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Julia Fischer führt durch vier Epochen

Ulrichshusen Julia Fischer führt durch vier Epochen

Neulich machte in Ulrichshusen Meistergeiger Daniel Hope — zwischen Forellenquintett und Krebsessen — den launigen Witz von der Festspielscheune als „Academy of St.

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Heinz-Jürgen Staszak über ein Festspielkonzert in Ulrichshusen.

Ulrichshusen. Neulich machte in Ulrichshusen Meistergeiger Daniel Hope — zwischen Forellenquintett und Krebsessen — den launigen Witz von der Festspielscheune als „Academy of St.

Maltzahn in the Fields“. Am Sonntag wurde die Folie dieses Witzes Wirklichkeit: Das Londoner Orchester „Academy of St. Martin in the Fields“, ein Ensemble erster Güte, gastierte wieder mal in der Scheune beim Schloss der Maltzahns. Geleitet wurde die reine Streicherabordnung der Academy von der hervorragenden Münchener Geigerin Julia Fischer (30), entweder aus der Solistenposition oder vom ersten Pult aus.

Das Programm, in dem es nicht nur um geigerische Bravour ging, führte verschiedene Arten des Streicherspiels vor, zwei solistische auf der Violine und vier im Streicher-Orchestersatz: vier Werke aus unterschiedlichen Epochen, vier Mal ein anderes Klangbild und eine andere Spielweise; von Julia Fischer mit stilistischem Feinsinn und musikalischem Differenzbewusstsein mit der Academy einstudiert und eindrucksvoll-begeisternd vorgeführt.

Sie eröffnete mit dem frühklassischen Violinkonzert G-Dur (1769) von Haydn, dessen Heiterkeit des Geistes, dessen geistreiches Spiel der Töne und Empfindungen sie mit leuchtender Schlichtheit darbot.

Dagegen gesetzt die „Metamorphosen“ (1945) des greisen Richard Strauss, ein hochkomplexes Werk für 23 Solostreicher, dessen melodische Polyphonie das Orchester zu einer verstörenden Vergeblichkeitserfahrung werden ließen.

Dann ließ Julia Fischer ihre bekannte Gestaltung des Violinkonzertes a-Moll BWV 1041 von Bach folgen, an der sich auch hier das Wunder vollzog, dass Bach, obwohl Solistin und Orchester nicht den Fundamentalismen der Originalklangbewegung folgten, der barocke Hofkomponist blieb. Dagegen gesetzt die Streichersinfonie Nr. 9 von Mendelssohn als innovative Überraschung. Nicht musiziert als liebenswürdiger Geniestreich des damals 15-Jährigen, sondern mit vollem sinfonischen Ernst, erregenden Akzentuierungen, mit einer Klangfärbung und Phrasierung deutlich im Horizont der Romantik — und keineswegs unangemessen überfrachtet wirkend.

 

OZ

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