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MV aktuell Landespolizei schaltet Kinderporno-Ring aus
Nachrichten MV aktuell Landespolizei schaltet Kinderporno-Ring aus
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18:36 05.12.2018
Tatort Darknet: Dem Landeskriminalamt MV ist ein Schlag gegen einen Kinderporno-Ring gelungen. Quelle: dpa
Rostock

  Erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität weltweit: Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) ist es nach monatelangen Ermittlungen gelungen, den Betreiber einer Kinderpornografie-Plattform im Darknet auszuschalten. Auf der Plattform, die von Russland aus verschlüsselt betrieben wurde, seien 300000 illegale Dateien mit kinderpornografischen Inhalten und mehrere hundert Nutzer festgestellt worden, sechs davon aus Deutschland.

Das LKA habe einen anonymen Hinweis über die Internetseite „Netzverweis“ erhalten. Auf dieser Meldestelle für Straftaten im Internet können Bürger seit 2010 mitteilen, wenn ihnen etwas auffällt. Einer dieser Hinweise, eingegangen im September, habe die Spur zum Betreiber der Kinderpornografie-Plattform gebracht. Mit Hilfe einer skandinavischen Firma sei es gelungen, den Betreiber in Russland ausfindig zu machen, erklärt LKA-Sprecherin Anna Lewerenz: in Novocherkassk, einer Stadt mit rund 170000 Einwohnern rund 50 Kilometer nordöstlich des Schwarzen Meeres, 2500 Kilometer von Rostock entfernt. Über das Bundeskriminalamt (BKA) sei dann Kontakt mit russischen Sicherheitsbehörden aufgenommen worden. Es folgten: ein Treffen in Moskau, Durchsuchungen, Festnahme, Schließung der Plattform. Die Polizei habe auch Betäubungsmittel sichergestellt. Gegen den Plattformbetreiber sei bereits Anklage vor Gericht erhoben worden.

Mehr Straftaten im Internet

56 Fälle von Besitz, Verbreitung oder Herstellung kinderpornografischer Schriften hat die Polizei im Jahre 2017 in MV registriert. In diesem Jahr sei von noch mehr auszugehen, heißt es vom LKA.

Bundesweit stiegen die Zahlen kinderpornografischer Fälle im Internet weiter an, allein 35000 Hinweise habe das BKA im Jahre 2017 erhalten. Die meisten Hinweise erhalten Behörden derzeit von der Nichtregierungsorganisation NCMEC in den USA. Diese arbeitet mit Internetanbietern wie Facebook und Google zusammen, die Dateien zu Kinderpornografie aufstöbern.

Das LKA wertet den Fall als „bedeutsamen Schlag im Kampf um den Schutz vor sexuellem Missbrauch von Kindern“, zuständig sei das Dezernat Cybercrime. „Das ist ein Erfolg“, sagt auch Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, die die Polizeiarbeit koordinierte. Wie schwierig die Ermittlungen waren, verdeutlicht er mit Zeitdruck: Nur sechs Tage hätten Ermittler in Deutschland Zeit, um über die IP-Adresse eines verdächtigen Computers den Nutzer ausfindig zu machen. Weltweit sei dies rechtlich sehr unterschiedlich geregelt. „Von manchen Nutzern hatten wir nur die E-Mail-Adresse“, so Nowack. Andere blieben unerkannt. Man habe „unzählige Rechtshilfeersuchen in der ganzen Welt gestellt“. Denn die Nutzer, die sich im Darknet Fotos und Filme nackter Kinder ansahen, stammten aus Großbritannien, den Niederlanden, den USA, Australien, Russland oder China. Sechs aus Deutschland. „Gegen alle diese Personen wurden Verfahren wegen des Erwerbs und des Besitzes kinderpornografischer Schriften eingeleitet“, so Nowack. In Deutschland werde dies mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, die Weitergabe von Material mit mindestens drei Monaten Freiheitsstrafe.

„Netzverweis“, die Online-Meldestelle des LKA für Straftaten im Internet. Hier ging der Hinweis zu Straftaten ein. Quelle: Frank Pubantz

Erfolgreich seien die Ermittlungen schließlich gewesen, weil die Polizei „der Spur des Geldes folgte“, so Nowack. Der Plattformbetreiber kassierte in Kryptowährungen für seine strafbaren Dienste. Genau hier, in dunklen Winkeln des Internets, setze die Arbeit der Cybercrime-Ermittler beim LKA an. Ziel sei es, „Straftäter aus der scheinbaren Anonymität des Internets herauszuholen“, so Sprecherin Lewerenz. Dies gelte etwa bei Kinderpornografie, Kindesmissbrauch, illegalem Handel mit Anabolika, Potenzmitteln oder gefälschten Medikamenten. Auch gewaltbereite Extremisten würden auf diese Weise im Darknet verfolgt. „Dazu begeben sich die Ermittler auf virtuelle Streife in Tauschbörsen, Blogs, Foren, Videoplattformen und sozialen Netzwerken“, so Lewerenz.

Mehr zum Thema: Polizei braucht Potenzial – Ein Kommentar

Frank Pubantz

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