in den Königssteiner Jahren etwas Neues heraus: eine Abstraktion aus Bewegung, aus dem Gegensatz von sanften und heftigen Kurven oder rhythmischen Splitterformen. Eine Darstellungsform, einmalig in der Generation der nach 1900 geborenen Maler, wie es die Kunsthistorikerin Doris Schmidt einmal formulierte.

Der Besucher der Kühlungsborner Ausstellung entdeckt etliche solche Arbeiten Röslers, darunter „Frühlingsabend mit Trümmern“ (1950), „Tiergarten“ (1955), „Strahlender Oktobertag“ (1957) oder die „Rache an Königsstein“ — eine künstlerische Abrechnung mit dem Ort ihrer Evakuierung in Kriegszeiten, ihrem ungeliebten Exil. Es wurde kurz vor der Rückkehr in das inzwischen geteilte Berlin im Jahre 1959 geschaffen.

Den interessierten Gast lockt Anka Kröhnke zusagen in ein Hinterzimmer der Ausstellung. Dort führt sie ihn vor frühe Collagen ihrer Mutter, die 1953 entstanden und für die sie Glimmer verwendete, um ihre besondere Stimmung noch zu betonen. Arbeiten, die in der damaligen Bundesrepublik einzigartig waren.

Doch die Blicke der Atelierhausbesucher verweilen nicht nur auf den rund 100 Bildern, die Anka Kröhnke einem Konvolut von Hunderten Arbeiten entnahm. Es ist das Verdienst des bekannten Rostocker Historikers Frank Schröder, dass er, fasziniert von der 115-jährigen Künstlerdynastie Rösler-Kröhnke, die Ausstellung mit einzigartigen Dokumenten zu Leben und Schaffen Louise Röslers ergänzte. So erhält die Schau auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Zweifellos eine Bereicherung.

„Es gibt mehr als 20 000 Briefe und Dokumente zur Familiengeschichte. Von denen konnte ich bisher nur einen kleinen Teil sichten. Doch bereits dabei bin ich zur Auffassung gelangt, dass es hier möglich ist, einen wahren Schatz deutscher Kunstgeschichte zu heben“, betont Schröder.

Von den Nazis mit Farbverbot belegt
Luise Rösler (1907 bis 1993) war eine Bildende Künstlerin. Ab 1923 Besuch einer Privatkunstschule in München und von 1925 bis 1927 der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin. Von 1928 bis 1930 kurzes Studium an der Académie de l‘Art Moderne. Studienreisen nach Südfrankreich, Spanien und Italien. 1933 Heirat mit Walter Kröhnke und Wohnung in Berlin. Vor 1933 unter anderem Beteiligung an Ausstellungen der Berliner Sezession. 1943 Evakuierung nach Königstein im Taunus. Ausschluss aus Reichskulturkammer und „Farbenverbot“ . 1959 Rückkehr nach Berlin. Aufenthalt in Paris 1968 inspirierte sie zu dynamischen Collagen. 1993 Tod in Hamburg.

Werner Geske

Konzert bildet den Auftakt zum Usedomer Musikfestival.

26.08.2013

Der Rostocker Polizeiruf 110 „Zwischen den Welten“ bot am gestrigen Abend gute Fernsehunterhaltung.

26.08.2013

Im Schloss Buggenhagen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) wurde nach längerer Bauzeit gestern ein Museum eröffnet.

26.08.2013
Anzeige