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Zyklus von Mahler in Rostock unbeirrt fortgesetzt

Rostock Zyklus von Mahler in Rostock unbeirrt fortgesetzt

Obwohl die Planung für die zweite Saisonhälfte des Volkstheaters Rostock aus finanziellen Gründen völlig ungewiss ist, setzte die Norddeutsche Philharmonie unter ihrem Chef ...

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Heinz-Jürgen Staszak über das 1. Philharmonische Konzert.

Rostock. Obwohl die Planung für die zweite Saisonhälfte des Volkstheaters Rostock aus finanziellen Gründen völlig ungewiss ist, setzte die Norddeutsche Philharmonie unter ihrem Chef Florian Krumpöck (35) in ihrem 1. Philharmonischen Konzert unbeirrt ihren im November 2011 begonnenen Mahler-Zyklus fort. Am Anfang aber stand als Beitrag zum Wagner-Jahr die Tannhäuser-Ouvertüre, als einziger Beitrag des Volkstheaters dazu fast ein wenig schäbig, wenn man bedenkt, dass die hiesige Wagner-Pflege der Stadt einst die Bezeichnung „Bayreuth des Nordens“

eingetragen hatte. Dafür wurde sie gut gespielt, in geschickter Dramaturgie, mit einem gepflegten Streicherklang, mit dem die Bläser nicht immer mithalten konnten.

Zu besseren Balancen fanden sie dann im nahezu kammermusikalischen Duktus der Sinfonie Nr. 4 G-Dur (1901) von Mahler, zu der mit dessen Orchestersatz „Blumine“ übergeleitet wurde. In dieser Sinfonie, der letzten der „Wunderhorn“-Sinfonien, überraschte Krumpöck mit einer eigenwilligen Sicht. Er beließ sie ganz im lebensfreundlichen Volksliedton, drängte ihre drohenden und schneidenden Momente, die auch hier Mahlers tiefe Melancholie andeuten können, zurück und nutzte sie eher zur Bestärkung der Gelöstheit. Selbst im zweiten Satz, dem „Totentanz“, vermieden er und die geschmeidigen Violinsoli von Sylvio Krause (48) den Widerschein spitziger Dämonie. Existenzieller wurde es im Adagio, mit fast schmerzhafter Schönheit und Innigkeit musiziert, die nach zwischenzeitlicher Gefährdung wieder zu sich selbst zurückkehren.

So machten Krumpöck und sein mit schöner Transparenz spielendes Orchester aus der scheinbaren Naivität des Volkstons eine zarte, farbig leuchtende, reich ausdifferenzierte Poesie: ein glückliches Bild der „irdischen Freuden“. Da mochte man sich fragen, wozu es noch einen vierten Satz brauchte, in dessen Gesang die „himmlischen Freuden“ gepriesen werden und empfohlen wird, solche irdischen zu meiden. Theresa Grabner (28) aus dem Opernensemble sang dieses Lied in schlichter Geradlinigkeit, vielleicht etwas monochrom, von der Empore des ersten Ranges herab, was den Verklärungsmodus nur verstärkte — und dieses Finale zu einer unhinterfragten, etwas dünnen Utopie machte.

 

OZ

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