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Landes-CDU setzt voll auf Merkel zur Bundestagswahl

Stralsund Landes-CDU setzt voll auf Merkel zur Bundestagswahl

Kanzlerin erhält bei Listenwahl 95 Prozent / Konservativer Kreis zahlt Lehrgeld

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Angela Merkel wurde von der Landes-CDU auf Listenplatz eins gewählt. Glückwünsche gab es von Fraktionschef Vincent Kokert.

Quelle: Foto: St. Sauer/dpa

Stralsund. Mit einer hellwachen Bundesvorsitzenden an der Spitze startet die Landes-CDU in den Bundestagswahlkampf: Angela Merkel erhielt am Wochenende bei der Kür auf Listenplatz eins 95 Prozent der Stimmen. 2013 waren es zwar 100 Prozent, aber die CDU setzt auch dieses Mal voll auf Merkel, das war am Sonnabend in der Alten Brauerei in Stralsund zu spüren. Die 62-Jährige sei „Deutschlands beste Antwort“ auf die Probleme in Europa und der Welt, so CDU-Landeschef Lorenz Caffier. Ziel sei es, wieder alle sechs MV-Direktmandate im Bundestag zu gewinnen.

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Kanzlerin erhält bei Listenwahl 95 Prozent / Konservativer Kreis zahlt Lehrgeld

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Stehende Ovationen und 75 Sekunden Beifall, als Merkels Ergebnis bekannt wird. Sieben von rund 140 Parteifreunden versagen ihr die Gefolgschaft. Merkel lächelt, verbeugt sich demütig. Es sei „eine Ehre, Deutschland zu dienen“. Zuvor hat sie klare Ansagen zur Bundespolitik gemacht, wie sie sie sich künftig vorstellt: Wirtschaft stärken, aber auch auf den sozialen Ausgleich achten, Forschung fördern, junge Familien zum Mittelpunkt der Politik machen. Sollte die CDU weiter die Regierung anführen, müssten die Etats für Verteidigung und Entwicklungshilfe aufgestockt werden. Langer Beifall, als sie fordert, die Kommunen mehr zu unterstützen. Lob verteilt Merkel an SPD-Altkanzler Gerhard Schröder. Der habe sich mit der umstrittenen Agenda 2010 und der Einführung der Hartz-IV-Gesetze „um Deutschland verdient gemacht“. Eine Reaktion auf Aussagen des aktuellen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der die Agenda infrage stellt. Merkel: „Das war das Konzept, das den Menschen mehr Zugang zum Arbeitsmarkt verschafft hat.“

Die CDU-Basis lauscht gebannt, Europaabgeordneter Werner Kuhn legt eine Boulevard-Zeitung aus der Hand. Merkel, zuletzt müde und unentschlossen wirkend, surft geschickt durch die Themen: Soli abbauen, Leistungen der Landwirte honorieren, Sicherheit erhöhen: „Wir müssen den Staat stärken“, sagt sie. Die Aufnahme von Flüchtlingen 2015 in einer Ausnahmesituation sei richtig gewesen – genauso aber das strikte Umsteuern danach mit konsequenter Abschiebung. Nicken im Raum. Eckhardt Rehberg übernimmt die Attacke auf die Bundes-SPD, Der „Herr Schulz aus Brüssel“ sei die Verkörperung von Verkrustung und Bürokratie der Europäischen Union. Rehberg warnt vor Rot-Rot-Grün, einer „Finanzministerin Wagenknecht“ und einem „Verkehrsminister Hofreiter“, sollte es bei der Wahl zu einem linken Bündnis reichen: „Sie werden es machen. Und dann: Deutschland gute Nacht.“ Gerade MV habe viel von der CDU-geführte Bundesregierung profitiert, so Rehberg.

Spannung liegt im Raum, als die Landesliste aufgestellt wird. Rehberg (62) erhält mit 97 Prozent auf Platz zwei das beste Ergebnis. Philipp Amthor (24) traut sich noch nicht. Der Mitbegründer des neuen „Konservativen Kreises“ in der CDU sollte gegen Dietrich Monstadt (59) aus Schwerin um Platz drei den Hut in den Ring werfen. Monstadt, der sich zum „Club der alten Männer“ zählt und zuletzt parteiintern wegen seiner Promotion bei AfD-Mann Prof. Ralph Weber in der Kritik stand, erhält ohne Gegenkandidat 78 Prozent. Dann tritt Amthor, Jura-Student aus Greifswald, zu einer kämpferischen Rede ans Mikrofon, fordert Karin Strenz (49), Parchim, um Platz vier heraus. „Ich bin fest überzeugt, dass wir einen starken Staat brauchen, der seine Bevölkerung schützt“, so Amthor. Strenz reagiert fast zaghaft, plaudert von ihrer Arbeit mit der Bundeswehr. Am Ende gewinnt sie knapp – 71 gegen 69 Stimmen. Amthor lässt sich brav auf Platz sechs setzen – so wie es der CDU-Landesvorstand wollte.

Die Revolution bleibt aus. Dazwischen landet Peter Stein (49), Rostock. Er haucht seine Themen ins Mikrofon, viele CDU-Leute hören nicht zu. Der Konservative Kreis feiert Amthors Abschneiden dennoch als „Achtungserfolg“. So leicht sei die CDU nicht zu erneuern, ist zu hören.

Beobachter sehen die CDU nach dem Parteitag gestärkt. „Sie zeigt sich mit dem Anspruch, jedem Wähler ein Angebot zu machen, als Volkspartei“, schätzt Dr. Martin Koschkar, Politologe der Universität Rostock. Die CDU besinne sich auf ihre Stärken, spare noch mit Kritik an anderen. Er habe die Ohren gespitzt, als Merkel eine „Agenda 2025“ ankündigte. Vertieft hat die CDU-Chefin dies aber nicht.

CDU-Landesliste

1. Angela Merkel, Stralsund, 95 Prozent der gültigen Stimmen

2. Eckhardt Rehberg, Marlow, 97 Prozent

3. Dietrich Monstadt, Schwerin, 78 Prozent 4. Karin Strenz, Parchim, 71 von 140 Stimmen in Abstimmung gegen Philipp Amthor

5. Peter Stein, Rostock, 110 von 131 Stimmen, 85 Prozent 6. Philipp Amthor, Greifswald, 73 Prozent.

Bei der Bundestagwahl im Jahre 2013 erreichte die CDU 42,5 Prozent der Wählerstimmen in MV.

Frank Pubantz

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