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MV aktuell Land baut Grundwasser-Messnetz aus
Nachrichten MV aktuell Land baut Grundwasser-Messnetz aus
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15:29 29.10.2018
Jörg Möller (l.) und Silvano Schilling von der Bohrfirma Vormann & Partner arbeiten bei Neukalen (Mecklenburgische Seenplatte) bei einer Bohrung für eine neue Grundwasser-Messstelle. Bis 2021 sollen etwa 300 Messstellen in Betrieb sein, 100 mehr als bisher. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Warsow/Schwerin

Das Grundwasser wird in Mecklenburg-Vorpommern künftig genauer analysiert, um auf Verunreinigungen schneller reagieren zu können. Bis 2021 werden rund 100 neue Grundwassergütemessstellen gebohrt und errichtet, wie Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag in Warsow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) erklärte. Allein 31 davon werden an der Seenplatte errichtet. Damit verfüge der Nordosten über fast 400 Messstellen. Der Bau der 100 Bohrungen kostet rund 400000 Euro. Bei Warsow wurde eine 20-Meter-Tiefbohrung vorgestellt, die ein Zulaufgebiet in Richtung Kummerower See überwacht.

Von der Grundwassergüte hängt laut Backhaus die Versorgung mit Trinkwasser ab, bei dem der Nordosten enorme Reserven hat. „In Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit nur zehn Prozent des sich täglich neu bildenden Grundwassers verbraucht.“ Wasser sei „das flüssige Gold der Erde.“ In anderen Regionen der Erde werde sogar Krieg um Wasservorkommen geführt.

Technisch wird die oberste Grundwasserschicht untersucht, um zügig Einträge, wie Nitrate und andere Nährstoffe, Medikamente oder Mikroplastik zu bemerken. Das Trinkwasser wird aus der etwa 70 bis 80 Meter tiefen dritten Grundwasserschicht entnommen, erläuterte der Leiter des zuständigen Staatlichen Umweltamtes Christoph Linke. Bei bisherigen Messungen seien in 11 der 53 Grundwasserkörper zu hohe Nitratbelastungen gefunden worden, das Gros davon im Nordwesten Mecklenburgs. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sehe es aber „viel schlimmer aus.“

Die Schweriner Landesregierung wolle weiter konstruktiv mit den Landwirten zusammenarbeiten, betonte der Minister: „Die Bauern sind unsere Partner, nicht unsere Gegner.“ So könnten Düngung und Fruchtfolge auf den Feldern optimiert werden, um damit das Trinkwasser zu schützen und die Artenvielfalt zu erhöhen. Dafür sollten die Landwirte auch Geld bekommen, wie es bestimmte Agrarförderprogramme des Landes bereits vorsehen. Bestimmte Zwischenfrüchte auf den Äckern reduzierten den Nährstoffgehalt. „Das ist bei Pflanzen wie beim Menschen: Man sollte nur soviel aufnehmen, wie einem gut tut.“

Von Winfried Wagner, dpa