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MV aktuell Landesorden für „Gorbi“: Schwesig reist nach Moskau
Nachrichten MV aktuell Landesorden für „Gorbi“: Schwesig reist nach Moskau
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07:52 27.10.2018
Der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow erhält einen hohen Orden des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Tobias Hase/dpa
Rostock

Späte Ehre für einen prominenten Wegbereiter der deutschen Einheit: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will kommende Woche einen hohen Landesorden an Michail Gorbatschow (87) verleihen. Gorbatschow war von 1985 bis 1991 Staats- und Parteichef der Sowjetunion. Mit seiner Politik ebnete er den Weg für das Ende des Kalten Krieges, sorgte maßgeblich dafür, dass die beiden deutschen Staaten sich Ende der 1980er-Jahre annäherten, am Ende die Mauer fiel.

„Michail Gorbatschow hat Geschichte geschrieben“, erklärt Schwesig. „Ohne ihn hätte es die deutsche Einheit und damit auch unser heutiges Bundesland nicht gegeben.“ Sie habe wie viele Menschen im Nordosten „allergrößten Respekt vor seiner Leistung“. Bei der Auszeichnung handele es sich um die „Medaille für besondere Verdienste um das Land Mecklenburg-Vorpommern im vereinten Europa und der Welt“. Beobachter ordnen die Auszeichnung in Schwesigs betont pro-russische Politik ein.

Lesen Sie mehr: OZ-Kommentar zur Verleihung des MV-Ordens

Die Ehrung solle im Zuge von Schwesigs Russlandreise erfolgen. Die Ministerpräsidentin wird am 1. November zum 25-jährigen Bestehen des Deutsch-Russischen Forums Moskau die Festrede halten. Vorsitzender ist Matthias Platzeck, Ex-SPD-Bundeschef, der beim Russlandtag in Rostock Festredner war. Geplant seien in Moskau auch Treffen mit Unternehmern und Politikern. Gorbatschow könne die Ehrung nicht selbst nicht entgegennehmen. „Es wird aber ein Vertreter seiner Stiftung anwesend sein“, so Regierungssprecher Andreas Timm.

Die Nachricht zur Gorbatschow-Ehrung schlägt in MV hohe Wellen. „Oha“, reagiert Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock. Er lobt die Entscheidung. Gorbatschow sei „eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, die sich in schwierigen Zeiten für Frieden und Versöhnung eingesetzt habe. „Er war damals mein Held“, so Madsen. „Helmut Kohl allerdings auch.“ Der Kanzler der Einheit.

Kontroverse Reaktionen

Kontroverse Reaktionen kommen aus der Politik. Tenor: Klar habe Gorbatschow jede Ehrung verdient, warum aber nun gerade aus MV? Von „peinlicher Posse“ und „Schwesig-PR“ ist da zu hören, SPD-intern von „Geschichtsverklärung“ die Rede, da Russland unter Putin heute nun einmal auch Gefahr bedeute.

CDU-Landeschef Vincent Kokert erklärt süffisant: Gorbatschow habe „bereits alle nationalen und internationalen Ehrungen erhalten“. Bernhard Wildt, Bürger für MV, findet die Idee gut: „Ohne Gorbatschow hätte es den Wandel nicht gegeben.“ Allerdings sehe er die Annäherung an Russland auch kritisch. „Präsident Putin würde sicher heute anders handeln.“

Orden erst einmal verliehen

Der genannte Landesorden sei bisher erst einmal verliehen worden. 2014 würdigte Ex-Regierungschef Erwin Sellering (SPD) den früheren polnischen Außenminister, Władysław Bartoszewski, in Greifswald für dessen Einsatz bei der deutsch-polnischen Versöhnung.

Reformer Gorbatschow war nicht unumstritten. 1989 begrüßten ihn Demonstranten in der damaligen DDR hoffnungsvoll mit „Gorbi“-Rufen. Als die Mauer fiel, ließ der mächtige Staatschef die friedliche Revolution geschehen. Im eigenen Land trat er nach einem Putsch-Versuch 1991 zurück.

Frank Pubantz