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Land unter: MV drohen mehr Überschwemmungen

Rostock Land unter: MV drohen mehr Überschwemmungen

Starkregenfälle häufen sich, versiegelte Böden werden zum Problem

Rostock. Heftige Unwetter haben in der Nacht zum Freitag in Mecklenburg-Vorpommern für Überschwemmungen gesorgt. In Rostock waren binnen kürzester Zeit etwa 40 Millimeter Regen gefallen. Drei Straßen wurden überflutet. Auch in Schwerin hat die Unwetterfront mehrere Einsätze von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Die Rettungskräfte waren am Donnerstagabend in den Stadtteilen Neumühle und in der Gartenstadt im Einsatz, wie die Polizei gestern mitteilte. Grund hierfür waren blockierte Straßen durch umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste. Laut Polizei wurde die Kreuzung am Schweriner Zoo überflutet. Verletzt wurde niemand. Größere Schäden blieben aus. Auch der Rest Landes kam glimpflich davon.

Toralf Tiedtke, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes MV, warnt jedoch vor den Gefahren künftiger Unwetter. Seit der Wende seien im Land riesige Flächen versiegelt worden. Wo einst grüne Wiese Niederschlag aufnehmen konnte, pflastern heute Wohn- und Gewerbegebiete Böden zu. Regnet es stark, bilden sich auf Beton reißende Bäche, die viele städtische Kanalisationen ad hoc nicht ableiten können. Auch das Umland ist mit der menschgemachten Flut überfordert: Die 31000 Kilometer Gewässer, die von den 27 Wasser- und Bodenverbänden im Land gepflegt werden, seien seit 1992 quasi unverändert, sagt Tiedke. Weil regionale Starkregenfälle immer häufiger auftreten, steige das Risiko für Überschwemmungen. Das werde durch Vorschriften noch verschärft, sagt Tiedtke. So sei es erst ab Mitte Juli erlaubt, Gewässer zu entkrauten. Bis dahin seien die – nicht zuletzt durch die Stickstoffeinträge der Agrarwirtschaft – so zugewuchert, dass der Wasserabfluss behindert werde. „Da bremst jeder Schilfhalm, jede Alge.“ Ferner verlange die Wasserrahmenrichtlinie der EU, Gewässer in den Zustand zu versetzen, wie sie vor 150 Jahren waren. „Aber man kann nicht Kulturlandschaft fordern und zeitgleich zurück zur Natur wollen. Das ist ein Widerspruch, der gelöst werden muss. Wo wir Natur wollen, muss der Mensch weichen.“

Das sollte an Fließgewässern dringend passieren, fordert Anja Kureck, Flächenmanagerin beim Naturschutzbund (Nabu) in MV. „Wir müssen Flüssen den Raum zugestehen, die ihnen die Natur zugedacht hat.“

Stattdessen würden sie eingedeicht und in ihren Auen Eigenheime gebaut. „Wir könnten uns Millionen für Hochwasserschutz sparen, wenn wir das ließen und die Natur hätte auch etwas davon“, sagt Kureck.

Ein Umdenken sei auch in der Agrarpolitik nötig. Weil auf Maisäckern bis in den April hinein nichts wächst, seien Böden schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt. Bei Starkregen könnten Schlammlawinen angrenzende Straßen überschwemmen.

Thomas Niebuhr und Antje Bernstein

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