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Kurz nach Missbrauchs-Urteil: Häftling tötet sich selbst

Bützow Kurz nach Missbrauchs-Urteil: Häftling tötet sich selbst

Tod in der Zelle: Gestern früh wurde der 39-jährige Dirk L. um 6.45 Uhr leblos in seinem Haftraum in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bützow (Landkreis Rostock) aufgefunden.

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Dirk L. (†) Foto: Cornelius Kettler

Bützow. Mehrere JVA-Beamte hätten sofort Reanimierungsmaßnahmen eingeleitet, erklärt Tilo Stolpe, Sprecher des Justizministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Ein Notarzt habe jedoch nur noch den Tod des Häftlings feststellen können: Der 39-jährige Lübecker hatte sich offensichtlich in seiner Zelle stranguliert.

„Die Ermittlungen haben keine Anzeichen auf eine Straftat ergeben, deshalb gehen wir von einem Suizid des Häftlings aus“, sagt ein Sprecher vom Polizeipräsidium Rostock. Ein Rechtsmediziner habe eine Leichenschau vorgenommen, außerdem sei der Haftraum von der Polizei kriminaltechnisch untersucht worden.

Nur zwei Tage zuvor war Dirk L. vom Landgericht Schwerin wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter zu vier Jahren und vier Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden, erklärt Richter Detlef Baalcke.

Zum Zeitpunkt seines Todes war der 39-Jährige allein in seinem Haftraum, berichtet Tilo Stolpe. Es habe keine Anhaltspunkte für eine Suizidgefährdung gegeben. In diesem Fall wäre der Verurteilte in eine Doppelzelle verlegt worden.

Im Prozess vor dem Landgericht Schwerin war Dirk L. vorgeworfen worden, in der Zeit von Mai bis August vergangenen Jahres in insgesamt 18 Fällen die seinerzeit zehnjährige Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Herrnburg (Nordwestmecklenburg) sexuell missbraucht zu haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es dabei zwei Mal zum Geschlechtsverkehr gekommen war.

Die Mutter des Mädchens hatte ihren Lebensgefährten am 19. August 2012 dabei überrascht, wie er die Zehnjährige in ihrem Kinderzimmer missbraucht hatte. Die Frau war auf Dirk L. losgegangen und hatte sich schützend vor ihre Tochter gestellt. Das Mädchen befindet sich seitdem in psychologischer Behandlung.

Bundesweit setzen Studien zufolge jedes Jahr bis zu 100 Gefangene ihrem Leben selbst ein Ende, die meisten von ihnen während der U-Haft. Vier von zehn Häftlingen sind demzufolge suizidgefährdet. Im Nordosten hätten sich — mit dem Suizid in dieser Woche — seit 2009 vier Gefangene umgebracht, berichtet Ministeriumssprecher Stolpe. Etwa 1400 Häftlinge würden in den vier JVA und einer Jugendanstalt von MV ihre Strafen absitzen.

Bernhard Schmidtbauer

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