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Vor 50 Jahren: Martin Luther King hält seine berühmte Rede — „I have a dream“

Washington Vor 50 Jahren: Martin Luther King hält seine berühmte Rede — „I have a dream“

Martin Luther King legt seinen Redetext zur Seite. Rund zehn Minuten hat er ihn befolgt, nun spricht er frei. Der Baptistenprediger hebt den Blick, hält sich mit beiden Händen am Rednerpult fest.

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Martin Luther King (1929-68)

Washington. Martin Luther King legt seinen Redetext zur Seite. Rund zehn Minuten hat er ihn befolgt, nun spricht er frei. Der Baptistenprediger hebt den Blick, hält sich mit beiden Händen am Rednerpult fest. Dann macht er Geschichte, indem er ruft: „I have a dream“. Hunderttausende hören ihm gebannt zu, als er seinen Traum von der Gleichstellung aller Menschen beschreibt, hier mitten in der US-Hauptstadt Washington, vor dem Denkmal für Präsident Abraham Lincoln, der 100 Jahre zuvor die Sklaverei abgeschafft hatte. Der Jubel ist gewaltig. Viele haben Tränen in den Augen.

Es waren Kings spontane Worte, die den 28. August 1963 zum historischen Tag für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung machten. Seine Rede brannte sich tief ins Gewissen der Nation, die in ihrer Unabhängigkeitserklärung zwar bekennt, „dass alle Menschen gleich erschaffen sind“, in Wirklichkeit aber die Rassen immer noch trennte. „Hundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei“, rief King in seinem gospelartigen Singsang. „Ich habe einen Traum, dass sich diese Nation eines Tages erheben und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird“.

Doch die Rede des damals 34-Jährigen war nur der Höhepunkt eines viel größeren Ereignisses. Von überall waren die Menschen an den Potomac gereist, um für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung zu demonstrieren. Die großen schwarzen Bürgerrechtler hatten zum „Marsch auf Washington für Jobs und Freiheit“ aufgerufen. Die Massenkundgebung sollte den Druck auf Präsident John F. Kennedy und den Kongress erhöhen, endlich ein umfassendes Bürgerrechtsgesetz zu verabschieden und mehr gegen Arbeitslosigkeit und Armut zu unternehmen.

Der bis dahin größte Volksprotest in der Hauptstadt bescherte den Bürgerrechtlern wohlwollende Aufmerksamkeit, die sie mit ihren lokalen Aktionen kaum erzielen konnten. Alle Fernsehsender zeigten live, wie Schwarze und Weiße gemeinsam friedlich demonstrierten.

Heute herrscht Einigkeit, dass die USA einen „umgestaltenden Moment“ erlebt hatten, wie Sänger Harry Belafonte es ausdrückt. Der ehemalige Außenminister Colin Powell meint: „Die Rede hielt allen Amerikanern einen Spiegel entgegen, um tief in den Geist und die Seele unseres Landes zu blicken.“

 

Marco Mierke

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