Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Rütteln, Schütteln und befreit Trompete blasen
Nachrichten MV aktuell Kultur Rütteln, Schütteln und befreit Trompete blasen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 31.08.2013
Rostock

Ziemlich viel los bei Professor Jens Lindemann. Der Startrompeter aus Los Angeles (47) rüttelt und schüttelt in seinem Meisterkurs beim Sommercampus der Rostocker Hochschule für Musik und Theater am Studenten Tomoyuki Saito aus Japan herum, ruft dem 20-Jährigen zu: „Bist du jetzt ärgerlich?! Diese Musik entstand aus Ärger, also sei ärgerlich!“, schubst ihn dazu noch mal richtig, um ihn dann wieder lachend aufzufangen und sich über dessen nun locker kräftiges Spiel zu freuen. Dann das sanfte i-Tüpfelchen: „Na, und warum ist das denn so einfach?!!“

Darauf gibt es nur eine richtige Antwort, und Studenten, die länger bei ihm lernten, kennen sie genau. „Richtig, weil ich ein berühmter Meister bin!“ Dazu lacht der Meister wieder, klatscht ab wie auf dem Sportplatz und setzt den Unterricht ernsthaft fort. Später in der Kaffeepause sagt er schmunzelnd: „Wissen Sie, wenn ich da ab und zu was Verrücktes sage und mache, dann sichere ich damit auch, dass sich das Geübte tiefer festsetzt.“

Da walten also pädagogische Prinzipien: das Prinzip Körperkontakt zum Beispiel, oder das der permanenten Lockerung, das einer fordernden Verunsicherung oder das des Stolzes beim öffentlichen Auftritt, das der Ermutigung oder das der Überraschung.

Letzteres, so erzählt der in Deutschland geborene und in Kanada aufgewachsene Musiker, der seit 2001 an der University of California in Los Angeles lehrt, wendet er auch in L.A. an. Regelmäßige Unterrichtstermine hat dort keiner seiner Studenten. „Ich halte nichts davon, zum Beispiel jeden Dienstag zu unterrichten. Dann würden sich die Schüler zwei Tage lang vorbereiten, anschließend wären sie vier Tage faul. Nein, bei mir müssen sie jeden Tag mit einer E-Mail rechnen, dass sie am nächsten Tag ihren Termin haben, müssen also immer fit sein und ständig üben.“

Anders wäre es bei Lindemann auch nicht möglich. Der weltweit gefragte Solist ist zusammengerechnet fünf bis sechs Monate des Jahres unterwegs, in Konzertsälen auf allen Kontinenten, und der Unterricht wird flexibel dazwischen gelegt. Nach dem gestern mit zwei Konzerten in der Rostocker Hochschule zu Ende gegangenen Sommercampus ist er aber erst mal privat weg: bei Ibiza auf einer Yacht.

„74 Meter lang“, sagt Lindemann bedeutungsvoll und lacht: Nein, nicht seine eigene.

14 Teilnehmer (aus Japan, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland, darunter von der Norddeutschen Philharmonie) hatten in Lindemanns Rostocker Meisterkurs jede Menge Spaß und Erkenntniszuwachs.

Insgesamt studierten 110 aktive Teilnehmer aus 18 Nationen in neun Kursen, die allesamt sehr hochkarätig besetzt waren: Neben Lindemann unterrichteten Bachspezialist Helmuth Rilling, Meistercellist Heinrich Schiff, Kontrabassist Petru Iuga, Pianist Filippo Faes, die Sängerin Klesie Kelly, der Sänger Klaus Häger, die Geigerin Latica Hond-Rosenberg und die Klarinettistin Shirley Brill.

Wie für viele Teilnehmer war es für Jens Lindemann der erste Besuch in der Hansestadt. „Es ist sehr schön hier, die Hochschule, auch die Stadt ist sehr schön.“ Er sei einmal in Norddeutschland aufgetreten, wohl 1993 mit dem Orchester des Schleswig-Holstein-Festivals, erinnert er sich. Das war kurz nachdem er wichtige Preise wie den ARD-Musikpreis gewonnen hatte. „Da klingeln dann die Agenturen.“ Aber er würde gern wieder kommen, wenn er mit seiner Show „Brass Fire“ 2014 nach Deutschland kommt. Damit zeigt er alle Facetten des Instruments, spielt Klassik und Jazz, Pop und Spanisches. Ein echtes Crossover-Projekt mit einem lebhaften Musikanten.

Dietrich Pätzold

Die Ruhr-Triennale präsentiert ein Projekt mit Dokumentarfilmer Adam Curtis.

31.08.2013

Der irische Literaturnobelpreisträger Seamus Heaney ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Das teilte das irische Kulturministerium gestern mit.

31.08.2013

Die Uraufführung ist am 6. September in Bad Lauchstädt.

31.08.2013
Anzeige