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Konzert ohne Einschmeicheln

Göhren-Lebbin Konzert ohne Einschmeicheln

Matthias Schorn, Martin Stadtfeld und Kristjan Järvi in Göhren-Lebbin gefeiert.

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Heinz-Jürgen Staszak über das Open-Air-Konzert in Göhren-Lebbin

Göhren-Lebbin. Zwei exzellente Instrumentalsolisten mit wirkungsvoller Smartness und ein origineller Dirigent prägten das letzte festliche Open Air der Festspiel-Saison, am Sonnabend. Im Land Fleesensee, im Schlosspark von Göhren-Lebbin waren der österreichische Klarinettist Matthias Schorn (30), der diesjährige Preisträger in Residence, der deutsche Pianist Martin Stadtfeld (33) und Kristjan Järvi, der estnisch-amerikanische (41), Chef des MDR Sinfonieorchesters Leipzig, zu Gast. Sie verbanden sich in einem Programm von für ein Freiluft-Konzert ungewöhnlicher Würde, ohne populistische Anbiederung.

Matthias Schorn spielte das Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart, das Schönste und Tiefsinnigste, was jemals für die Klarinette komponiert wurde, von klassischem Adel, in seiner gerade noch möglichen Balance von vollkommener Schönheit und ergreifender Ausdruckstiefe. Schorn setzte mit seinem berückenden Spiel ganz auf die leuchtende Schönheit, mied aber das Risiko, in ihr zu zeigen, was sie austariert: gleichsam der edle, formvollendete Ästhet, der sich nur verschämt mit dem Ringfinger die Augenwinkel tupft.

Martin Stadtfeld spielte das Cembalokonzert d-Moll BWV 1052 von Johann Sebastian Bach auf einem modernen Konzertflügel, aber mit einer faszinierenden delikaten Klanglichkeit, in der die Echos des Cembalos sich mischten mit der duftigen transparenten Farbigkeit des Klaviers, mit vorandrängender Energie, und vermied im Mittelsatz jegliche Romantisierung: das fesselnde kunstfertige Spiel mit den schönen Affekten.

Kristjan Järvi und sein Orchester boten, neben einer ungewohnt beschwingten, die Talare lüftenden „Akademischen Festouvertüre“ von Johannes Brahms, die Überraschung des Abends mit der Sinfonie Nr. 8 von Ludwig van Beethoven. Sie gilt als die heiterste seiner Sinfonien, von gefälliger Spaßigkeit.

Järvi aber scherte sich nicht daran, sondern gestaltete sie als eine „echte“ Beethovensinfonie, als Konflikt und Auseinandersetzung, nur von der „heiteren“ Rückseite der Medaille her: als Anstrengung um die befreite Heiterkeit, die durch dreinfahrende Sforzati, durch die überraschenden Rückungen und Wendungen immer wieder gestört wird und eigentlich misslingt, mündend nur in ein grimmig-resigniertes Lächeln oder in die Rückkehr zur sicheren Konvention. Die Gags gab es erst in den zwei fulminanten Zugaben.

 

OZ

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