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Kultur „Mein Leben ist eine einsame Insel“
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04:48 30.08.2013
Bad Muskau

Berlin — US-Bestsellerautor T.C. Boyle schreibt in seinem Roman „San Miguel“ über drei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf einer unwirtlichen kalifornischen Insel ums Überleben kämpfen.

Das Buch, das am Montag erscheint, basiert auf historischen Tatsachen.

OSTSEE-ZEITUNG: Auf die Insel San Miguel richten ihre verschiedenen Bewohner sowohl ihre Zukunftsvisionen als auch ihre Alpträume. Teilen Sie diesen radikalen Eskapismus mit Ihren Romanfiguren?

T. C. Boyle: Nein und ja. Nein insofern, dass ich in der Realität nie länger als für ein paar Tage auf solch einer windgepeitschten Insel gewohnt habe. In meinen Träumen allerdings schon. Deshalb habe ich auch zuvor schon über das einfache Leben voller Entbehrungen geschrieben — in meinem Roman „Drop City“ über eine Hippie-Kommune. Die Aufgabe des Autors ist es, den Leser an diese abgeschiedenen Orte zu versetzen, ihn all das fühlen, schmecken, hören und sehen zu lassen. Und ihn mit den Charakteren leiden zu lassen.

OZ: Die Handlung spielt am Ende des 19. Jahrhunderts sowie während der Wirtschaftskrise und des Ersten Weltkriegs. Wäre es möglich, diese Geschichten in die Gegenwart zu versetzen?

Boyle: Das Faszinierendste an diesen historischen Schicksalsgeschichten, die ich in Tagebüchern aufgestöbert habe, ist, dass sie sich zu einer Zeit zugetragen haben, als die Welt ein viel größerer und mysteriöserer Ort war. Derartige Isolation ist heutzutage, in dieser überfüllten und kleiner werdenden Welt, kaum mehr möglich. Vielleicht findet man Einsamkeit noch in einer Einzelzelle eines abgelegenen Gefängnisses. Oder in Grönland — zumindest so lange, bis das Eis schmilzt und ein zweites Miami Beach daraus wird.

OZ: Wie schon in Ihrem Roman ,Die Frauen‘ bilden drei Heldinnen das Zentrum des Romans. Was an diesen weiblichen Figuren versetzt Sie so in Andacht, dass Sie Ihnen ganze Bücher widmen?

Boyle: Wie Sie vielleicht wissen, bin ich der Hausdiener einer Frau. Ich spiele hier auf ihre Majestät an, Lady Boyle. Dieses Schicksal hat mir vielleicht einen winzigen Einblick in das Denken, Sprechen und Handeln von Frauen gegeben, wie das auch bei anderen Untergebenen so ist. Außerdem sind Männer so fürchterlich langweilig, mit ihren borstigen Bärten, übergroßen Füßen und ihren schrecklich lauten Stimmen. Es macht so viel mehr Spaß, Psyche und Körper einer Frau zu erkunden.

OZ: Haben Sie jemals auf einer einsamen Insel gewohnt?

Boyle: Mein Leben ist eine einsame Insel. Jeder von uns bewohnt eine Muschel, die wir wie Einsiedlerkrebse mit uns herumtragen, um die Welt von uns fernzuhalten. Ich habe auf Inseln gelebt, wenn auch nicht ganz allein. Und ich verbringe so viel Zeit wie möglich in den Bergen der Sierra Nevada. Aber natürlich nur nach der Arbeit, ich bin schließlich ein sehr gut erzogener Autor, dessen größtes Begehren es ist, Geschichten zu erfinden und mit Wörtern zu spielen.

OZ: Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Boyle: Ein sehr dickes Buch, eine Doppelmagnumflasche Wein und Frau Boyle. Lassen Sie mich schummeln und noch zwei weitere Dinge nennen: ein Keyboard und eine Musikaufnahme. Ob auf einer einsamen Insel oder nicht — wer könnte schon ohne J.S. Bach leben?

An der Wirklichkeit orientiert
Drei Frauen, eine Insel: Drei Schicksale, die sich um die Insel San Miguel vor der Küste Kaliforniens ranken. Bestsellerautor T. C. Boyle orientiert sich an den in Tagebüchern und Kindheitserinnerungen festgehaltenen Geschichten der Familien Waters und Lester, die tatsächlich einst auf San Miguel lebten.


T.C. Boyle: San Miguel. Roman.

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren.

Carl Hanser Verlag; 448 Seiten, 22,90 Euro

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