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Kultur Kempowski-Tage eröffnen morgen literarischen Herbst
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03:32 11.09.2013
Katrin Möller-Funck zeigt die vier Bände „Echolot“ von Kempowski, die in Rostock nonstop vorgelesen werden sollen. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Der literarische Herbst wird heiß in Mecklenburg-Vorpommerns einziger Großstadt Rostock. Weniger, weil Brasilien im Oktober als Gastland der Frankfurter Buchmesse zur Entdeckung einlädt. „Brasilianische Autoren nach MV zu holen, ist schwierig“, weiß Manfred Keiper von der „anderen buchhandlung“. Von seinen Plänen blieb nur eine Lesung: João Paulo Cuenca und der Roman „Mastroianni. Ein Tag“ — am 18. September.

Die literarische Erhitzung der Region kommt mehr aus den starken Projekten, die sich den mit Rostock verbundenen prominenten Autoren Uwe Johnson, Walter Kempowski und Peter Weiss, aber auch jüngeren Schriftstellern widmen. Sogar die seit 15 Jahren erscheinende Literaturzeitschrift „Risse“ will nach förderpolitischen Querelen überraschen: „Die neuen ‘Risse‘ kommen farbig und knallig daher“, kündigte gestern Jens Lippert für die ehrenamtliche Redaktion an, „und auch die Texte werden viel besser, als sie sowieso schon immer waren.“ Am 8. November hat das neue Heft (Thema „Zensur“) Premiere im Bad Doberaner Kornhaus.

Literarischer Herbstanfang ist aber schon morgen: Eine Filmschau mit Diskussion zu C. Cay Wesnigks Collage „Hitlers Hitparade“ bildet um 14 Uhr im Literaturhaus den Auftakt der Rostocker Kempowski-Tage. In deren Zentrum steht ab 23. September in der Marienkirche eine Nonstop-Lesung aus des Autors Großwerk „Echolot“. Alle vier Bände des ersten Teils, der den Zweiten Weltkrieg im Januar und Februar 1943 (die Wende von Stalingrad) vielstimmig dokumentiert, ist dann ebenso vielstimmig zu hören. 2800 Seiten, fünf Tage und Nächte lang ununterbrochen bis zum 28. September zu lesen — von Freiwilligen, die sich für 30-Minuten-Abschnitte noch anmelden können. „Die Tageszeiten sind zu 99 Prozent vergeben“, freute sich Kempowski-Archiv-Chefin Katrin Möller-Funck, „auch für die ‘sportlichen‘ Zeiten finden wir genug Vorleser.“ So habe sich eine Schulklasse aus Lübeck angemeldet.

Auch die Uwe-Johnson-Gesellschaft sucht Vorleser für ihr Projekt „Eine Stadt liest ‘Jahrestage‘“, 51 der nötigen 365 Leser stehen fest. Überhaupt laufen zu Johnson viele Vorbereitungen: 2014 ist 80.

Geburtstag und 30. Todestag des Autors, im Mai gibt es in Rostock eine Internationale Johnson-Tagung, zum Jahreswechsel erscheint das 20. Johnson-Jahrbuch.

Schon Ende Oktober beginnt im Peter-Weiss-Haus der Hansestadt eine Peter-Weiss-Woche. In ihrem Rahmen eröffnet am 8. November die Ausstellung „Anne Frank. Eine Geschichte für heute“.

www.kempowski-archiv-rostock.de

Dietrich Pätzold

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