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Poetisch und brachial: Ein Fest der Malerei

Plüschow Poetisch und brachial: Ein Fest der Malerei

Das Künstlerhaus Schloss Plüschow bei Grevesmühlen zeigt mit „Warmzeit“ elf zeitgenössische Positionen als beeindruckende Leistungsschau.

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„De Propaganda Fide“ — eine Besucherin betrachtet im Künstlerhau Plüschow ein Werk von Denise Richardt von 2011. Fotos (3): Thomas Häntzschel

Plüschow. Elf Künstlerinnen und Künstler aus vier Bundesländern mit fast 100 Werken, dazu ein ganzes Schloss mit vielen, aber durchaus vertrackten Wänden. Keine leichte Aufgabe für Kurator Achim Niemann: „Es ist nicht einfach gewesen mit den barocken Paneelen.“ Einige der Wände sind halbhoch mit hellgrauem Holz verkleidet, dazu Stuck und altes Parkett.

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„De Propaganda Fide“ — eine Besucherin betrachtet im Künstlerhau Plüschow ein Werk von Denise Richardt von 2011. Fotos (3): Thomas Häntzschel

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Doch Niemann ist es gelungen: Das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow zeigt seine Ausstellung „Warmzeit“, die aktuelle Positionen zeitgenössischer Malerei vorstellt. Der Titel bezeichnet etwas Gutes ebenso wie etwas Übles: Als Gegenteil von „Eiszeit“ lässt er Assoziationen von Klimawandel und Erderwärmung zu, andererseits klingt er kuschelig wie ein paar bequemer Hausschlappen.

Beides lässt die Ausstellung zu: gemütliches Flanieren ebenso wie produktive Beunruhigung.

Gleich unten im großen Saal begegnen sich Denise Richardt und Susanne Jung. Farbenfrohe Landschaften mit wunderbaren Unschärfen, skizzenhafte, doch großformatige Szenerien Richardts treffen auf sachliche Akkuratesse bei Jung. Sinnlich gegen abstrakt, emotional gegen rational. Richardt und Jung, beide leben in Berlin, kennen sich und mögen sich, und stecken zusammen ein sehr breites Spektrum ab. „Ich weiß nicht, wo es hingeht mit der modernen Malerei“, sagt Denise Richardt. Doch habe man mit einer Schau wie in Plüschow die Chance, Möglichkeiten der Malerei aufzuzeigen. In diesem Sinne setzt sich auch Susanne Jung gern mit den Ansätzen von Künstlerkollegen auseinander, um letztlich auch die eigenen Arbeiten im Kontext neu sehen zu können.

Den Besucher erwartet auch ohne professionelles Interesse ein wahres Fest der Malerei. Figürliches ist nur am Rande zu entdecken, dominant sind die großen Würfe im Abstrakten. Joachim Böttcher zum Beispiel. Seine großen Leinwände aus finsteren Farben und voller Fundstücke nehmen dem Betrachter mit ihrer Poesie des Brachialen fast den Atem. Auch die kargen, riesigen Bilder von Jens Elgner — eine knallrote Leinwand trifft auf einen um sich selber krümmenden Strich — sind Beleg für den Versuch, Lösungen im Extremen zu finden. Oben im ersten Stock treffen die Arbeiten von Ute Gallmeister mit fast homogenen Oberflächen auf symbolhafte Raum-Welten von Anneliese Hoge und die immer weiter abstrahierten und in dicker Ölfarbe auf den Leinwänden kauernden Wappen-Adler von Ingmar Bruhn.

Scheinbar friedliche Interieurs von Karsta Lipp korrespondieren mit fremden Einrichtungsgegenständen von Henry Stöcker.

Erstaunlich, was Achim Niemann in den Ateliers seiner Kollegen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zusammenstellte. Es sind Positionen, die sich in den 70er, 80er und den 2000er Jahren herausbildeten. Doch diese Zuschreibungen spielen eigentlich keine Rolle. Am Ende zählt nur die Malerei.

Elf starke Positionen
Vertreten sind Anneliese Hoge, Ute Gallmeister, Ingmar Bruhn, Joachim Böttcher, Jens Elgner, Michael Kain, Susanne Jung, Karsta Lipp, Denise Richardt, Henry Stöcker, Christine Ernst.


Bis 22. September Künstlerhaus Schloss Plüschow, Am Park 6, 23936 Plüschow,

www.plueschow.de


Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr

 

Matthias Schümann

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